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Norwegen. Hinter uns liegt eine Nacht, die der Bezeichnung „Schmuddelwetter“ alle Ehre gemacht hat. Doch wer im Campervan durch Norwegen gondelt, lässt sich von ein bisschen Regen die Laune sicher nicht verhageln. Unsere Skandinavien-Reise führt uns weiter von den stillen Wäldern bei Åmli hinunter an die Küste nach Kristiansand, wo wir uns durch die norwegische Kulinarik puhlen, bevor uns ein Campingplatz-Besitzer in Ualand eine Vorhersage macht, die unsere Herzen höher schlagen lässt. Teil 6 von „On the Road to Norway“.

Montag, 9 Uhr, bei Åmli. Trommelwirbel auf dem Dach. Nein, kein Applaus, sondern der norwegische Dauerregen hat uns geweckt. Wir starten etwas verhalten in den Tag. Das Frühstück fällt pragmatisch aus: Müsli mit Veggie-Milch und ein paar Kekse, die wir noch in den Tiefen von „Freddys“ Stauräumen gefunden haben. Wir, das sind Hog’n-Redakteur Stephan Hörhammer und Fotografin Jennifer Schaller, machen uns bereit für die nächste Etappe: Mehr als 250 Kilometer liegen vor uns!

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Der Weg führt uns zunächst durch den südlichen Ausläufer des Telemark-Nationalparks Richtung Kristiansand an der markanten Landzunge von Norge. Die Straße schlängelt sich durch eine Landschaft, die selbst bei wolkenverhangenem Himmel eine unglaubliche Ruhe ausstrahlt. Wir fahren entlang riesiger, spiegelglatter Seen, umringt von dichten Nadelwäldern. In der Ferne blitzen immer wieder die felsigen Ausläufer der Berge auf. Es ist diese typisch norwegische Melange aus Weite und Wildnis, die uns auch nach fast einer Woche „on the road“ immer wieder staunen lässt.

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Kristiansand: Krabben-Puhlen für Fortgeschrittene

Gegen Mittag erreichen wir Kristiansand, die fünftgrößte Stadt Norwegens und so etwas wie das Tor zum Süden. Die Stadt ist bekannt für ihre weißen Holzhäuser, das imposante „Kilden“-Kulturhaus und ihren lebhaften Hafen. Doch als wir „Freddy“ unweit des Fischmarkts einparken, haben wir nur ein Ziel: die Fischmarkthalle „Fiskebrygga“.

Hier ist der männliche Camping-Reisende voll in seinem Element: Als bekennender Liebhaber von Meeresfrüchten führt für ihn kein Weg an den fangfrischen Nordsee-Krabben vorbei. Ein halbes Kilo wandert über die Theke – direkt aus dem Wasser, pur und unverfälscht. Während draußen der Regen gegen die Scheiben peitscht, herrscht drinnen reger Betrieb. Ich mache mich sogleich ans Werk: Puhlen, schnabulieren, genießen. Das Grinsen wird mit jeder Krabbe breiter. Meine Begleiterin, die Meeresfrüchten normalerweise eher skeptisch gegenübersteht, lässt sich zu einer Kostprobe hinreißen – immerhin ist es hier so frisch wie nur möglich.

Der anschließende Bummel durch die Fußgängerzone offenbart eine kleine Schwachstelle in unserer Ausrüstung: Jennifers Socken haben den Geist aufgegeben bzw. die Nässe durchgelassen. Ein schneller Abstecher in das nächste Sportgeschäft rettet den Tag, denn: Es gibt nichts Schöneres als frische, trockene Socken – zumindest für Jennifer…

In einer typischen „Bakeri“ (Bäckerei) legen wir einen Boxenstopp ein. Wir probieren „Pizzasnurrer“ – die norwegische Variante der Pizzaschnecke. Diese eingerollten Teigfladen sind der ideale Camper-Snack: handlich, lecker und sättigend. Dazu gibt es für mich natürlich noch ein Krabbenbrötchen. Man muss die Feste feiern, wie sie fallen – und die Krabben essen, solange sie da sind!

Bevor wir die Stadt verlassen, muss noch das obligatorische Pflichtprogramm für die Daheimgebliebenen erledigt werden: In einem der typischen „Troll-Shops“ decken wir uns mit Norweger-Pullovern, kleinen Troll-Figuren und norwegischen Fähnchen ein. Man will ja schließlich auch zeigen, wo man war. Ein kleiner Farbtupfer im grauen Regenalltag: Ein zahnloser Jogger, der uns in der Stadt entgegenkommt, scheint vom Wetter völlig unbeeindruckt – und grüßt uns mit einem breiten (wenn auch lückenhaften) Lächeln…

Die „Kiwi“-Jagd und der Weg nach Westen

Da soll’s alsbald hingehen: zum Preikestolen, eine Felsplattform in Ryfylke im norwegischen Fylke Rogaland.

Von Kristiansand aus geht es an der Küste entlang weiter Richtung Stavanger. Die Strecke ist spektakulär: Wir durchqueren zahllose Tunnel und erhaschen immer wieder erste, atemberaubende Blicke auf die Fjorde, die sich tief in die Küstenlinie einschneiden.

Ein Zwischenstopp beim „Kiwi“-Discounter ist Pflicht. In einem Land, das nicht gerade für Schnäppchenpreise bekannt ist, ist der grüne Riese mit dem Vogel-Namen häufig der Rettungsanker für das schmale Camper-Budget. Wir decken uns mit norwegischen Produkten ein, die wir später in Freddys kleiner Küche verarbeiten wollen.

Am frühen Abend erreichen wir schließlich den Campingplatz in Ualand. Der Besitzer empfängt uns mit einer Herzlichkeit, die sofort hängen bleibt. Man plaudert ein bisschen auf Englisch – eine Sprache, die hier wirklich jeder beherrscht und die mit dem norwegischen Singsang einfach fantastisch klingt.

„You are lucky!“, verkündet uns der Chef mit einem Blick auf sein Wetter-App-Orakel. Er macht uns heiß auf den Preikestolen, das berühmte Felsplateau über dem Lysefjord, das wir morgen erklimmen wollen. Morgen soll der einzige Tag der Woche sein, an dem die Sonne scheint. Ein echtes Wetter-Lotto-Los für uns!

Gourmet-Abend im Camper

Zum krönenden Abschluss eines ereignisreichen Tages wird in unserem „Freddy“ wieder aufgekocht. Auf dem Zwei-Flammen-Gasherd brutzelt feiner norwegischer Lachs in der Pfanne vor sich hin. Es gibt Lachs-Wraps, garniert mit den restlichen Krabben aus Kristiansand, die wir sicher im Kühlschrank transportiert haben. Wir sitzen in unserem mobilen Zuhause, blicken auf den angrenzenden See, in dem die Fische springen – und lassen den Tag Revue passieren.

Die Vorfreude auf den Preikestolen ist riesig. Wenn der Mann aus Ualand recht behält, erwartet uns morgen einer der ersten Höhepunkte unserer Reise…

Stephan Hörhammer

Im siebten Teil unserer Hog’n-Road-Trip-Serie geht’s von Ualand aus weiter zum Preikestolen, vorbei an Stavanger bis zum Leuchtturm von Fjøløy – wobei es zu einer recht knuddelig-wolligen Begegnung (mit gewissen Hinterlassenschaften) am Meer gekommen ist…

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