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Herzogsreut. Aus dem kleinen Bub aus Herzogsreut, der sich aufgemacht hat, die alpine Welt zu erobern, ist inzwischen „Stocki“ geworden. Ein Spitzensportler, den man nicht mehr nur in seiner Heimat kennt. Und auch wenn Jonas Stockinger das große Ziel der gerade abgelaufenen Saison, die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen, verpasst hat, hat der 26-Jährige in den zurückliegenden Monaten eindrucksvoll bewiesen, dass er zur internationalen Riesenslalom-Elite gehört. Einhergehend damit ist eine inzwischen enorme mediale Präsenz.

Starkes Saison-Finish: Zum Ende der Saison wurde Jonas Stockinger in der „Leader Box“ heimisch. Screenshot: da Hog’n/YouTube

Dass der Waidler live im TV bei ARD, ZDF und Eurosport spricht, ist inzwischen Alltag. Vor allem in den vergangenen Wochen war er ein gern gesehener Interviewgast. Vordergründig natürlich, weil er in Lillehammer mit Platz 11 und mit dem zweiten Platz bei den nationalen Riesenslalom-Meisterschaft überzeugte. Aber auch, weil sein leidenschaftlicher Fanclub aus seinem Heimatort Herzogsreut (Gmd. Hinterschmiding) in aller Munde ist.

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Trotz des Rummels ist Stockinger der geblieben, der er immer war – ein authentischer und bodenständiger junger Bub aus dem Bayerwald. Das wird auch (wieder einmal) mit Interview mit dem Onlinemagazin da Hog’n deutlich. Stockis-Saisonbilanz…

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„Skifahren ist für mich nie Zwang“

Der Herzogsreuter ist für klare Ansagen bekannt. Foto: DSV

Jonas, warst Du nach dem Vizetitel bei den (offenen) nationalen Riesenslalom-Meisterschaften am Samstag so richtig bedient? Nicht, weil Du nach Platz 1 im ersten Durchgang noch zurückgefallen bist. Sondern eher, weil die Saison somit beendet ist – Du aber nun so richtig in Fahrt wärst.

Gerade in mentaler Hinsicht ist es richtig schade, dass es nun vorbei ist. Zuletzt hatte ich ja diesen Bereich richtig gut im Griff. Ich habe jedoch keine Bedenken, dass ich das in die neue Saison mitnehmen kann. Insgesamt hat dann am Samstag doch die Freude überwogen, dass ich nun wieder in den anderen Alltag übergehen kann. Ich freue mich auf den Urlaub. Und dann freue ich mich auf das Sommertraining – auch wenn es sich komisch anhört. Aber ich will körperlich den nächsten Schritt machen.

Wie und wann macht ein Wintersportler Urlaub?

Unterschiedlich. Die einen machen während der Sommervorbereitung Urlaub, oder auch kurz vor dem Saisonstart. Andere brauchen gleich nach der Saison eine Pause – Fabi Gratz und ich gehören zu dieser Gruppe. Mitte April bin ich jetzt dann mal zwei Wochen verschwunden…

…und in dieser Zeit willst Du keine Ski und keinen Schnee sehen?

Übt man eine Sportart mit Leidenschaft aus, ist sie immer präsent. Die Gedanken kreisen eigentlich immer. Das ist auch nicht weiter schlimm, denn ich lebe ja das Skifahren. (überlegt) Skifahren macht mir nach wie vor extrem viel Spaß. Auf Skiern zu stehen, ist für mich eigentlich nie Zwang. Das einzige, was mich anstrengt, sind die körperlichen Probleme, die aber leider auch dazugehören. 

„Das ist die wohl größte Erkenntnis der Saison“

Der Fanclub von Jonas Stockinger hat sich im Weltcup-Zirkus einen Namen gemacht. Foto: SC Herzogsreut

Platz 11 beim Weltcup-Finale in Lillehammer, der zweite Rang bei den nationalen Meisterschaften  – warum lief es zuletzt so gut. An welchen Stellschrauben hast Du gedreht – auch im Vergleich zur schwächeren Phase rund um den Jahreswechsel?

Der entscheidende Punkt war, dass ich wieder weniger rumgetestet habe. Es ist mir gelungen, wieder eine Routine reinzubringen. In Alta Badia zum Beispiel habe ich Material-Änderungen vorgenommen, die überhaupt nicht funktioniert haben. Ich habe lernen müssen, dass ich auf das vertrauen darf, was ich kann – und was ich habe. Egal bei welchen Bedingungen: Ich habe ein System, das funktioniert, auf das ich mich verlassen kann. Das ist wohl die größte Erkenntnis in dieser Saison.

Wie fällt insgesamt Dein Saison-Fazit aus?

Es war der nächste Schritt. Gerade mental habe ich an mir arbeiten können. Ich habe für mich selber erkannt, dass ich nicht nur mithalten kann im Weltcup. (überlegt) Die große Aufgabe ist und bleibt der Kopf. Ansonsten ist alles da, was es braucht, um ganz nach vorne zu fahren.

Und Dein Rücken, der immer wieder für Probleme sorgt?

(atmet tief durch) Jaja. Ohne Vorwarnung konnte ich mich in der Woche vor Lillehammer fast nicht mehr bewegen. An Training war nicht zu denken. Im ersten Durchgang war es deshalb die große Suche nach dem Gefühl und der Spannung, die es in so einem Rennen braucht. (kurze Pause) Leider lässt sich das Problem mit dem Rücken nicht beseitigen. Heuer lief es grundsätzlich gut. Ich konnte Trainingsumfänge fahren wie noch nie. Aber plötzlich sind die Schmerzen wieder da – wie vor Lillehammer. Die Bandscheiben zwicken, aber den Grund dafür hat mir noch niemand genau sagen können.

„Das hat nur einen Tag richtig weh getan“

Das Onlinemagazin da Hog’n begleitet Jonas Stockinger seit Jahren. Hier ein Bild aus dem Jahr 2015.

Würdest Du soweit gehen, zu sagen, dass Deine Karriere aufgrund der Rückenprobleme in Gefahr ist?

Nein. Ich habe mich damit abgefunden bzw. gelernt, damit zu leben. 

Kleiner Sprung: Das Trio Jonas Stockinger, Anton Grammel und Fabian Gratz ist seit Jahren gemeinsam auf ungefähr einem Niveau unterwegs. 2023/2024 konntest Du den Europacup vor den beiden gewinnen, aktuell haben sie Dich etwas abgehängt. Bist Du deshalb neidisch?

Ich gönne jedem zu 100 Prozent den Erfolg, den er hat. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie viel dahintersteckt, wie viel Energie investiert werden muss, um erfolgreich zu sein. (überlegt) Natürlich denkt man sich ab und an: Wenn der das kann, kann ich es auch. Das ist normal! Neidisch bin ich aber nicht.

Was zu diesem Themenbereich passt: Wie tief sitzt der Olympia-Stachel noch? Für die Winterspiele 2026 hast Du Dich ja leider nicht qualifizieren können…

Das hat nur einen Tag richtig weh getan. Solche Enttäuschungen gehören zum Sportlerleben dazu. Und es ist die große Kunst, damit umzugehen bzw. diese Niederschläge schnell abzuhaken. Inzwischen sehe ich das Ganze als Ansporn: Ich muss einfach besser werden, um an Olympischen Winterspielen teilnehmen zu dürfen!

„Ja, es ist anstrengend, wenn man im Fokus steht“

Der Mann vom SC Herzogsreut – bald Weltcup-Sieger? Foto: Stockinger

Klare Ansage, die man von Dir inzwischen gewohnt ist. Mittlerweile ist es Alltag, dass man sich zu Live-Interviews im TV sieht. Du wirst erkannt, musst oft Autogramme geben. Wie gehst Du mit dieser Popularität um?

Das haben mich kürzlich auch meine Großeltern gefragt (schmunzelt). Früher, als ich noch ein Kind war, habe ich auf Größen wie Severin Freund aufgeschaut. Mich hat fasziniert, wie solch Idole eine Region repräsentieren. Als kleiner Bub habe ich mir gedacht: Das möchte ich auch einmal! Und nun ist es tatsächlich so gekommen. Ja, es ist anstrengend, wenn man im Fokus steht. Aber mich freut es auch unheimlich, dass sich so viele mit mir mitfreuen.

Die große Aufmerksamkeit ist für Dich also eher Ansporn als Druck?

Ansporn, ganz klar! Wenn wieder ein Fanbus aus Herzogsreut kommt – das ist schon geil. Viele Reporter sprechen mich darauf an – mega! Natürlich ist es dann so, dass ich alles zeigen will, was in mir steckt, wenn da so viele extra wegen mir von Herzogsreut und Umgebung kommen.

Abschließend: Wie geht es weiter? Welche Ziele hast Du für die kommende Saison – nach einer hoffentlich sehr guten Sommervorbereitung?

Ich möchte mich wieder steigern – vielleicht deutlicher als in der abgelaufenen Saison. Ich bin mir sicher, dass ich in nächster Zeit auch mal auf einem Weltcup-Podium stehen werde und vielleicht so ein Rennen gewinne. Hätte ich nicht diese übergeordneten Ziele, wäre ich als Sportler fehl am Platz.

Vielen Dank für das Gespräch – und alles Gute für die Zukunft.

Interview: Helmut Weigerstorfer


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1 Gedanken zu „„Stockis“-Saisonbilanz: „Werde auf Weltcup-Podium stehen“

  1. Jonas ich wünsche dir von Herzen dass du es in deiner Laufbahn schaffst mindestens einmal ganz oben zu stehen!
    Dein Nachbar und Freund Ferdinand.
    Alles Liebe bleib gesund!

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