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Bayerwald. Es ist eine alte politische Weisheit: Der Weg zum Herzen des Wählers führt durch den Magen. Aber der Weg in die bayerische Kommunalpolitik nimmt oft auch die entgegengesetzte Richtung. Wer im Freistaat ein Amt anstrebt, muss nicht nur Akten wälzen können – er muss vor allem eines beherrschen: Wenden! Und zwar unter Hitze, bei mindestens 180 Grad – und mit der Zange in der Hand…

Wahlprogramm in Pelle. Garantiert inhaltlich gesättigt! Symbolfoto: pixabay/webandi

In Viechtach, Grafenau, Waldkirchen und Passau herrschte im Wahlkampf zuletzt ein Phänomen, das Politikwissenschaftler als „Bratwurst-Populismus“ bezeichnen könnten. Die politische Arithmetik der CSU folgt dabei einer klaren Logik: Man serviert dem Bürger eine heiße Bratwurst und behauptet mit vollem Mund, es ginge eigentlich um Inhalte – ein genialer Widerspruch, der am besten mit einer ordentlichen Portion Senf den Rachen hinunterrutscht!

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Dabei ist die Semmel das eigentliche Wahlprogramm! Senf steht für die nötige Schärfe im Stadtrat, Ketchup für die diplomatische Milde – und die Wurst selbst? Sie ist das Sinnbild des Kandidaten: Außen knackig, innen – nun ja, das bleibt meist das Geheimnis der Mischung…

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„Kompetenz am Grill“ & Chef-Grilleur Söder

Wie grillen unter Freunden: „Unkompliziert, ehrlich und auf Augenhöhe“. Screenshot: FB-Seite CSU Waldkirchen/ da Hogn

Besonders beeindruckend ist die Professionalität, mit der die CSU ihre „schweren Geschütze“ auffährt. Wenn in Passau die „Kompetenz am Grill“ beschworen wird, dann ist das kein Zufall. Dass Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer gelernter Metzgermeister ist, wird zur ultimativen Qualifikation für die große Politik. Wer ein Schwein zerlegen kann, der versteht es auch, fette Wahlversprechen zuzuschneiden. Oder zumindest die Opposition ordentlich durchzubraten…

In Waldkirchen treibt man es auf die Spitze: Mehr als 200 Bürgerinnen und Bürger pilgerten zu CSU-Bürgermeiserkandidat Christian Zarda, um ihn „ungezwungen“ zu erleben. Dass der Kandidat auf den Beweisfotos gar nicht persönlich grillt? Geschenkt! In der modernen Politikberatung nennt man das „strategische Delegation der Hitzeeinwirkung“. Hauptsache, der Bundestagsabgeordnete Thomas Erndl steht daneben und schaut so, als würde er die Garstufe der Demokratie persönlich überwachen.

Doch was wäre eine bayerische Grill-Offensive ohne den Chef-Grilleur höchstpersönlich? Wenn Markus Söder etwa im Ostallgäu Bratwürste verteilt, dann ist das kein bloßer Imbiss – es ist quasi ein Akt der Segnung! Söder am Grill, das ist das politische Äquivalent zur Speisung der Fünftausend. Nur dass die Fünftausend heute Selfies wollen – und die Wunder aus Schweinefleisch bestehen…

In Marktoberdorf wird offenbar die künftige Besetzung des Landratsamts zur Stichwahl am Rost entschieden. Man fragt sich unwillkürlich: Was passiert eigentlich, wenn ein Kandidat Vegetarier ist? In der CSU-Hierarchie dürfte das vermutlich als politisches Äquivalent zur sofortigen Exkommunikation gelten. Wer keine Wurst wenden kann, kann auch kein Schicksal wenden!

Zukunft wird am Senf-Spender entschieden!

Und ja, man muss die CSU für diese Konsequenz bewundern. Während andere Parteien sich mit komplizierten Themen wie Digitalisierung, Pflegenotstand oder Mobilitätskonzepten herumschlagen, bleibt die Union bei den Basics:

  • Die Wähler so lange mit Grillgut beschäftigen, bis sie vergessen haben, welche Frage sie eigentlich stellen wollten.
  • Politische Standpunkte genau so oft umdrehen wie die Nürnberger Rostbratwürstchen
  • Den Blick auf die Realität durch eine dichte Holzkohle-Wolke ersetzen.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: In Bayern wird die Zukunft nicht in Hinterzimmern entschieden, sondern am Senf-Spender. Bleibt nur zu hoffen, dass die gewählten (CSU-)Bürgermeister nach den Stichwahlen am 22. März ihre Stadt- und Gemeindepolitik nicht so betreiben wie ihren Wahlkampf: Außen braun-schwarz, innen heiß – und nach drei Tagen ziemlich schwer im Magen liegend…

Mit satirischen Grüßen: Stephan Hörhammer


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