Viechtach. Metzger, Braumeister, Barkeeper, DJ, Student – all das beschreibt den Viechtacher Toni Oswald mit wenigen Worten. Der 27-Jährige rockt einmal monatlich die Lounge des Blossersberger Kellers im Rahmen von Vinyl-Abenden – und bringt dabei Musik für die Mid-Ager aus den achtziger und neunziger Jahren auf den Plattenteller, um damit auch deren Erinnerungen an alte „Limit„- und „Nap„-Zeiten wieder aufleben zu lassen.

„Privat höre ich Rock, Pop, deutsche Songs, aber auch Metal – alles außer Techno, denn das geht gar nicht“, setzt der Allrounder ein Statement. Bei einer Silvesterparty seiner Eltern schnappte er sich vor einigen Jahren erst seinen Plattenspieler, dann noch den seines Vaters und probierte sich erstmalig als DJ. Die Zeit mit CDs ist – bis auf das Alter zwischen acht und zwölf Jahren – ziemlich spurlos an ihm vorüber gegangen, sagt er. Dann kam folgt auch schon die iPod- und Streaming-Ära, um später wieder zur Schallplatte zurückzukehren.
„Das hat einfach was“, schwärmt Toni Oswald, blickt kurz mit einem Augenzwinkern auf und konzentriert sich sogleich wieder auf die sich drehenden runden, schwarzen Scheiben vor ihm. Seine Freundin Johanna Kramheller hat er ebenfalls von seiner Vinyl-Euphorie überzeugen können. „Platten kosten zwischen 15 und 60 Euro“, berichtet er und ergänzt: „Ich kaufe sie entweder in Plattenläden, wie hier in Viechtach, oder bei eBay. Es gibt auch Special-Sammler-Editionen, da kosten die Platten bis zu 500 Euro und mehr.“
„Hauptsache, den Leuten gefällt’s bzw. schmeckt’s!“

Toni Oswald legt sowohl Singles als und Langspielplatten (kurz: LPs) auf. Erste laufen mit einer Geschwindigkeit von 45 „rounds per minute“ (rpm), die LPs mit 33 rpm: „Da muss ich immer umstellen, denn sonst spielen sie zu schnell oder zu langsam ab“, weiß der DJ. Ständig bleibt er am Mischpult fokussiert und achtet penibel darauf, wann ein Song endet und der andere beginnt, um den richtigen Übergang zu schaffen. Dann schaut er auf seine vorbereitete Playlist, doch die nutzt ihm oft nicht allzu viel, denn: „Man braucht ein Gespür für die Zuhörer – und ich muss auch immer das beherzigen, was die Leute wünschen.“ Er erinnert sich: „Einmal bin ich mit einer fetzigen Playlist angekommen, aber dann wurden doch hauptsächlich Schlager gespielt, weil die Leute vor Ort einfach lieber Schlager hören wollten – und es ist mir wichtig, dem Publikum Freude zu bereiten“, erklärt Oswald und betont den zum Vinyl-Abend gehörigen Genussfaktor.
Dieser zieht sich quasi durch sein ganzes Leben. In der elterlichen Metzgerei in Schwäbisch Hall hat er die Fleisch- und Wurstverarbeitung von der Pike auf gelernt und als Kammerbester die Prüfung absolviert. Sogar ein Stipendium für Lebensmitteltechnik hätte er dafür bekommen, doch er entschied sich für den Studiengang „Brauerei- und Getränketechnik“ in Freising. „Braumeister sagte mir besser zu, denn zu Hause habe ich damals selbst schon gebraut.“
Derzeit arbeitet der junge Viechtacher in Lam beim Getränkehersteller Marle. „Die machen zwar kein Bier, sondern Schorlen, Limonaden, Säfte und Erfrischungsgetränke, doch es heißt trotzdem Braumeister“, klärt Toni Oswald auf und schmunzelt. Zuvor war er ein Jahr bei der Brauerei Hofmark beschäftigt. „Es ist eigentlich wurscht, ob’s um gute Getränke oder um gutes Fleisch geht – ich will Genussmittel anbieten, frei nach dem Motto: Hauptsache, den Leuten gefällt’s bzw. schmeckt’s!“
Sie mixt, er legt auf
„Wir haben verschiedene Mottoabende durchprobiert, um das Viechtacher Nachtleben zu beleben“, berichtet der 27-Jährige DJ weiter und fügt hinzu: „Der Vinyl-Abend kommt am besten an. Einmal im Monat begeistern wir hier Jung und Alt. Es ist Musik für jeden Geschmack dabei.“ Sobald die Dienstpläne im Blossersberger Keller geschrieben sind, werden die Termine via Instagram und Facebook bekannt gegeben. Und klar hofft Toni Oswald noch weitere Fans für LP-Musik begeistern zu können.

Auch als Barkeeper hat er sich gemeinsam mit seiner Freundin Johanna in die Cocktail-Mix-Thematik reingefuchst und sogar schon ein Cocktail-Buch verfasst. Ihr Lieblingsgetränk ist der nicht ganz so süße „Ginfinity Blue“, den sie selbst mit Vanillesirup, Maracujasaft, Red Bull und Blue Curacao kreiert haben. Während seine Freundin die Getränke mischt, geht Toni Oswald von Tisch zu Tisch und sammelt unter den Gästen Musikwünsche oder Platten ein, die er sogleich auflegen soll. „Die zwei Plattenspieler habe ich gebraucht gekauft, beides Originale aus den achtziger und neunziger Jahren“, freut sich der Discjockey über den Hauch von Nostalgie, den er selbst aufgrund seines Alters nur von Erzählungen kennt. Kistenweise LPs schleppt er für die Vinyl-Abende an. Ohne seine Plattenteller kann er sich das Leben nicht mehr vorstellen, sagt er und grinst.
Und auch die Gäste sind begeistert. Thomas Oberberger etwa hat Alben von der Spider Murphy Gang, Metallica und den Toten Hosen dabei. „Mein Plattenspieler geht nicht mehr“, berichtet er und ergänzt voll des Lobes, „deswegen hör ich sie mir hier an – und Toni arbeitet top.“ Auch andere Viechtacher sind inzwischen zu Stammgästen geworden, so etwa diverse Mitglieder der Stadtkapelle, die Freitagabends nach den Proben vorbeikommen, oder Josef Tremml, der heute mit Alois, Sonja, Sebastian und Janine Penzenstadler anwesend ist: „Es ist einfach schön, dass man in Viechtach abends ausgehen kann. Man fühlt sich wohl und die Musik ist super“, kommentiert Sonja mit einem strahlendem Lächeln und fügt hinzu: „Es erinnert uns an die Lieder aus Nap- und Limit Zeiten, als wir noch jung waren.“ Ihr Mann nickt bestätigend.
„Stillstand wäre deshalb mein Tod“
Nebenbei ist Toni derzeit noch mit seinem Online-Studium zum Pharmazeutischen Bioprozesstechniker beschäftigt. Ein Studiengang, den er mit dem Master abschließen will. „Ich habe das Arbeiten von zu Hause mitgekriegt: Meine Großeltern und Eltern haben so viel erreicht und waren immer fleißig – Stillstand wäre deshalb mein Tod“, meint der 27-Jährige, dessen Freundin neben Beruf und Barkeeping ebenfalls eine vielbeschäftigte Frau ist.
Und so stellen sich die zwei – sowohl was das Medium Musik als auch die Work-Life-Balance betrifft – gegen den allgemeinen Trend, denn: Beide haben mit der Fülle an Arbeit und beruflichen Aufgaben sichtlich Spaß. Und das wichtigste: Es bereitet ihnen Freude, auch anderen Freude zu machen.
Marika Hartl








