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Viechtach. „Genau so muss sich das anhören!“ Jazz-Konzertpianist Sven Ochsenbauer liebt und lebt die Kunst des Jazz am Klavier. Seine Hände sind ihm wichtig. Deswegen fährt er nicht Ski, spielt nicht Volleyball und boxt auch nicht – und fährt Schlittschuh und Rad nur mit Handschuhen, damit die Hände geschützt sind. „Beim Spielen lege ich Ehering und Uhr ab, damit ich frei in der Bewegung bin.“, berichtet er und zwinkert kurz. „Vor Konzerten mache ich keine Arbeiten im Haus oder Garten, damit die Muskulatur schön locker bleibt, obwohl ich das ansonsten sehr gerne zum Ausgleich mache. Die Gefahr, dass die Muskulatur fest wird und die Hände beim Spielen einschlafen ist sonst zu groß.“

Sven Ochsenbauer arbeitet in diesem Raum, der mit allerlei Musikinstrumenten ausgestattet ist, meist vormittags…

Seine Frau Katharina Maier nickt bestätigend. Dehnübungen, um die Muskulatur nicht zu verspannen, Aufwärmübungen wie das Spielen von Tonleitern oder Etüden stehen an der Tagesordnung. Etwa fünf Stunden pro Tag spielt, komponiert und arrangiert Sven Ochsenbauer.

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„In der Früh mache ich Musik. Abends gebe ich das frisch Komponierte aus dem Kopf über ein Notationsprogramm in den Rechner ein. Man könnte das auch über das E-Piano machen. Früher war es jedoch so: Wenn man die Taste etwas früher losließ, hatte man keine Viertel, sondern punktierte Achtel. Da dauert das Nachkorrigieren länger, als wenn ich es gleich direkt schreibe. Ich arbeite daher lieber mit Maus oder Tastatur.“

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Musikalische Anfänge und der Weg zum Jazz

… und hier ist er dann abends anzutreffen, wenn er aus dem Kopf die Noten in den Rechner eingibt.

Der gebürtige Teisnacher hatte in seiner Schulzeit an der Viechtacher Realschule bei Rudolf Hiebl mit 14 Jahren seine ersten Klavierstunden genommen. „Es begann aber schon vorher: Ich sah mit etwa neun Jahren im Katalog ein Keyboard, damals nur etwa sechzig Tasten lang – und wollte es unbedingt haben. Später habe ich dann ein E-Piano bekommen.“ Autodidaktisch lernte er sich die Noten selbst. „Beim E-Piano war ein Heft mit klassischen Stücken von Mozart und dergleichen dabei“, erinnert er sich und ergänzt: „Das Klavier spielen hat mich so sehr interessiert, dass ich das unbedingt lernen wollte.“ Hatte er keine Noten zur Hand, spielte er einfach nach Gehör.

So sahen die Handschriften der Zwiefachen für Rumpertibum im Urzustand aus.

Nach der Plattlinger Musikfachschule studierte er in Nürnberg schließlich Jazz-Klavier. Auch die Gitarre beherrscht er, doch sein Favorit war das große Tasteninstrument. Als er eine Kassette von Keith Jarrett, einem bekannten amerikanischen Jazzpianisten bekam, entdeckte er seine Liebe zu jener Musikrichtung „Ich dachte: Wahnsinn, das ist bestimmt auskomponiert, denn es hat so eine durchdachte Struktur. Tatsächlich war aber alles improvisiert – und ich wusste: Das ist meins!“

Improvisieren meint freies Spielen über eine festgelegte Akkordfolge. „Da spielt man nicht ins Blaue hinein, sondern muss in der Form bleiben. Man variiert die sog. Licks, die Tonfolge oder den Rhythmus“, weiß Sven Ochsenbauer. Oder man vergleicht es mit einem Gstanzlsänger, der manche Reime standardmäßig im Repertoire hat und je nach Tagesform spontan neue variiert. Spielt man Jazz in der Band, erklärt der Viechtacher weiter, nickt man entweder dem Saxophonisten oder Bassisten zu. „Das bedeutet: Du bist dran!“ Dieser greift den Blick auf und spinnt den melodischen Faden weiter.

Und so gibt es bei jedem Jazzstück am Anfang ein Thema, es folgt die Improvisation – und dann wieder das Thema. „Bei einem Klaviertrio spiele ich meistens mit dem Bassisten Markus Schlesag und dem Schlagzeuger Stefan Spatz. Doch das funktioniert bei allen Jazzern so. Deswegen kann man immer in einer Band einspringen, denn jeder hat die Standards parat.“

Karriereweg und internationale Erfolge

Sven Ochsenbauer mit seiner ersten CD. Heute ist er auf allen gängigen Streamingdiensten vertreten.

Die Eltern waren nicht sofort begeistert, als Ochsenbauer eine Berufsmusikerkarriere anstrebte, doch sie unterstützten ihn. Und als sie sahen, wie gut das alles funktioniert, waren sie sehr stolz auf ihn. Anfangs gab er Konzerte und Unterrichtsstunden. „Das waren zwei Berufe gleichzeitig – und einfach zu viel“, blickt der 50-Jährige zurück. Aufgrund von Überlastung hatte er einen Ohnmachtsanfall, der im Krankenhaus behandelt werden musste. So entschied sich der Vollblutmusiker, die Musikschule zu verlassen und nur noch Profimusiker zu sein.

Vom Konzertsaal bis zu Schlössern in Bayern, Baden-Württemberg, Österreich und Tschechien gibt er gegenwärtig Konzerte, ist hoch gefragt bei Jazzclubs, Ministerien und Städten. Er begleitet Lesungen, Vernissagen, Kunstevents oder auch Staatsempfänge wie etwa die Verleihung des Bundesverdienstordens. „Anfangs musste ich viele Bewerbungen schreiben, denn die angesagten Jazzclubs kommen nicht auf dich zu. Da musst du schon selbst aktiv werden. Doch nun bin ich seit über 25 Jahre freiberuflicher Musiker – und der Job ist ein Selbstläufer.“

Einige seiner Kompositionen kann man sich als Notenwerk bestellen

Heute kann er getrost sagen: „Ich mache nur, was mir gefällt – und das sind nun mal Jazz und Jazz-verwandte Sachen. Die Ideen zu meinen Kompositionen kommen dabei ganz spontan. Manchmal fällt mir ein bestimmter Rhythmus, eine Melodie oder eine Ahnung ein“, beschreibt er seinen kreativen Weg. Seine Stücke veröffentlichte er auf bisher zwölf CDs, zudem sind seine musikalischen Werke bei sämtlichen Streamingdiensten unter dem Sven Ochsenbauer Trio und seinem Namen als Solokünstler vertreten. Zuletzt setzte er sich mit volkstümlichem Liedgut und Volksliedern unter dem Jazz-Aspekt auseinander.

„Ich erzähle mit meiner Musik Geschichten“, beschreibt Sven Ochsenbauer sein kreatives Schaffen. Die Stadt Wörth a.d. Donau etwa beauftragte ihn zum 100-jährigen Jubiläum der Goldenen Zwanziger, den Stummfilm „Das Cabinet des Dr. Caligari“ zu vertonen. Für „Rumpertibum – 100 Zwiefache aus Niederbayern“ arrangierte und reharmonisierte er alte Handschriften. „Lichterloh“ hieß ein Text, zu dem er für die Stadt Viechtach die Musik komponierte. 

Mitten in der Musik angekommen

Vom neunjährigen Jungen mit dem ersten Keyboard aus dem Katalog bis zum gefragten Jazz-Virtuosen war es ein weiter und vielleicht auch nicht immer einfacher Weg, geprägt von viel Disziplin und Hingabe. Heute ist Sven Ochsenbauer jedoch dort angekommen, wo er immer hinwollte: Mitten in der Musik, die er liebt – und die er mit jedem Anschlag neu erfindet…

Marika Hartl


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