Zwiesel. Ein erneuter Fund von Schlachtabfällen im Zwieseler Ortsteil Bärnzell sorgt für Spekulationen. Während die Polizei wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz ermittelt, kocht die Gerüchteküche in den sog. Sozialen Netzwerken hoch. Im Fokus der Mutmaßungen: ein möglicher religiöser Hintergrund. Doch: Was ist an den Theorien wirklich dran?

Es war ein unschöner Fund, den eine Spaziergängerin am Dienstag, den 4. März, unweit von Zwiesel gemacht hat. An der Leithenwaldstraße im Ortsteil Bärnzell stieß sie auf eine Plastiktüte, die auf einer Wiese abgelegt worden war. Der Inhalt: die Schädelknochen eines Tieres – nach aktuellem Kenntnisstand der Polizei handelt es sich um ein Schaf.
Was den Vorfall besonders brisant macht: Es ist nicht das erste Mal, dass dieser Bereich zum Schauplatz illegaler Entsorgungen wird. Bereits im September vergangenen Jahres musste die Polizei Zwiesel in derselben Gegend wegen weggeworfener Schlachtabfälle ermitteln. Damals wie heute lautet der Vorwurf: Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.
„Offenes Geheimnis“? Die Stimmung im Netz
Doch die Ermittlungen gestalten sich schwierig. Wie Polizeihauptkommissar Klaus Pister auf Hog’n-Anfrage mitteilt, erbrachte ein Zeugenaufruf lediglich einen „vagen Hinweis“ auf ein Fahrzeug. Da jedoch weder Fabrikat noch Kennzeichen bekannt seien, fehlen der Polizei derzeit greifbare Ermittlungsansätze.
Insbesondere auf Facebook ist die Zurückhaltung der Behörden für viele Kommentatoren unbegreiflich. Dort herrscht ein rauer Ton, geprägt von Misstrauen gegenüber der Polizei und Politik. Viele Nutzer sind überzeugt, den Täterkreis bereits zu kennen: „Man weiß es ja, wer es ist und warum man das machen muss. Ist ja ein offenes Geheimnis“, schreibt etwa ein User. Andere werden deutlicher und ziehen eine direkte Verbindung zur Flüchtlingspolitik: „Fragt mal bei Bürgermeister Eppinger oder Herrn Schlüter [nach], die sind spezialisiert für Asylbewerber“, lautet einer der Kommentare. Und ein anderer meint mit ironischem Unterton: „Wer wird denn sowas wohl tun? Da fällt mir aber gar niemand ein.“
Die Unterstellung: Es handele sich um illegale Schächtungen mit islamischem Hintergrund, die von den Behörden aus politischer Rücksichtnahme nicht weiter verfolgt würden.
Polizei erteilt Spekulationen eine Absage
Mit diesen Theorien konfrontiert, reagiert die Polizeiinspektion Zwiesel sachlich, aber bestimmt. Man beteilige sich grundsätzlich nicht an Spekulationen, so Hauptkommissar Pister. Auf die spezifische Frage nach einer möglichen Tatbeteiligung eines „islamischen Mitbürgers“ stellte er klar: Dies sei derzeit „weder belegbar noch widerlegbar“.
Ein begründeter Tatverdacht gegen eine bestimmte Person oder Gruppe habe sich schlichtweg noch nicht ergeben. Die polizeilichen Pressemeldungen würden nur gesicherte und belastbare Informationen enthalten, keine Vermutungen, betont Pister weiter.
Kritik an der Art der Entsorgung
Abseits der hitzigen Debatte um die Herkunft der Täter gibt es jedoch einen Punkt, in dem Einigkeit herrscht: Die Art und Weise der Entsorgung ist völlig inakzeptabel. „Egal, ob es Asylbewerber waren oder nicht (…), es gibt einfachere, schnellere und vor allem legale Wege, sowas zu entsorgen“, kommentiert ein Nutzer treffend. Wer seinen Müll oder Schlachtabfälle kurzerhand in der Natur deponiert, schadet nicht nur der Umwelt, sondern sorgt auch für unnötige gesellschaftliche Spannungen.
Die Polizei bittet jedenfalls weiterhin um sachdienliche Hinweise unter der Telefonnummer 09922/8406-20. Ob sich die Hoffnung einiger Facebook-Nutzer auf den Einsatz von Wildkameras zur Überwachung des Sektors erfüllt, bleibt abzuwarten – rechtlich sind solche Maßnahmen im öffentlichen Raum an hohe Hürden geknüpft.
Stephan Hörhammer








