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Philippsreut/ Eppenschlag. Im Münchener Merkur steht’s geschrieben, in der Welt, ja sogar im großen deutschen Nachrichtenmagazin Der Spiegel ist’s zu lesen: Helmut Knaus, der in der Grenzgemeinde Philippsreut seit 2014 auf dem Rathaussessel sitzt und bei den aktuellen Kommunalwahlen nicht mehr kandidiert hat, ja eigentlich in Rente gehen wollte, macht’s nochmal. Denn die Mehrheit der Wählerschaft hat seinen Namen auf dem Wahlzettel verewigt. Als „Bürgermeister wider Willen“ bezeichnet ihn deshalb die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ), die dem Lockenkopf aus dem Bayerwald ebenfalls einen großen Artikel gewidmet hat.

Helmut Knaus beim Hog’n-Interview im Jahr 2015 in seinem „Rathaus Marke Eigenbau“: Elf Jahre später hat sich im Büro so einiges verändert. Der Mann auf dem Sessel ist derselbe geblieben – und geht noch einmal in die Verlängerung. Fotos: Hog’n-Archiv

Wie u.a. das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet, wurde Helmut Knaus (parteilos) mit einer absoluten Mehrheit von 57,1 Prozent der Stimmen wiedergewählt – obwohl er offiziell gar nicht mehr zur Wahl angetreten ist. Da es in der Gemeinde Philippsreut keinen offiziellen Bewerber für das Amt gegeben hat, nutzten 216 der insgesamt 521 Wahlberechtigten eine Besonderheit des bayerischen Kommunalwahlrechts: Sie schrieben den Namen ihres Favoriten kurzerhand handschriftlich auf den Stimmzettel.

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Trotz der hohen Wahlbeteiligung von fast 80 Prozent landete der einzige nennenswerte Konkurrent, Josef Springer (CSU), mit 23,5 Prozent abgeschlagen auf dem zweiten Platz. Dieses Ergebnis durchkreuzte nun die persönlichen Pläne des Amtsinhabers, der noch im Vorfeld u.a. gegenüber der SZ betonte, dass er eigentlich in Rente gehen wolle.

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„Wie wenn nichts gewesen wäre“

„Ich habe gesagt, ich kandidiere nicht – doch die Mehrheit hat gemeint, ich soll trotzdem weitermachen“, sagt der in Philippsreut als ehrenamtlicher Bürgermeister tätige Helmut Knaus.

„Ja, mei, genervt bin ich nicht, aber dass jetzt alle anrufen, ist normal“, sagt ein doch etwas unleidlich wirkender Helmut Knaus im Gespräch mit dem Onlinemagazin da Hog’n, schnauft kurz durch und ergänzt sogleich in gewohnt pragmatischer Manier: „Das ist jetzt einfach so. Wenn ich 57 Prozent krieg‘, da kann ich nicht einfach zu den Wählern sagen: ‚Tschüss!‘ Das wär‘ jetzt nicht richtig – und wäre vor zwölf Jahren auch nicht richtig gewesen.“

Damals, im März 2014, setzte sich der aus Hinterfirmiansreut („Schmeijz“) stammende und für ein Bündnis aus Bayernpartei und Freien Wählern (BP/FW) angetretene Nachfolger von Langzeit-Bürgermeister Alfred Schraml mit knappen elf Stimmen Vorsprung gegen den Kandidaten der CSU durch. Eine Sensation im Bayerwald, mit der viele nicht gerechnet hatten – am wenigsten er selbst. 

Und genauso hat sich der Überraschungsfaktor in diesem Jahr nochmals eingestellt. Mit mehr als 50 Prozent der Stimmen hatte er beileibe nicht gerechnet. „Auch unser Wahlleiter ist im Vorfeld von einer Stichwahl ausgegangen – und nicht davon, dass in einer Gemeinde, in der keiner offiziell für das Bürgermeisteramt kandidiert, aus dem Stand die absolute Mehrheit holt.“ Pläne für die Zukunft, abseits der Politik, hätte der 64-Jährige freilich auch gehabt. „Aber da muss man jetzt das Beste draus machen“, kommt der Pragmatiker wieder in ihm durch – und fügt mit einem Lachen hinzu: „Jetzt geht’s einfach so weiter für mich – wie wenn nichts gewesen wäre.“

Die Sachlage in Eppenschlag

Nachdem sich auch in der Gemeinde Eppenschlag im Vorfeld kein offizieller Kandidat für das Bürgermeisteramt zur Verfügung gestellt hatte, fiel die Entscheidung bei der gestrigen Wahl vorerst auf zwei lokale Persönlichkeiten: Da die Bürger die Namen ihrer Favoriten selbst handschriftlich auf die Stimmzettel setzen durften, kristallisierten sich Thomas Reith (CSU), der derzeitige zweite Bürgermeister, und Manfred Schneider (Freie Wähler), Vorsitzender des WSV Eppenschlag, als Favoriten heraus. Reith konnte dabei 25,0 Prozent der gültigen Stimmen (97 Nennungen) auf sich vereinen, während Schneider 15,7 Prozent (61 Nennungen) erhielt.

Hatte einer erneuten Kandidatur bereits im Vorfeld eine klare Absage erteilt: Eppenschlags scheidender Bürgermeister Peter Schmid.

Ob es jedoch am Sonntag, 22. März, tatsächlich zu einer Stichwahl um die Nachfolge von Peter Schmid kommt, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch ungewiss. „Heute Abend haben die beiden Herren, die die meisten Stimmen erhalten haben, nochmal ein Gespräch unter sich, das gemeinsam mit ihren Lebensgefährtinnen stattfindet“, informiert der scheidende Bürgermeister gegenüber dem Hog’n – und ergänzt: „Dem möchte ich nicht vorgreifen, ich kann hierzu keine Prognose geben.“

Da es sich um eine echte Mehrheitswahl handelt, haben beide Nominierten bis zum morgigen Dienstag Zeit, die Wahl anzunehmen oder offiziell zurückzutreten. Sollte keine Stichwahl zustande kommen, müsste innerhalb von drei Monaten eine Neuwahl angesetzt werden. „Der Gemeinderat wird dann vorerst ohne den ersten Bürgermeister konstituiert – und wählt den zweiten und dritten Bürgermeister, die dann kommissarisch die Geschäfte bis zu den Neuwahlen führen.“

Und wie geht’s weiter im Leben von Peter Schmid? „Ich bin jetzt 75 Jahre alt und betreibe seit zehn Jahren den schön Ferienhof in Wolfertschlag – da hab ich immer noch genug Arbeit. Und ein bisschen Ruhe schadet ja auch nicht in dem Alter. Jedenfalls bin ich kreativ genug – vielleicht fällt mir wieder etwas Neues ein…“

Stephan Hörhammer

Update vom 10.03.2026: Hog’n-Informationen nach wird es keine Stichwahl in Eppenschlag geben, da sowohl Thomas Reith als auch Manfred Schneider zurückgezogen hat. Somit wird es in drei Monaten zu Neuwahlen dort kommen.

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