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Treffelstein. Das Paradies für Kinder hat einen Namen: Tavolinchen. Es liegt in der kleinen Gemeinde Treffelstein im Osten des Landkreises Cham. Metzger, Bäcker, ein Dorfladen, ein paar mittelständische Betriebe. Einer davon ist TAVO in der Fabrikstraße 9. Hier, in einer großen Halle, fertigen Näherinnen hochwertige Produkte für Babys und Kleinkinder.

Die Gesichter von Tavo: Genoveva Burwinkel-Voith (links) und Elfi Burwinkel. Fotos: Heidi Wolf

Jeder Tag ist ein Kraftakt, denn Textilbetriebe in Deutschland kämpfen gegen eine Flut billiger Importware – vor allem aus Fernost. Doch die beiden Frauen an der Spitze von TAVO lassen sich nicht beirren: Elfi Burwinkel verantwortet die Produktion, ihre Tochter Genoveva Burwinkel-Voith Büro, Versand und Kundschaft.

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Vor 15 Jahren startete Genoveva ihren Online-Shop Tavolinchen, heute das Herzstück des Unternehmens. Hier gibt es alles, was das Leben von Babys und Kleinkindern schöner und komfortabler macht. „Wer neun Monate lang das perfekte Nest hatte, will es auch danach schön kuschelig haben“, lautet die Philosophie der Manufaktur an der Grenze zu Tschechien.

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Das Herzstück der Marke

„Kklein und fein“ – ein Prinzip, das Tavolinchen bis heute lebt. Mit Ideen, viel Herzblut und erstaunlicher Beharrlichkeit.

Die absoluten Bestseller sind die Schlafsäcke mit hochwertiger Daunenfüllung – in allen Größen, vom Baby bis zum Junior. Sie bringen den lebensnotwendigen Umsatz für das Unternehmen Das 3-in-1-Modell überzeugt mit nützlichen Details: Der Reißverschluss am unteren Teil lässt sich vollständig öffnen, sodass im Nu eine wärmende Decke entsteht. Auch das Kissen ist abnehmbar. „In ein solches Teil passen auch Leute wie ich“, lacht Genoveva Burwinkel-Voith und erzählt, dass sie für spontane Übernachtungen einen Junior-Schlafsack im Auto hat. Es gibt aber auch Sonderanfertigungen für Erwachsene bis zu zwei Meter Größe.

Alles, was unter dem Namen Tavolinchen produziert wird, ist hochwertig: Strampler, Lätzchen, Kapuzenhandtücher, Wickelauflagen, Schmusedecken. Palmblatttaschen kommen aus einem Partnerbetrieb in Marokko, die Ausstattung erfolgt in Treffelstein. Alte Stubenwagen aus Familienbesitz erhalten hier ein liebevolles zweites Leben.

Für Taufen präsentiert sich das Sortiment besonders edel: Kleider und Mützen aus feinen Stoffen, Strampler, Kissen, versilberte Spardosen und Bilderrahmen. Die Mini-Schuhe aus feinstem Leder fertigt ein Schuhmacher aus Istanbul. Ihm sind die beiden Chefinnen auf einer Messe begegnet.

Kleiner Betrieb mit großer Vielfalt

Für Taufen präsentiert sich das Sortiment besonders edel.

Gerade eingetroffen ist die neue Strampler-Kollektion für das Frühjahr 2026: zarte Stoffe in Rosa oder Hellblau, bestickt mit einem goldenen Krönchen. Elfi Burwinkel strahlt, als sie ein Exemplar von der Stange nimmt und stolz zeigt: „Hundert Prozent Baumwolle, ökozertifiziert, nach unserem Modell in Portugal gefertigt. Das bekommen Sie sonst nirgends!“

Eine Designerin und ein Designer in Italien entwerfen diese Besonderheiten, kombinieren klassische Farben und Modelle mit neuen Ideen. Die Stoffe für die Fertigung stammen aus Webereien in Österreich und der Schweiz. In der Produktionshalle stehen außerdem Wickelkommoden, Regale und Kleiderschränke – maßgefertigt von einem regionalen Schreiner. Sogar kleine stoffbespannte Liegestühle gehören zum Sortiment, außerdem Matratzen und Bettwäsche für Kinder- und Hotelzimmer.

Wie viele Produkte gibt es? Die Antwort braucht einen Moment. „Fünfzig, sechzig werden es wohl sein“, schätzt Genoveva Burwinkel-Voith. Der Betrieb zählt – je nach Auftragslage – bis zu zwölf Mitarbeiterinnen, einige aus dem benachbarten Tschechien, seit der Grenzöffnung 1990 Alltag in der Region. In der Produktion gilt die Vier-Tage-Woche, Büro und Laden sind an fünf Tagen besetzt. Feste Arbeitszeiten kennen die beiden Chefinnen nicht.

Vom Laden zur digitalen Marke

Alles, was unter dem Namen Tavolinchen produziert wird, ist hochwertig.

Dafür kennen sie ihre Kundschaft umso besser – und häufig sogar persönlich. Jede eingehende Bestellung wird sorgfältig geprüft. Ergebnis: eine Rücksendequote von nur 0,1 Prozent. Wenn Kundinnen mehrere Größen ordern, klingelt bei ihnen das Telefon. Genoveva oder Elfi fragen nach, beraten, helfen. „Einmal hat jemand drei Schlafsäcke in derselben Größe bestellt“, erzählt Genoveva. „Ich habe angerufen, Stoffmuster angeboten – da stellte sich heraus: Die Frau hatte Drillinge.“

Solche Gespräche bedeuten ihr viel: „Die Kundinnen erzählen mir, was ihnen wichtig ist. Eine sagte mir einmal, Kinder sind teuer und zwischendurch habe ich etwas Günstigeres probiert. Jetzt bin ich wieder bei euch, weil die Qualität stimmt.“

Der Online-Shop, gegründet 2010, war eine der wichtigsten Entscheidungen. Er half dem Unternehmen durch die Corona-Pandemie, als die Läden in München und Regensburg schließen mussten. Gute Lagen – aber keine Kundschaft mehr. Heute läuft fast alles online, auch über die Plattform Faire. Händler weltweit können das Sortiment ansehen und bestellen. Und doch bleibt es persönlich: „Ich habe mein Büchlein“, sagt Genoveva. „Jede Woche rufe ich alle Händler durch. Sie müssen nichts bestellen – ich will einfach den Kontakt halten. Eigentlich wäre das die Aufgabe eines Handelsvertreters. Bei uns mache ich das.“

Familiengeschichte mit starken Frauen

Die beiden Unternehmerinnen stammen ursprünglich aus dem medizinischen Bereich. Elfi Burwinkel war in Frankfurt tätig, bevor sie mit ihren Kindern nach Treffelstein zog. Mitarbeit in der Firma war für Genoveva selbstverständlich – schon seit ihrem 14. Lebensjahr. „Du lebst auch von der Firma, also hilf mit“ lautete die unmissverständliche Botschaft. Nach dem Abitur in Metten studierte die junge Frau Medizininformatik und einige Semester Medizin, bevor sie die Unternehmensnachfolge antrat.

Die Firmengeschichte in Bayern beginnt 1945 in Oberfranken mit einer Weberei, später folgte der Umzug in die Oberpfalz. In den besten Zeiten arbeiteten in Treffelstein 300 Beschäftigte. Als in den 1990er-Jahren die Textilindustrie in die Türkei abwanderte, stand die Zukunft auf der Kippe: den Standort schließen oder verkleinern? Man entschied sich für „klein und fein“ – ein Prinzip, das Tavolinchen bis heute lebt. Mit Ideen, viel Herzblut und erstaunlicher Beharrlichkeit.

Heidi Wolf

(Erstveröffentlichung in: Schöner Bayerischer Wald)


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