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Ruhmannsfelden. Am Ostertag 1660 sah der Hüterbub des Bruckhofbauern beim Hüten seiner Viehherde an der Teisnach eine kleine Muttergottesstatue, die sich, umgeben von einem Lichtstrahl, flussaufwärts bewegte. Er holte sie aus dem Wasser. Beim Tragen wurde sie plötzlich so schwer, dass er sie auf der Wiese abstellte. Dort entstand eine Quelle, in der er seinen schmerzenden Fuß wusch, der sofort geheilt wurde. Wassertretbecken und Kneipanlage im Naturschutzgebiet Leithe kann man heute noch bei der Wallfahrtskapelle Osterbrünnl nutzen – und auf Heilung hoffen.

Im Buch „Niederbayerische Sagen“ erzählt Michael Waltinger vom möglichen Ursprung der Wallfahrt – und wie das Osterbrünnl zu seinem Namen kam. Fotos. Marika Hartl

Die Osterbrünnl-Kapelle liegt, etwa einen Kilometer außerhalb von Ruhmannsfelden (Landkreis Regen), in idyllischer Lage im Teisnachtal. Sie ist die dritte Kirche an diesem Standort. Der erste Bau stammte von Ruhmannsfeldner Bürgern und war der Gottesmutter Maria geweiht. 1753 ist sie erstmals urkundlich erwähnt.

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Abt Wilhelm II. von Gotteszell brannte sie etwa 1770 nieder, weil ihn niemand um Erlaubnis gefragt hatte. Die hohen Einnahmen des Osterbrünnls, sogar aus Österreich kamen Wahllfahrer, waren dem Geistlichen ein Dorn im Auge. Seine Schergen ließen die von den Gläubigen gestifteten, in den Bäumen aufgehängten Votivtafeln, die er als „Zeugnisse primitivsten Aberglaubens“ beschimpfte, zerstören.

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Einheimische verteidigten das Kirchlein massiv

Zwischen den Bildern der Ursprungslegende des Osterbrünnls und der Geschichte des Zurückkommens des Altarbildes: Die Darstellung des St. Michael im Kampf mit dem Teufel in Frauengestalt.

Sehr oft kam es zu Prügeleien und Kämpfen, da die Ruhmannsfeldener ihr Osterbrünnl massiv verteidigten. Das Gotteszeller Kloster verhinderte einen Wiederaufbau, bis 1803 die Bürger selber aktiv wurden. Die Einweihung des zweiten Gotteshauses erfolgte 1810. Diesmal riss sie der Staat auf Anordnung eines Viechtacher Landrichters hin ab.

1820, nachdem die Pfarrkirche am 1. Juli abgebrannt war – auch das damalige Gnadenbild der Kapelle aus dem 17. Jahrhundert, eine Altöttinger Marienstatue, fiel dem Brand zum Opfer – , durfte das Osterbrünnl mit spätbarockem Hochaltar als Ersatzkirche gebaut werden. Am 28. Juli 1821 benedizierte Pfarrprovisor Deischl von Regensburg sie. Am 25. November 1877 wurde der Kreuzweg mit 14 Stationen geweiht, die Bilder erfuhren mehrfach eine Erneuerung.

Die Kapelle besitzt einen Rokokoaltar aus der Zeit um 1740. Das Altarbild ist eine Mariahilf-Darstellung. Davor befindet sich das nur 30 Zentimeter hohe Gnadenbild. Die wohl im 18. Jahrhundert entstandene Darstellung zeigt Maria mit Kind in einem Engelkranz. Diese hölzerne Figur wurde im August 1947 geraubt, aber im August 1948 per Post wieder an das Pfarramt Ruhmannsfelden zurückgeführt. Am 5. September 1948 wurde sie feierlich in die Kapelle zurückgebracht.

Das Schicksal von Katharina Holler alias Schwester Agnes

1957 kam die bischöfliche Erlaubnis, die Kapelle nach Renovation unter dem Titel „Maria, Mittlerin der Gnaden“ zu weihen und jährlich am 31. Mai das Patroziniumsfest der Kapelle zu feiern. Die Totenbretter befanden sich früher an der Rückwand der Kapelle und wurden bei der Kapellenerweiterung 1966 um das alte Friedhofskreuz vom 1960 aufgelösten Friedhof bei der Pfarrkirche errichtet. Viele alte Votivtafeln sind seit 1960 verschollen.

1966 wurde eine kleine Nische für eine Madonna an der Nordseite der Kapelle angebaut. Man entfernte das Ölgemälde aus dem Altar und baute das Gnadenbild dort ein, inzwischen befindet sich aber auch das Gemälde wieder am Altar. Es wird von Altarwächtern, den Heiligen Laurentius und Wolfgang, flankiert, die Nachbildungen gestohlener Figuren sind. Weitere Figuren zeigen den Erzengel Michael und den Schutzengel. Auch einige Votivbilder sind erhalten.

Das schmiedeeiserne Tor war früher mutmaßlich das Ruhmannsfeldener Friedhofstor aus dem 18. Jahrhundert. Fast einzigartig kann man die Darstellung des Teufels als Frau nennen, wie man sie in der Skulptur mit St Michael kämpfend sieht. Der Hl. Antonius von Padua, der Hl. Josef, die Wallfahrtslegende und die Rückkehr des Gnadenbildes werden in zwei Tafelbildern erzählt. Bilder erinnern an Schwester Agnes, bürgerlich Katharina Holler. Die Ruhmannsfeldnerin war ab 1902 als Missionar in der Südsee tätig und wurde dort mit 23 Jahren im Jahr 1904 ermordet.

1968, als die Armeen des Warschauer Paktes in die benachbarte Tschechoslowakei einfielen, lebte die Kapelle als Ziel einer neuen Friedenswallfahrt auf. Seit 1969 treffen sich alljährlich im September bis zu tausend Gläubige dort.

Marika Hartl


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