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Haidmühle. Es sind (Ur-)Ängste, die tief im Innern des Menschen verankert sind. Die Angst vor dem Ungewissen, vor einem Vierbeiner in den dunklen Wäldern zwischen Passau und Philippsreut; vor einem Wesen, das Jahrzehnte lang quasi nicht mehr existent war – nun aber wieder präsent ist. Die Furcht davor, dass dieser in Märchen gerne als Bestie dargestellter „Isegrim“ das Weidevieh reißt und womöglich sogar auch Menschen angreift…

Gehasst, gefürchtet und (inzwischen wieder) gejagt: Der Wolf ist zurück im Bayerischen Wald. Symbolbild: ambquinn/pixabay.com

Es geht um den Wolf, mit dem sich die Waidler und Waidlerinnen neuerdings wieder den Bayerischen Wald teilen. Es geht um eine Rückkehr, die bereits für einige Schlagzeilen gesorgt hat.

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Gerade in der Gemeinde Haidmühle ist der Wolf derzeit in aller Munde. Im angrenzenden Leopoldsreuter Wald gibt es seit 2024 ein offizielles Wolfs-Territorium. Nicht nur eine bürokratische Angelegenheit, sondern auch eine Tatsache, die sich im Alltag widerspiegelt. Denn zuletzt wurde der „Canis lupus“ rund um den Haidel mehrfach auf Wildkameras gesichtet. Zudem geistern immer wieder bestätigte und mutmaßliche Wolfsrisse an der deutsch-tschechischen Grenze durch die Medien.

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„Ziel ist eine sachliche Einordnung“

Und genau hier möchte die Haidmühler Kommunalverwaltung um Bürgermeister Roland Schraml an der Spitze ansetzen und  Aufklärungsarbeit leisten. „Aufgrund der aktuell angespannten Situation veranstaltet die Gemeinde Haidmühle in Kooperation mit der Regierung von Niederbayern eine öffentliche Informationsveranstaltung zum Thema Wolf“, informiert Gemeindemitarbeiterin Simone Hannen. „Ziel ist eine sachliche Einordnung der Situation sowie die Information über Zuständigkeiten und mögliche Maßnahmen.“

Bevor es zu einer offenen Diskussion mit den Anwesenden kommt, werden eben Schraml, Dr. Katrin Kunz (Wolfsbeauftragte der Regierung von Niederbayern) und Werner Simmet (Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt FRG) über das Thema referieren, ihre Sicht der Dinge darlegen. Das Onlinemagazin da Hog’n ist live bei diesem Format in der Haidmühler Mehrzweckhalle am Donnerstagabend (12. März, ab 19 Uhr) dabei.

 

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(Vor Ort: Hog’n-Redakteur Helmut Weigerstorfer)

Das war die Live-Berichterstattung aus der Haidmühler Mehrzweckhalle zum Thema „Wolf“. Danke fürs Dabeisein! Gute Nacht!

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Das Resümee von Bürgermeister Roland Schraml: „Ich freue mich, dass die Veranstaltung durchwegs auf seiner sachlichen Ebene abgehalten werden konnte. Wir tun gut daran, mit diesem Thema auch weiter sachlich umzugehen. Der Wolf ist da, das ist Fakt. Nun müssen wir lernen, damit umzugehen.“

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Ein Rotwild-Besitzer aus Riedlsbach bringt eine spezifische praktische Sorge ein: Was geschieht, wenn ein Wolf den Weg in eine Umzäunung findet, dort aber nicht mehr eigenständig herauskommt? Dr. Kunz stuft dieses Szenario als einen absoluten Einzelfall ein. Sie erklärt, dass ein Wolf, der den Weg hinein geschafft hat, diesen in der Regel auch wieder herausfindet. Sollte das Tier jedoch wider Erwarten innerhalb der Umzäunung festsetzen, seien entsprechende Konsequenzen einzuleiten, um sowohl Mensch als auch Wild zu schützen.

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Helga Kern, die eine kleine Landwirtschaft in Haidmühle betreibt, schildert ein einschneidendes Erlebnis: „Im Herbst 2024 habe ich einen Wolf gesehen – nur 50 Meter entfernt, am Wiesenrand. Es war definitiv kein Hund!“ Sie berichtet mit spürbarer Frustration, dass man sie für ihre Aussage damals belächelt habe. Ihre Frage an Dr. Kunz ist existentiell: „Können Sie mir die Angst nehmen, wenn ich frühmorgens die Stalltür öffne und hinausgehe?“

Dr. Kunz antwortet ehrlich und ohne falsche Versprechungen: „Ob ich Ihnen die Angst nehmen kann, kann ich nicht sagen.“ Sie bietet Frau Kern stattdessen ein konkretes Beratungsgespräch zum Thema Herdenschutz an. Mit Blick auf die Sichtung erklärt sie, dass dies offenbar ein natürliches Verhalten des Wolfes war, mahnt aber gleichzeitig zur Wachsamkeit: „Beobachten Sie es weiter. Wenn es kritisch wird, melden Sie es bitte sofort. Wir können nur agieren, wenn wir über solche Vorfälle auch informiert sind.“

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Jagdpächter Herrmann Schuster ergreift erneut das Wort, um eine versöhnlichere, aber dennoch deutliche Note in die Debatte zu bringen. „Wir wollen nicht alles abknallen“, betont er mit Blick auf die Jägerschaft. „Der Wolf ist auch ein Tier.“ Dennoch macht er seinen Standpunkt unmissverständlich klar: „Ich spreche hier für alle Jäger, wenn ich sage: Wir opfern erneut das Rotwild, von dem ohnehin schon nicht viel Bestand vorhanden ist.“

Sein wichtigster Appell an die versammelte Runde – Behördenvertreter, Landwirte und Bürger gleichermaßen – ist ein Plädoyer für den Dialog: „Wichtig wäre es, dass wir uns alle an einen Tisch setzen und miteinander reden. Das fehlt mir bisher.“ Er fordert klare Richtlinien ein, auf deren Basis dann eine verbindliche Absprache getroffen werden kann, um die Interessen aller Beteiligten besser zu berücksichtigen.

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Der bis dato emotionalste Moment des Abends folgt, als Herrmann Weidinger das Wort ergreift. Er berichtet, dass sich einer der jüngsten Wolfsrisse direkt vor seinem Haus ereignet hat. Er schildert die Situation anschaulich und drastisch. Mit zitternder Stimme stellt er die Frage, die vielen Anwesenden auf der Seele brennt: „Was passiert, wenn ein Kind zu Schaden kommt? Könnt ihr dann noch ruhig schlafen? Irgendwann ist es soweit!“

Die Stimmung im Saal kippt, die Halle bebt. Als mitten in seinem Appell das Mikrofon aus technischen Gründen ausfällt, lässt sich Weidinger nicht beirren und redet einfach lautstark weiter. Dr. Kunz versucht zu reagieren, bleibt jedoch bei ihrer bisherigen Linie: „Natürlich ist es mir keineswegs egal, was mit Menschen passiert – das habe ich hier bereits mehrfach betont.“ Sie verdeutlicht, dass eine Eskalationsstrategie bestehe, bei der ein konsequentes Monitoring als Grundlage für staatliches Eingreifen diene. Sobald eine Gefährdung erkennbar werde, werde gehandelt. Abschließend richtet sie einen eindringlichen Appell an das Publikum: „Ich hoffe, ich habe mich unmissverständlich ausgedrückt: Unser gemeinsames Ziel muss es sein, dass niemand zu Schaden kommt – weder Mensch noch Weidetier.“

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Martin Herbst richtet den Blick auf die Zukunft und fragt besorgt, was geschieht, wenn sich die hiesigen Wölfe jedes Jahr weiter vermehren. Dr. Kunz beschwichtigt: Eine dauerhafte lokale Überpopulation sei nicht zu erwarten, da die Jungtiere abwandern und zum Teil weite Strecken zurücklegen, anstatt dauerhaft in ihrem Geburtsrevier zu bleiben.

Einen anderen Aspekt beleuchtet Martin Zellner: Er kritisiert, dass die Staatsforsten das Rotwild direkt an der Grenze bejagen und dem „Sumava-Wolf“ damit die natürliche Beute entziehen. Forstamtleiterin Linda Madl antwortet darauf kurz und knapp: „Ganz einfach: Wir halten uns an Vorgaben!“

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Im weiteren Verlauf erkundigt sich Karl Rau, ein Jagd-Mitgeher aus Haidmühle, nach den genetischen Hintergründen: „Wie unterscheiden sich eigentlich hybride von nicht-hybriden Wölfen?“, will er wissen. Dr. Kunz stellt daraufhin klar, dass das Thema der Hybridisierung – also der Paarung zwischen Wölfen und Haushunden – zwar oft diskutiert werde, in der Region jedoch kaum eine Rolle spiele. Sie erläutert, dass bisher lediglich in Nordbayern ein Fall eines solchen Hybriden durch eine Fotofalle dokumentiert werden konnte – ein auffälliges, schwarzes Exemplar. Für den hiesigen Bestand gebe es aktuell keinerlei Nachweise für solche Kreuzungen.

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Gemeinderat Gundolf Hain.

Der Haidmühler Gemeinderat Gundolf Hain greift daraufhin die entscheidende Frage nach den konkreten Konsequenzen auf: Was geschieht, wenn ein Wolf tatsächlich auffällig wird? Er möchte wissen, wie eine solche Vergrämung in der Praxis aussieht. Dr. Kunz erläutert daraufhin die methodischen Möglichkeiten der Verhaltensbeeinflussung, etwa durch den gezielten Beschuss mit Gummigeschossen oder Paintball-Markierern. Diese Nennung der speziellen Mittel sorgt für eine deutliche Reaktion im Saal: Die Halle lacht auf und ein lebhaftes Gemurmel geht durch die Reihen…

Bauernpräsident Siegfried Jäger meldet sich daraufhin zu Wort. Er macht deutlich, dass die von Dr. Kunz genannten Methoden rechtlich keineswegs so einfach umsetzbar seien, wie sie klingen. Jägers Hauptanliegen gilt der Effizienz: Er betont die Dringlichkeit, dass eine Bejagung des Wolfes zeitnah und praktikabel möglich wird. Die derzeitigen Bearbeitungszeiten durch das Landesamt für Umwelt (LfU) kritisiert er als zu lang – eine schnellere Reaktion müsse gewährleistet sein. Sein konstruktiver Vorschlag: „Eventuell ließe sich die Zuständigkeit über die Staatsforsten regeln, dann geht das Ganze sicher schneller über die Bühne.“

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Die Diskussion wird weiter hitzig geführt. Ein Mann aus Schnellenzipf bringt historische Berichte in die Runde – er verweist auf ein Buch, das Wolfsangriffe auf Kinder vor über 100 Jahren sowie aktuelle Vorfälle in anderen Ländern thematisiert. Während im Publikum teils ein Raunen und sogar leises Gelächter über die Vergleichbarkeit der Szenarien aufkommt, reagiert Dr. Katrin Kunz bestimmt. Sie betont, dass für sie Kinder selbstverständlich ebenfalls als Menschen gelten und der Schutzstatus für alle gleichermaßen gelte. Sie stellt jedoch klar: „Menschen sind bei uns aktuell nicht gefährdet.“ Fälle wie in Indien seien genauso wie Tigerangriffe aufgrund völlig anderer Rahmenbedingungen nicht auf Bayern übertragbar. Hierzulande wäre eine solche Aggressivität als „unnatürliches Verhalten“ zu werten – ein Szenario, das in dieser Region bisher nicht einmal ansatzweise gemeldet wurde.

Gerhard Mauritz (Jäger, Forstwirt und Landwirt) lenkt nun den Fokus auf die praktische Belastung der Betroffenen. Er fragt kritisch, warum die Last der Schutzmaßnahmen – das aufwendige Einzäunen – so einseitig bei den Bürgern liege. Er mahnt an, nicht erst zu warten, bis „etwas Schlimmes passiert“, und fordert ein schnelleres behördliches Eingreifen. Seine Skepsis gegenüber dem aktuellen Zeitplan stößt auf breite Zustimmung und wird mit deutlichem Applaus untermauert. Dr. Kunz bleibt bei ihrer sachlichen Linie und entgegnet lediglich: „Wir müssen mit der Realität leben – mehr kann ich dazu nicht sagen.“

Um die Wogen zu glätten, ergreift Bürgermeister Roland Schraml das Wort. Er erinnert an die geltende Rechtslage: „Es gibt Recht und Gesetz, daran gilt es sich zu halten.“ Er verdeutlicht, dass die Gemeinde den Wolf nicht eigenmächtig schießen dürfe. Er versichert den Anwesenden jedoch, dass die Behörden entschlossen reagieren werden, sollte „unser“ Wolf ein auffälliges Verhalten zeigen. Schraml unterstreicht, dass die Verwaltung die Sorgen der Bürger extrem ernst nehme, schließt seinen Beitrag aber mit einem Appell zur Vernunft: „Dass Kinder als Opfer in Betracht gezogen werden, ist schlichtweg Irrsinn.“

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Die Diskussion nimmt an Fahrt auf, als Ulrike Hackl, Revierpächterin aus Grainet, das Wort ergreift. Sie greift das bekannte Nationalpark-Motto „Natur, Natur sein lassen“ auf und schlägt eine kontroverse Brücke: Wenn die Gesellschaft den Wolf als natürliches Element akzeptieren müsse, dann, so argumentiert sie, müsse im Gegenzug auch die Jagd auf das Rotwild innerhalb der Schutzgebiete eingestellt werden. Ihre Forderung quittiert das Publikum mit polterndem Applaus.

Auch die Sorge um die Haustiere kommt zur Sprache. Eine Dame aus dem Publikum wirft ein, dass ein Pferd für sie weit mehr als nur ein „Nutztier“ sei – und keinesfalls als Futter für den Wolf dienen dürfe. Dr. Katrin Kunz nimmt diese Bedenken sachlich auf und erläutert, dass Pferde offiziell zu den förderfähigen Tieren zählen. Sie rät eindringlich dazu, die Fachstellen zu kontaktieren, da für Pferde eine spezielle Einzäunung erforderlich sei, um zu verhindern, dass die Tiere bei einer Panikreaktion zu Schaden kommen.

Anschließend richtet ein Mann aus dem Publikum eine direkte Frage an Jagdpächter Herrmann Schuster: Ob es stimme, dass er einen Wolf bei einem Schafsriss beobachtet habe? Schuster antwortet mit drastischer Klarheit: „Nicht einmal, sondern fünfmal.“ Er beschreibt, dass es sich um eine erfahrene Wolfsmutter handele, die die Jagd perfekt beherrsche und sogar bereits einen Zaun überwunden habe. Auf die Rückfrage, wie nah man dem Tier dabei gekommen sei, entgegnet Schuster, dass sich diese Frage erübrige – man verfüge über Videobeweise.

Als der Mann nachhakt, warum in dieser Situation kein Vertreibungsschuss abgegeben wurde, reagiert Schuster mit beißender Ironie: „Das ist Theorie. Der Wolf wartet nicht – vielleicht soll man ihm das nächste Mal sagen, er soll gefälligst warten.“ Mit diesem Kommentar erntet er erneut den deutlichen Beifall der Anwesenden…

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Die Fragerunde beginnt mit Hugo Voss, freiberuflicher Forstsachverständiger.

Nachdem Jochen Dieler die jagdrechtliche Komponente beleuchtet hat, eröffnet der freiberufliche Forstsachverständige Hugo Voss, der unter anderem in Brandenburg tätig ist, die Fragerunde mit einer fachlichen Ergänzung. Er lenkt den Blick auf die räumliche Ausdehnung der Wolfsreviere. Voss gibt zu bedenken, dass man die Fläche eines Wolfsterritoriums nicht starr definieren darf. Aufgrund des großen Nahrungsangebots im Bayerischen Wald müsse man die Gebietsabgrenzungen deutlich flexibler bewerten, als es in weniger wildreichen Regionen der Fall sei.

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Jochen Dieler, Leiter des Referats Oberste Jagdbehörde im Bayerischen Wirtschaftsministerium, übernimmt kurzfristig für Werner Simmet vom Landratsamt FRG. 

Nach den fachlichen Ausführungen von Dr. Kunz übernimmt Jochen Dieler, der Leiter des Referats der Obersten Jagdbehörde im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, das Wort – kurzfristig anstelle des ebenfalls anwesenden Werner Simmet. Er hat eine Nachricht im Gepäck, die für das Publikum eine erhebliche Bedeutung trägt: Der Wolf soll künftig offiziell im bayerischen Jagdgesetz verankert werden.

Dieler erläutert, dass der Managementplan vorsehen soll, dass Wölfe regulär bejagt werden dürfen. Diese Ankündigung sorgt im Saal für eine sofortige und deutliche Reaktion: Zum ersten Mal an diesem Abend bricht das Publikum in großen Applaus aus. Es ist das erste Mal, dass die Anwesenden ihre Zustimmung so unmittelbar und hörbar äußern.

Trotz der Euphorie schränkt Dieler die Erwartungen jedoch ein, um eine realistische Einschätzung zu gewährleisten. Er stellt klar, dass es sich nicht um eine uneingeschränkte Jagd auf jeden Wolf handelt. Vielmehr soll die Zahl auf eine bestimmte Zahl begrenzt sein, um den gesetzlichen Rahmen und die ökologischen Vorgaben einzuhalten.

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Als „knackigstes Thema“ widmet sich Dr. Kunz dem konkreten Verhalten des Wolfes. Sie räumt dabei mit falschen Erwartungen auf: Es gehört zum natürlichen Verhalten, dass Wölfe in der Dämmerung direkt an Ortschaften entlang oder durch Siedlungen laufen. Auch Sichtungen im Hellen in der Nähe von Häusern sind kein Grund zur Panik. Ein Wolf flüchtet nicht sofort, sondern beobachtet zunächst die Lage. Dr. Kunz stellt klar: Wölfe meiden Menschen, aber sie meiden nicht zwangsläufig menschliche Strukturen.

Davon scharf abzugrenzen ist ein unnatürliches Verhalten. Dieses liegt vor, wenn ein Tier immer wieder gezielt die Nähe bewohnter Häuser sucht oder sich Menschen aktiv nähert. Ein wirklich gefährliches Verhalten – also eine unprovoziert aggressive Reaktion gegenüber Menschen – ist laut der Expertin in Deutschland bisher noch nicht dokumentiert worden.

Für den Fall eines direkten Aufeinandertreffens gibt Dr. Kunz klare Verhaltensregeln aus: Man soll ruhig bleiben, sich im Zweifelsfall durch Lärm bemerkbar machen und sich langsam zurückziehen. In Wolfsgebieten ist es zudem Pflicht, Hunde konsequent anzuleinen. Ihr eindringlichstes Verbot lautet jedoch: Wölfe dürfen niemals (!) angelockt, gefüttert oder gar angefasst werden, um die natürliche Distanz zu wahren.

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Als effektivste Präventivmaßnahme nennt Dr. Kunz schlicht und einfach den Elektrozaun. Ziel ist es, den Wolf zu konditionieren: Er soll lernen, dass Nutztiere mit einer schmerzhaften Erfahrung verbunden sind. Dabei betont sie jedoch, dass die Wirkung steht und fällt mit der korrekten Installation. Ein Wolf versucht in der Regel, einen Zaun zu untergraben, anstatt darüber zu springen. Ein Überspringen ist laut Kunz eher selten – es sei denn, es finden sich „Hilfsmittel“ wie Heuballen, die direkt am Zaun stehen und als Aufstiegshilfe dienen.

Ein zentraler Punkt dabei: die Sorgfaltspflicht der Tierhalter. Ein Zaun muss nicht nur einmalig stehen, sondern regelmäßig kontrolliert werden, um Schwachstellen zu vermeiden. Besonders warnt sie vor einer oft unterschätzten Gefahr: Auch Gewässer müssen konsequent eingezäunt werden. Denn der Wolf ist ein guter Schwimmer und nutzt Wasserwege ohne Zäune problemlos als Einstieg in die Weideflächen.

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Grafik: Verdachtsfälle und durch Wolf getötete Nutztiere in Niederbayern.

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Grafik: Wolfsverursachte Nutztierschäden in Bayern.

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Dr. Kunz geht auch auf die jüngsten Ereignisse ein, die in der Bevölkerung für Unruhe sorgen. Die Risse – einer am 15. Februar 2026 und ein weiterer am 3. März 2026 – wirken laut ihrer Einschätzung zwar zunächst befremdlich, müssen aber im Kontext der Witterung betrachtet werden. Sie gibt zu bedenken, dass die Schneelage eine entscheidende Rolle spielt: Genau wie der Mensch nutzen auch Wildtiere bei hohem Schnee lieber geräumte Flächen. Dies führt dazu, dass sie sich zwangsläufig menschlichen Siedlungen nähern, was die Sichtungen in Dorfnähe erklärt.

Beim Thema Nutztierrisse liefert sie klare Statistiken: 86 Prozent aller gerissenen Nutztiere sind Schafe oder Ziegen. Im Gegensatz dazu stellt sie fest, dass ein Wolf gegen ein fittes, gesundes Rind im Regelfall keine Chance hat. Vor diesem Hintergrund betont sie mit Nachdruck: „Prävention ist essenziell“. Nur durch geeignete Schutzmaßnahmen lassen sich Konflikte dauerhaft minimieren.

Ein zentrales Anliegen ist Dr. Kunz die Qualität der Datenbasis. Sie stellt klar, dass Informationen aus den Medien keine verlässliche Grundlage für ein professionelles Monitoring bilden. Stattdessen richtet sie einen dringenden Appell an die Bürger: Wer Wölfe sieht, die sich unnatürlich verhalten, soll dies direkt dem LfU melden. Ihr Leitsatz lautet hierbei: „Alles melden!“. Die Bürger müssen nicht selbst entscheiden, was relevant ist – die fachliche Prüfung und den Ausschluss übernehmen im Nachgang die zuständigen Fachstellen.

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Intensiv verfolgt die Zuhörerschaft im Saal die Ausführungen der Wolfsbeauftragten:

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Um den Bürgern eine verlässliche Informationsquelle an die Hand zu geben, verweist Dr. Kunz des Weiteren auf das offizielle Monitoring. Sie empfiehlt die Webseite der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW), die unter https://data.dbb-wolf.de/coords/GMapRudelPublic.php eine interaktive Karte bereitstellt. Diese Seite wird der Expertin zufolge ständig aktualisiert und macht die Standorte der Rudel sowie die aktuellen Nachweise für die Öffentlichkeit transparent und nachvollziehbar.

Dr. Kunz betont zudem die Standortvorteile für den Rückkehrer in den heimischen Wäldern. Sie weist darauf hin, dass wir hierzulande eine ausgesprochen hohe Wildtierdichte haben. Für den Wolf ist dies laut ihrer Einschätzung eine ideale Ausgangslage, da er ein reiches natürliches Nahrungsangebot vorfindet, was die Ansiedlung begünstigt und den Jagddruck auf Nutztiere potenziell senkt.

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Zu Beginn ihrer Ausführungen widmet sich Dr. Kunz der formalen Einordnung. Sie erläutert detailliert die verschiedenen Paragraphen und Artikel, die den Umgang mit dem geschützten Tier regeln. Dabei räumt sie offen ein, dass diese rechtlichen Grundlagen zwar für jedermann überall nachlesbar seien, sie diese jedoch heute bewusst an den Anfang stelle, um ein lückenloses und transparentes Gesamtbild der aktuellen Lage zu zeichnen.

Während ihrer Ausführungen kann man im Saal die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können; das Publikum verfolgt ihre Worte mit aufmerksamem Zuhören in vollkommener Totenstille. Besonders deutlich wird die Wolfsbeauftragte bei der Gewichtung der Schutzgüter. Sie stellt klar heraus, dass der Schutz des Menschen und die öffentliche Sicherheit unter keinen Umständen dem Schutz der Wölfe nachgestellt sein dürfen.

Als erste Referentin tritt Dr. Katrin Kunz, Wolfsbeauftragte der Regierung von Niederbayern, vors Publikum.

In der Folge ihrer Argumentation geht Dr. Kunz auf die praktischen Konsequenzen ein, die das Gesetz vorsieht: Sollte es zu Schäden kommen, bleibe die Verwaltung nicht handlungsunfähig. In solchen Fällen sieht der rechtliche Rahmen klare Schritte vor – diese reichen davon, dass ein Wolf eingefangen oder, als letzte Konsequenz, sogar entnommen werden darf.

Im weiteren Verlauf gibt Dr. Kunz einen Einblick in die komplexe Verwaltungsstruktur, die im Ernstfall greift. Sie stellt die verschiedenen zuständigen Stellen vor und verdeutlicht, dass das Management eine fachübergreifende Aufgabe ist. Wenn es hart auf hart kommt, sind Polizei, das Landesamt für Umwelt (LfU) und das Landratsamt mit der Unteren Naturschutzbehörde gefragt. Ergänzt wird dieses Netzwerk durch die Höhere Naturschutzbehörde sowie das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) und die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL).

Nach den organisatorischen Fakten schlägt die Expertin das nächste Kapitel auf: die Biologie und Lebensweise der Wölfe. Dr. Kunz räumt dabei mit Mythen auf und liefert wissenschaftliche Daten zum lokalen Geschehen. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf dem Tier, das die Region aktuell bewegt. Mit Bestimmtheit stellt sie fest: „Unser“ Wolf – also das im Leopoldsreuter Wald ansässige Tier – stammt nachweislich aus Tschechien.

Sie räumt mit der Vorstellung auf, dass ein Wolf beim Anblick eines Menschen sofort in panische Flucht verfällt. Stattdessen schildert sie ein weitaus besonneneres Bild: Der Wolf haut nicht panisch von selber ab, sondern bleibt nach ihrer Einschätzung der Lage zunächst ruhig. Erst nach dieser kurzen Analyse der Situation entfernt er sich schließlich.

Dr. Kunz räumt mit gängigen Vorurteilen auf und untermauert dies mit konkreten Zahlen aus der Forschung. Sie stellt klar: Entgegen mancher Befürchtungen machen Nutztiere nur einen verschwindend geringen Teil der Wolfsnahrung aus. Laut ihren Ausführungen entfallen lediglich 1,6 Prozent des wolfstypischen Speiseplans auf Nutztiere, während der weitaus größte Teil aus Wildbeständen besteht.

Vor allem der Biber stellt für den Rückkehrer ein „gefundenes Fressen“ dar. Diese Beobachtung unterstreicht für die Expertin eine wichtige ökologische Funktion. Sie legt dar, dass sich das Ökosystem durch die Anwesenheit des Prädators einmal mehr von selber regelt, da der Wolf so ganz natürlich zur Bestandsregulierung beiträgt.

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Roland Schraml: „Wir nehmen die Sorgen und Nöte der Bürger ernst. Die Situation hat sich nach den Vorfällen in der vergangenen Woche zugespitzt. Es herrscht große Verunsicherung. Wichtig ist nun eine sachlich, fachlich-fundierte und rechtliche Einordnung der Lage. Ziel ist es, Informationen zu geben und Ängste zu mindern. Die Sicherheit der Bürger steht für uns an erster Stelle. Wir wollen keine ideologischen Scheuklappen. Die Entscheidung, ob der Wolf entnommen wird, liegt beim Landratsamt. Aber auch da geht’s um den rechtlichen Rahmen.“

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Bürgermeister Schraml begrüßt das Publikum und die Referenten zu einem Thema, das die Menschen bewegt. Auch Bauernpräsident des Bezirks Niederbayer Siegfried Jäger sowie Jochen Diehl von der Oberen Jagdbehörde ist vor Ort.

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Jagdpächter Herrmann Schuster im Gespräch mit dem Onlinemagazin da Hog’n: 

 

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Auch der BR ist vor Ort, hier beim Interview mit Jagdpächter Herrmann Schuster.

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Die exakt 214 Stühle sind besetzt, zudem stehen weitere Interessierte am Rand. In der Mehrzweckhalle dürften knapp 300 Leute sein. Die dominierenden Farben im Publikum – darunter auch Nachbar-Bürgermeister wie Jürgen Schano (Grainet) und Kristina Urmann (Neureichenau) sowie MdL Martin Behringer – sind die typischen Jägerfarben beige, braun und grün. Jetzt werden die Langbänke vom Sportunterricht rangetragen…

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Bürgermeister und Gastgeber Roland Schraml 25 Minuten vor Eröffnung der Infoveranstaltung:

 

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Noch 30 Minuten bis zum Beginn. Schon einige Interessierte sind da – und es wird auch schon fleißig diskutiert….

 

da Hog’n

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