Freyung. Wo einst das Bier im kühlen Eiskeller lagerte und Generationen von Freyungern im „Passauer Hof“ am Stammtisch beisammensaßen, herrscht seit vergangenem Samstag wieder reges Treiben. Mit einer stimmungsvollen Vernissage wurde der „GewölbeHof“ offiziell eröffnet. Das geschichtsträchtige Gebäude am Stadtplatz, das seit Sommer 2021 leerstand, verwandelt sich damit pünktlich zur Bayerischen Landesausstellung „Musik in Bayern“ in einen lebendigen Ort der Begegnung, der Handwerk, Kunst und Genuss unter einem Dach vereint.

Ja, es war durchaus ein Moment mit Symbolkraft, als sich die Türen der ehemaligen Gastwirtschaft am Stadtplatz auch ganz offiziell wieder für die Öffentlichkeit öffneten. Unter dem neuen Namen wurde das historische Anwesen als zentraler Begegnungsort für die Landesausstellung eingeweiht. Das Konzept der Stadt Freyung und des Vereins „Heimat Freyung e.V.“ ging bereits am ersten Tag voll auf: Rund 80 geladene Gäste und Besucher drängten sich allein zur Vernissage der Ausstellung „Fake Noise“ in den spektakulären Kellerräumen.
Diese fand tief unter der Erde statt: In den rauen, geschichtsträchtigen Mauern des ehemaligen Eiskellers präsentierten die Künstler Gerald „Greulix“ Schrank und Christian „Taison“ Heiss (alias Portmanteau) ihre außergewöhnlichen Musik-Exponate.
Klangkunst im historischen Eiskeller
Die beiden Münchner Objektkünstler haben aus „altem Klump“, wie sie es selbst liebevoll nennen, skulpturengleiche Musikmaschinen erschaffen. Gefundene Schätze von Flohmärkten wurden dabei in monatelanger Handarbeit zu komplexen Installationen wie der „Singvase“ oder dem „Sittichquirl“ umgebaut. Besonders faszinierend: Die Besucher können die Werke ab sofort mit 50-Cent-Münzen eigenständig in Bewegung versetzen. Dann rattern, piepen und klingen die Apparate, imitieren die Natur oder regen humorvoll zum Nachdenken über Kapitalismus und künstliche Intelligenz an.
Das Musikobjekt „Disassemble Ensemble“, erbaut aus demilitarisierten 40-mm-FLAK-Geschütz-Ersatzteilkisten, diversen Märklin-Bausätzen und 40 Aktuatoren:
Bürgermeister Dr. Olaf Heinrich betonte in seiner Eröffnungsrede die Bedeutung des Gebäudes: „Dieser Ort besitzt eine Atmosphäre, die niemanden unberührt lässt. Wir zeigen hier erstmals, wie ein historisches Gebäude erfolgreich in eine neue Zeit geführt werden kann.“ Es gehe darum, „Herkunft und Zukunft“ immer gemeinsam zu denken – eine Philosophie, die im GewölbeHof nun greifbar werde.
Doch nicht nur unterirdisch, sondern auch ebenerdig gibt es einiges zu entdecken: In den Räumen der ehemaligen Metzgerei Sellner soll sich Handwerk mit internationaler Freundschaft verbinden. Der tschechische Gitarrenbauer Libor Pražan, der im Sommer 2025 von der Partnerstadt Vimperk nach Freyung zog, hat dort seine offene Werkstatt eingerichtet (da Hog’n berichtete).
Während der Landesausstellung wird Pražan nicht nur Einblicke in den Bau von Saiteninstrumenten gewähren, sondern ein besonderes Gemeinschaftsprojekt leiten: Über die kommenden Monate hinweg soll zusammen mit den Besuchern eine echte klassische Gitarre entstehen. Nach Fertigstellung wird dieses Unikat der Volksmusikakademie Bayern für den Unterricht zur Verfügung gestellt.
Neue Heimat für das „Forest Kaffee“
Ein Haus der Begegnung braucht auch einen Ort, an dem man bei Kaffee und Kuchen angeregte Gespräche über das Gesehene und Erlebte führen kann – und dieser findet sich in der ehemaligen Gaststube wider. Thomas Petermaier, der bereits in der Bahnhofstraße erfolgreich seine Rösterei betrieben hat, ist mit seinem „Forest Kaffee“ samt Team in den GewölbeHof eingezogen. Auch vor dem Haus mit der nun aufgefrischte Fassade laden Tische zum Verweilen ein.
Die Zwischennutzung während der Landesausstellung (bis November 2026) soll erst der Anfang sein. Das Projekt-Trio dient mehr oder weniger als Testlauf für eine langfristige, nachhaltige Sanierung des Gebäudes. Dass die Akzeptanz in der Bevölkerung groß ist, zeigte die herzliche Atmosphäre bei der Eröffnung. Die Künstler von Portmanteau brachten es auf den Punkt: „Von Tag eins an waren wir hier wie eine Familie.“
da Hog’n
Besucher-Infos:
- Ausstellung „Fake Noise“: Geöffnet bis Ende September, Di–Sa von 9–18 Uhr, So von 15–18 Uhr. Der Eintritt ist frei.
- Gitarrenwerkstatt: Libor Pražan ist während der Kernzeiten der Landesausstellung vor Ort und bietet Workshops sowie Führungen auf Tschechisch an.
- Nächster Termin: Am 5. Mai 2026 findet im GewölbeHof ein Filmabend mit anschließender Diskussion statt.
–> und hier gibt’s den Artikel auch auf Tschechisch, realisiert von unserem tschechischen Partner-Magazin sumava.eu
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