Grafenau. Es waren Tage des Glückes und der Freude für ihn, aber auch der Anspannung, der Nervosität und des Stresses. Jonas Höcker ist ab 1. Mai neuer Bürgermeister der Stadt Grafenau und löst somit Alexander Mayer (Freie Wähler) ab. Der CSU-Politiker ist neben Hans Greil (Viechtach) der einzige Herausforderer in den Landkreisen Freyung-Grafenau und Regen, der es geschafft hat, den amtierenden Amtsinhaber zu verdrängen. Höcker ist zudem erst 27 Jahre alt – und künftig das jüngste Gemeindeoberhaupt zwischen Arber und Dreisessel.

Nach den Strapazen ist vor den Strapazen, denn: Für Jonas Höcker ging es nach dem intensiven Wahlkampf und der Erlösung am Stichwahl-Sonntag (22. März) nahtlos weiter. Am Montagmorgen musste er gleich wieder in Windorf antreten. Dort ist er derzeit noch Ordnungs- und Standesamtsleiter. Im Gegensatz zu Andreas Kroner (Regen) und Hans Greil hatte er deshalb am Tag nach dem großen Finale keine Zeit, dem Onlinemagazin da Hog’n Rede und Antwort zu stehen.
Der kommunalpolitische Jungspund hat auch darum gebeten, die Fragen schriftlich beantworten zu dürfen. Diesem Wunsch sind wir nachgekommen – hier gibt’s das Ergebnis…
Stichwahl-Einzug „ein starkes Signal“
Herr Höcker, mit dem Abstand von ein paar Nächten: Haben Sie schon komplett realisiert, dass Sie ab 1. Mai Bürgermeister der Stadt Grafenau sind? „Bürgermeister Jonas Höcker“ – wie hört sich das für Sie an?
Die Freude über das Ergebnis ist nach wie vor groß. Gleichzeitig ist mir sehr bewusst, welche Verantwortung damit verbunden ist. Entscheidend ist für mich weniger die Bezeichnung, sondern die Aufgabe, die damit verbunden ist.
Zurück zum ersten Wahlabend am 8. März: Bereits im Vorfeld war aus der Bärenstadt zu hören, dass sie die „Entdeckung“ des Wahlkampfes seien. Wie überraschend kam es dennoch für Sie, dass Sie neben Amtsinhaber Alexander Meyer in die Stichwahl eingezogen sind? Immerhin haben Sie sich mit Muhanad Al-Halak gegen einen ehemaligen Bundestagsabgeordneten sowie gegen einen in Grafenau allseits bekannten Armin Krause durchgesetzt…
Dass ich in die Stichwahl eingezogen bin, war für mich ein starkes Signal – gerade angesichts der sehr bekannten Mitbewerber. Diese Tendenz hat sich aufgrund der vielen Gespräche und Rückmeldungen bereits im Vorfeld angedeutet. Entscheidend ist am Ende das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler.
Zu welchem Zeitpunkt des Wahlkampfes wurde Ihnen klar, dass es tatsächlich klappen könnte?
Mit zunehmender Dauer des Wahlkampfs habe ich gemerkt, dass sich etwas entwickelt. Vor allem die vielen Gespräche haben gezeigt, dass wir auf einem guten Weg sind. Ein wichtiger Moment war für mich auch die Podiumsdiskussion, bei der ich zeigen konnte, wofür ich stehe und dass ich das Amt ausfüllen kann. Einen einzelnen Zeitpunkt gab es aber nicht – es war ein kontinuierlicher Prozess.
Grafenauer „wollten eine neue Perspektive“

Dann die Stichwahl am 22. März: Gewähren Sie uns doch bitte einen Einblick in ihr Inneres an jenem Sonntagabend. Wie groß war die Anspannung und Nervosität? Wie groß war dann die Erleichterung?
Der Tag war von einer gewissen Anspannung geprägt. Als das Ergebnis feststand, war die Erleichterung groß – verbunden mit Dankbarkeit gegenüber allen, die mich unterstützt haben.
Und wie haben Sie ihren Konkurrenten Alexander Mayer wahrgenommen? In einer kleineren Stadt wie Grafenau kennt man sich ja. Hat er Ihnen leid getan?
Wir kennen uns und sind im Vorfeld der Wahl fair und respektvoll miteinander umgegangen. Natürlich ist eine Niederlage immer enttäuschend, das gehört dazu. Mir war wichtig, diesen respektvollen Umgang beizubehalten – und das wird auch künftig die Grundlage sein.
Es gibt die alte Weisheit, dass ein Amtsinhaber nur abgewählt wird, wenn er sich eklatante Fehler erlaubt hat. Warum haben sich die Wähler aus ihrer Sicht für Sie entschieden?
Ich glaube, die Wählerinnen und Wähler haben sich für mich entschieden, weil sie eine neue Perspektive wollten. Mir ist wichtig, nah bei den Menschen zu sein, zuzuhören und ihre Anliegen ernst zu nehmen. Die vielen persönlichen Gespräche haben Vertrauen geschaffen. Gleichzeitig habe ich klar gemacht, wofür ich stehe und welche Themen ich anpacken möchte. Am Ende war es aus meiner Sicht eine Entscheidung für einen neuen Impuls und eine andere Herangehensweise.
„Der Respekt vor der Aufgabe ist sehr groß“

Ihr für einen Bürgermeister junges Alter von 27 Jahren wird immer wieder ins Schaufenster gestellt. Welche Rolle spielt ihrer Meinung nach die Lebenserfahrung in der Ausübung dieses Amtes?
Entscheidend ist aus meiner Sicht, wie man Verantwortung übernimmt, Entscheidungen vorbereitet und mit Menschen umgeht. Ich bringe Verwaltungserfahrung mit und stehe in engem Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern. Auch andere junge Bürgermeister im Landkreis haben erfolgreich gezeigt, was mit Engagement und Bürgernähe möglich ist.
Wie groß ist der Respekt vor dem, was ab 1. Mai auf Sie zukommt? Fühlen Sie sich bereit und gewappnet?
Der Respekt vor der Aufgabe ist sehr groß. Gleichzeitig fühle ich mich gut vorbereitet und motiviert. Mir ist wichtig, strukturiert in die Themen einzusteigen, zuzuhören und klare Entscheidungen zu treffen.
Wie wichtig ist eine saubere „Übergabe“ durch ihren Vorgänger?
Eine gute und konstruktive Übergabe ist sehr wichtig, damit laufende Themen nahtlos weitergeführt werden können. Das liegt im Interesse der Stadt und ihrer Bürgerinnen und Bürger. Ich bin zuversichtlich, dass wir das gemeinsam gut gestalten.
Abschließend der Blick in die Zukunft. „Erst“ 27 und bereits Stadtbürgermeister. Sie dürfen träumen…
Ich wünsche mir, dass wir Grafenau gemeinsam weiterentwickeln – wirtschaftlich stark, lebenswert für alle Generationen und mit einem guten Miteinander. Wenn es uns gelingt, die anstehenden Themen konsequent anzugehen und die Menschen mitzunehmen, dann ist sehr viel möglich.
Danke für die Beantwortung der Fragen – und alles Gute für die Zukunft.
Interview Helmut Weigerstorfer
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