Regen/Viechtach/Grafenau. So richtig realisiert haben sie alle drei noch nicht, was da am Stichwahl-Sonntag passiert ist. Selbst Andreas Kroner, für den es ja als Bürgermeister der Stadt Regen weitergeht wie bisher. Zu intensiv war der Wahlkampf, zu emotional waren die vergangenen Wochen. Da braucht’s erst einmal etwas Abstand, um alles zu verdauen, einzuordnen – und einen neuen Lebensabschnitt in Angriff zu nehmen. Denn Hans Greil und Jonas Höcker sind ab 1. Mai Bürgermeister ihrer Heimatkommunen Viechtach bzw. Grafenau. Sie haben das geschafft, was nicht allzu oft vorkommt – den amtierenden Mandatsträger zu schlagen und aus dem Amt zu drängen.

„Dass ich nun Bürgermeister bin, ist noch nicht komplett angekommen“, gibt Hans Greil (Unabhängige Viechtacher) am frühen Montagnachmittag ehrlich Auskunft über sein Innenleben. Nach dem „Super“-Stichwahl-Ergebnis, „mit dem ich in dieser Höhe nicht gerechnet habe“, hat der 61-Jährige erst einmal den Moment genossen. „Man darf es ruhig sagen: Wir haben gefeiert.“ Physisch und psychisch intensive Wochen haben ihre Spuren hinterlassen, das gibt der Justizangestellte offen zu. Der komplette Fokus lag auf dem Wahlkampf.
Da vernachlässigt man sich selber – und auch die Familie. Deshalb wird Greil am Dienstag erst einmal mit seiner Frau in einen Kurzurlaub aufbrechen. Sacken lassen ist angesagt, Erholung. Der Viechtacher möchte auch noch einmal Revue passieren lassen, was nun genau in der jüngsten Vergangenheit vor sich gegangen ist. Warum er das mehrheitliche Vertrauen seiner Mitbürger geschenkt bekommen hat. Warum es ihm gelungen ist, Franz Wittmann („Auch wenn wir in der Zusammenarbeit Höhe und Tiefen hatten, schätzen wir uns sehr„) aus dem Amt zu drängen.
„Ich habe Spaß an der Leitung von Sitzungen“

Eine erste Einordnung des künftigen ersten Mannes von „Veijda“ dazu: „Ich habe in die Leute hineingehört und dabei festgestellt, dass eine andere Art der Amtsführung erwünscht ist.“ Sein baldiger Vorgänger hätte – wie jeder andere Entscheidungsträger auch -, Fehler gemacht. Eklatante Fehltritte, die seine Abwahl begründen, hätte sich Wittmann nach Ansicht von Greil aber nicht geleistet. Er muss es wissen: Denn der 61-Jährige war in den vergangenen zwölf Jahren als zweiter Bürgermeister ein absoluter Insider.
Greil weiß also, was auf ihn zukommt. Dass er aber von diesen Erfahrungen Gebrauch machen darf, war für ihn lange – freilich – das große Ziel. Wenn auch irgendwie ein weit entferntes. „Nachdem ich 2014 und 2020 schon zweimal die Stichwahl verpasst habe, hatte ich Sorge, dass ich wieder rausfalle.“ Die meisten gesammelten Stimmen im ersten Wahldurchgang am 8. März lösten in ihm dann das Gefühl aus, dass es dieses Mal zum großen Wurf reichen könnte. Zwei Wochen später kam nun die Bestätigung.
Obwohl er seinen Job am Amtsgericht Viechtach nach 23 Jahren nun (vorläufig) aufgeben muss und deshalb etwas Wehmut bei ihm mitschwingt, freut sich Hans Greil auf das nun Kommende: „Es hört sich komisch an, aber ich habe Spaß an der Leitung von Sitzungen. Ich höre jedem gerne zu und kann ausgleichend wirken, sodass ein Ergebnis zustande kommt“, arbeitet der Familienvater heraus, warum er der ideale Mann auf dem Viechtacher Rathaussessel sei.
„Gott sei Dank ist die unsichere Situation vorbei“

Eine dahingehende offizielle Bestätigung seitens seiner Bürgerschaft hat Andreas Kroner (SPD/Unabhängige) am 8. und 22. März erfahren. Das amtierende Regener Stadtoberhaupt hat sich gegen gleich drei weitere Bewerber durchgesetzt – eine klare Ansage! Gerade, dass er es fast schon im ersten Durchgang (46,4 Prozent) geschafft hat, ist dem 38-Jährigen zufolge „richtig stark“. Die 66,9 Prozent in der Stichwahl sorgten dann für ein „sehr erlösendes Gefühl“. Er sei grundsätzlich kein Zweifler, aber: „Ich hatte Angst davor, dass die Leute nach dem Motto ‚Nicht schon wieder‘ am 22. März nicht mehr zur Wahl gehen. Aber es hat alles gepasst.“
In kurzen Momenten, also an den beiden entscheidenden Sonntagen, war Kroner deutlich angespannt, wie er offen zugibt. „Da werden die Stunden schon lange.“ Um sich abzulenken, machte er am 22. März einen Ausflug mit seiner Familie. Es ging bewusst nach Kötzting in den Nachbarlandkreis – und bezirk, „um keine Wahlplakate, die mich betreffen, sehen zu müssen“. Langfristig blieb der gelernte Einzelhandelskaufmann cool – und hatte auch keinen Plan B in der Tasche, wie es im Falle einer Abwahl weitergehen soll. Doch: „Da hätte sich schon was ergeben.“
Spontan gab es dann auch eine „Sieges-Maß“ im Sitzungssaal des Regener Rathauses, als endgültig feststand, dass Kroner sechs weitere Jahre dort für das politische Geschehen federführend verantwortlich sein wird. „Ich bin froh, dass der Wahlkampf nun endlich vorbei ist. Viele Themen in dieser Zeit sind in der Schwebe. Diese unsichere Situation ist nun wieder vorbei. Gott sei Dank!“
Helmut Weigerstorfer
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Jonas Höcker war am Montag für das Onlinemagazin da Hog’n nicht erreichbar. Der neue Bürgermeister der Stadt Grafenau musste am Tag nach seinem großen Erfolg seinem Beruf nachgehen. Seine Eindrücke vom Wahlabend werden (hoffentlich zeitnah) nachgereicht.








