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Bischofsmais. Der Bayerische Wald heute: Moderne Laufställe mit automatischen Entmistungssystemen, digitale Melkroboter und großzügige Weideflächen, auf denen das Fleckvieh unter dem weiß-blauen Himmel grast, prägen das bäuerliche Bild unserer Region. Doch wer die Geschichte unserer Heimat verstehen will, muss den Blick zurückwerfen in eine Zeit, in der die Landwirtschaft noch kein hochtechnisierter Wirtschaftszweig, sondern ein täglicher Überlebenskampf auf kargem Boden war.

Wo Zeitzeugin Gertrud Pledl aus Bischofsmais und Kreisobmann Roland Graf vom Bayerischen Bauernverband (BBV) stehen, waren früher die Kühe, links und rechts noch ein Stand für die abkalbende Kuh.

Die Wurzeln der hiesigen Bauernhöfe liegen in einer Ära, in der Mensch und Tier unter einem Dach so eng zusammenrückten, dass die Grenzen zwischen Wohnstube und Stallung regelrecht verschwammen. Es war eine Zeit der kurzen Wege und eine Zeit, in der das Vieh nicht nur Fleisch- und Milchlieferant war, sondern stets präsenter Teil des alltäglichen Lebens.

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Gemeinsam mit Roland Graf, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), der ersten bayerischen BBV-Kreisobfrau Teresa Fenzl und der Zeitzeugin Gertrud Pledl werfen wir einen Blick zurück in eine Ära, die noch gar nicht so lange her ist – und doch wie eine andere Welt wirkt.

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Wenn die Wärme des Viehs das Schlafzimmer heizt

So waren die Türen früher konstruiert. Die Einfassung per Eisenrahmen kam erst später.

Dass Landwirtschaft früher reine Überlebenssache war, zeigt sich schon an der Architektur der alten Waidler-Häuser. „Früher war in Bauernhäusern das Schlafzimmer immer oberhalb des Stalles, denn von dort ging es warm hinauf in den Wohnbereich – und man dachte: Wenn es warm ist, fühlt sich auch das Tier wohl“, erklärt Roland Graf. In einer Zeit ohne Zentralheizung diente das Vieh als natürliche Heizquelle des Hauses. Gertrud Pledl aus Bischofsmais erinnert sich noch gut an diese Symbiose. In ihrem früheren Stall standen vier Kühe, zwei Kälber und ein paar Schweine.

Die Tatsache, dass ihr Stall bereits eine Betondecke besitzt, deutet Graf als Zeichen einst einsetzender Modernisierung: „Früher war es nur eine Holzdecke, so dass Geruch und Wärme deutlich besser durchdringen konnten.“ Pledl nickt bestätigend und ergänzt dabei einen praktischen Aspekt der kurzen Wege: „Man ging nachts auch aufs Klo in den Stall, denn ein WC hat’s ja nicht gegeben – nur ein Plumpsklo. Da war nur eine Holztür zwischen Stall und Haus – und man musste nicht raus in die Kälte.“

Der Stall war nicht nur Arbeitsplatz, sondern oft auch der geselligste Ort des Hofes. „Auf einem typisch alten Bauernanwesen waren Haus, Heustadl und Stall immer eng beieinander. Und weil der Stall der wärmste Raum war, stand dort auch der Badezuber, in dem erst der Vater, dann die Mutter und anschließend die Kinder sich badeten. Heute wäre das unvorstellbar, obwohl es noch gar nicht so lange her ist“, berichtet Graf und lächelt.

Vom Wassergrand zum Kühltank: Das Ende vieler kleiner Höfe

Einst befand sich das Schlafzimmer stets über dem Kuhstall, denn von dort aus stieg die Wärme empor.

Diese Nähe war auch notwendig, da die Arbeit oft an den Frauen hängenblieb. Während die Männer häufig auswärts arbeiteten, um das nötige Bargeld zu verdienen, schmissen die weiblichen Bewohner den Hof. „14 Kinder sind auf diesem Sacherl großgeworden – und alle haben von dem, was dabei abfiel, gelebt“, blickt Gertrud Pledl zurück. Die Frauen mussten damals alles können – vom Melken bis zur schweren Feldarbeit. Sie selbst machte einst das Heu oft alleine, steuerte Wender und Schwader ohne jeglichen Komfort: „Ohne Klimaanlage und ohne Dach auf dem Traktor“, wie sie betont.

Der Wandel der Zeit und die steigenden hygienischen sowie technischen Anforderungen läuteten schließlich das Ende vieler kleiner Betriebe ein. Früher wurden die Milchkannen einfach im Wassergrand, dem Dorfbrunnen, gekühlt. An zentralen Milchsammelstellen und den typischen Milchbankerln trafen sich die Bauern zum Austausch. Doch dann kam der Umbruch:

Plötzlich wurde behördlich eine elektrische Kühlung oder ein Kühltank gefordert. Für Gertrud Pledl war dies der Moment des Abschieds: „Für die Milch hätten wir einen Tank gebraucht und somit keinen Gewinn mehr gemacht. Deshalb haben wir auch die Schweine verkauft und die komplette Landwirtschaft eingestellt.“ Teresa Fenzl, studierte Betriebswirtin mit Schwerpunkt Steuerrecht, sieht darin eine historische Konstante: „Die gestiegenen Auflagen sind damals wie heute der Tod vieler Bauern.“

Zwischen Schinderei und Zusammenhalt

Einst waren die Sauställe ohne Tageslicht ausgestattet – so blieben die Tiere stets ruhig und verbrannte keine Kalorien.

Auch die Fütterung des Viehs war damals ein Knochenjob. Das Heu, heute oft in Rundballen gepresst, musste früher mühsam bewegt werden. „Wir mussten es von unten mit der Hand nach oben gabeln. Erst ganz viel später bekamen wir ein Gebläse“, erinnert sich Roland Graf. Und erst als man dazu überging, den Stall als separates Gebäude zu bauen, lagerte man das Heu darüber ein, um es bei Gebrauch einfach nach unten werfen zu können.

Obwohl etwa 35 Prozent der kleineren Betriebe in Bayern heute noch – so wie einst ausschließlich – die Anbindehaltung praktizieren, hat sich der Tierwohlgedanke Graf zufolge massiv entwickelt: „Seit geraumer Zeit werden die Ställe so gebaut, dass den Tieren mehr Platz und Licht und dem Menschen mehr Arbeitsqualität geboten wird. Dem Vieh muss es gutgehen – das ist das Wichtigste.“ Favorisiert sei heutzutage die Kombihaltung mit Weidegang im Sommer und Stallhaltung im Winter.

Was bei all der früheren Plackerei und harten Arbeit jedoch oft hängen blieb, war der soziale Kitt. Denn in der Enge der alten Ställe wuchs etwas, das heute mehr und mehr verloren gegangen ist: „Was früher viel intensiver war: Die ganze Familie hielt stets zusammen und half sich immer, wenn man einander brauchte. Auch, oder gerade, wenn es eine Schinderei war“, sind sich alle Beteiligten einig.

Marika Hartl


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