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Freyung. Als sich 2013 abzeichnete, dass ein Cineplex-Kino in das sich damals im Bau befindliche Stadtplatzcenter einziehen wird, war dies eine große Überraschung – fast schon eine Sensation – für die Bewohnerinnen und Bewohner Freyungs sowie die umliegenden Gemeinden. Ein Lichtspielhaus mit vier Sälen in der doch eher beschaulichen Kreisstadt – rechnet sich das überhaupt?

Allen Unkenrufen zum Trotz hat sich das Kino, das von der Familie Vesper betrieben wird, inzwischen zwölf Jahre gehalten und gilt bei den Waidlerinnen und Waidlern als voll etabliert. Erst kürzlich wurde der Mietvertrag um zehn weitere Jahre verlängert. Somit dürfte die Frage nach der Rentabilität ziemlich eindeutig beantwortet sein.
Letzte dahingehende Zweifel räumt Andreas Vesper im Hog’n-Interview aus. Der Kino-Chef arbeitet dabei die Vorzüge des Filmpalastes in der Kreisstadt heraus und blickt auf die bald beginnende Landesausstellung „Musik in Bayern„, bei der das Cineplex eine zentrale Rolle spielt…
„Umbau hat emotional viel verändert“

Herr Vesper, was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie sich vor Augen führen, dass es das Cineplex Freyung inzwischen seit mehr als zwölf Jahren gibt?
(atmet tief durch) Interessante Frage, mit der ich mich eigentlich noch nie beschäftigt habe (überlegt). Gerade in den vergangenen Wochen und Monaten ist mir das Kino in Freyung noch mehr ans Herz gewachsen. Gebaut und eröffnet hat das Cineplex ja noch mein Vater. Ich bin erst seit acht Jahren an den Schalthebeln. Der zuletzt vollendete Umbau, die deutliche Aufwertung von Saal 1, hat emotional noch einmal viel verändert in mir. Es war bereits zuvor ein tolles Kino mit einem top Personal – aber nun ist es eben mein Baby!
Wie fällt Ihre generelle Zwischenbilanz nach zwölf bzw. acht Jahren aus?
Wieder eine schwierige Frage, die sich eigentlich gar nicht richtig beantworten lässt. In den zwölf bzw. acht Jahren ist extrem viel passiert, das so nicht vorhersehbar war. Bis 2020 verlief die Entwicklung ungefähr so, wie in unseren Szenarien prognostiziert. Dann ist Corona gekommen – und keiner wusste so richtig, wie es mit dem Thema Kino weitergeht. Zwei bis drei Jahre durchlebten wir eine sehr schwierige Zeit, ehe sich die Situation wieder beruhigte. Und seit zwei, drei Jahren nehmen wir nun ein ständiges Auf und Ab wahr…
Worin liegen die Gründe hierfür?
Ein großer Faktor war der Autorenstreit in den USA vor drei Jahren. In der Folge hat es vor zwei Jahren weniger Filmangebot gegeben. Avatar und die neue Bully-Produktion haben dann 2025 einiges wieder gut gemacht. Heuer ist der Beginn sehr erfreulich verlaufen – und auch der Rest des Jahres ist vielversprechend, wenn ich an die Filme denke, die Premiere feiern werden. Da warten tolle Momente auf uns alle!
„Das Cineplex Freyung rentiert sich“

Die Abhängigkeit von Produktionsfirmen ist also groß?
Absolut. Man versucht, ein schönes Kino bereit zu stellen, in dem sich die Gäste wohlfühlen. Ein Besuch soll ein Erlebnis sein. Wir wollen einen Ort der Begegnung schaffen. Aber am Ende der Tage ist das entscheidend, was auf der Leinwand zu sehen ist – und darauf haben wir keinen Einfluss.
Gerade in den Anfangszeiten des Cineplex‘ Freyung haben sich viele gefragt, ob sich ein derart großer Filmpalast in der doch eher kleinen Stadt rentiert. Rentiert er sich?
Ja, das Cineplex in Freyung rentiert sich. Natürlich wäre die anfängliche Investitionssumme mit weniger Leinwänden geringer ausgefallen. Ein kleineres Angebot wäre jedoch auch deutlich weniger attraktiv gewesen, weil wir dann nicht dieselbe Bandbreite an Filmen hätten zeigen können. Gerade im Kinobereich ist eine gewisse Vielfalt entscheidend, um für das Publikum dauerhaft interessant zu bleiben. Vier Leinwände – wie hier in Freyung – stellen deshalb aus unserer Sicht das absolute Minimum dar. Wer ein Kino heute wirtschaftlich und auf professioneller Ebene betreiben will, kann mit einem Ein-Saal-Konzept kaum noch bestehen.
Alles in allem gehört das Cineplex inzwischen einfach zu Freyung dazu.
Absolut. Und das wird auch vorläufig so bleiben: Erst kürzlich haben wir unseren Mietvertrag um zehn weitere Jahre verlängert.
Paradebeispiel: Theaterleiterin Anja Böhme

Kann das Kino in der Kreisstadt nur überleben, weil es der „kleine Bruder“ des Passauer Pendants ist, auf den von der Dreiflüssestadt aus aufgepasst wird?
Ja, für sich allein betrachtet wäre ein Kinobetrieb in Freyung wirtschaftlich durchaus schwierig. Der Vorteil liegt aber darin, dass wir zwei Cineplex-Kinos haben und dadurch Synergieeffekte nutzen können. Meine Schwester als Programmchefin übernimmt zum Beispiel die Filmplanung für beide Häuser. Auch im Backend macht es organisatorisch kaum einen Unterschied, ob ein oder zwei Kinos betreut werden. Würden wir die gesamte Infrastruktur doppelt vorhalten müssen, wäre es deutlich schwieriger. So, wie es derzeit aufgestellt ist, ist es ideal. Beide Cineplex-Kinos sind wirtschaftlich tragfähig. Denn so sehr wir das Kino auch leben und lieben – am Ende müssen wir natürlich auch davon leben können.
Apropos Backend. Ist es nach wie vor schwierig, geeignetes Personal zu finden?
Unser großes Glück in Freyung ist es, eine tolle Kernmannschaft zu haben. Ein Paradebeispiel dafür ist Theaterleiterin Anja Böhme. Sie ist lange dabei und identifiziert sich voll mit dem Kino. Traditionell gibt es aber auch einen gewissen Wechsel, weil wir eben auf Studenten und Schüler setzen. Gerade suchen wir verstärkt nach Personal, weil wir zur Landesausstellung längere Öffnungszeiten haben. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir wieder genügend und vor allem gute Leute finden.
Kleiner Sprung: Durch Streaming-Dienste wie Netflix oder Prime ist es heutzutage so einfach wie nie, an den gewünschten Film zu kommen. Ist das das Ende für alle Kinos?
Nein, definitiv nicht. Und das lässt sich eigentlich recht einfach erklären: Inzwischen gibt es ein enormes Überangebot, und fast jeder hat mindestens einen Streaming-Dienst abonniert. Theoretisch könnte man sich damit ein ganzes Jahr lang zu Hause einschließen und hätte immer noch genug Auswahl. Das Kinoerlebnis kann dadurch aber nicht ersetzt werden.
In Konkurrenz zu Streaming-Diensten

Die besondere Atmosphäre im Kinosaal ist einzigartig. Man taucht viel intensiver in einen Film ein und blendet die Außenwelt für eine Zeit völlig aus. Außerdem werden Kinofilme meist so erzählt, wie es sich Regie, Drehbuch und Produktion wirklich vorstellen – mit einem dramaturgisch stimmigen Aufbau und einem Spannungsbogen, der sich entwickeln darf. Bei vielen Streaming-Produktionen wird dagegen oft sehr früh auf Action und Effekte gesetzt, weniger aus erzählerischer Notwendigkeit als aus dem Wunsch, die Aufmerksamkeit sofort festzuhalten. Genau dieser Unterschied macht das Kino nach wie vor so besonders.
Das Feeling in einem Saal ist einzigartig. Man kann regelrecht eintauchen in die Filme, sich abkoppeln von der Außenwelt. Und zudem haben die Streifen, die bei uns laufen, einen anderen Spannungsbogen. Streaming-Dienste bieten Werke an, bei denen es von Beginn an rund geht. Die Nutzer sollen so sofort ans Handy oder Tablet gefesselt werden. Bei uns hat man etwas mehr Zeit bis zum Höhepunkt – man kann länger genießen.
Weil wir gerade beim Highlight sind: Die bereits von Ihnen kurz angeschnittene Landesausstellung in direkter Nachbarschaft nimmt man natürlich gerne mit, oder?
…nicht nur gerne mit (schmunzelt). Wir waren mehr oder weniger von Beginn an mit im Boot. Schon ganz früh hat uns Bürgermeister Dr. Heinrich angesprochen, ob wir uns eine Kooperation vorstellen könnten. Ja, konnten wir uns…
Der Eingang zur Landesausstellung ist bei uns: Wir dürfen die Gäste begrüßen, die sich hier zur Einstimmung einen kleinen Film anschauen werden. Wir sind ein integraler Part der Landeausstellung, worauf wir uns sehr freuen! Und jetzt’s wird auch langsam richtig ernst…
Dann wünschen wir viel Erfolg – nicht nur kurz-, sondern auch langfristig. Danke für das Gespräch!
da Hog’n
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