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Viechtach. Beton ist das Fundament unserer Zivilisation, doch er lastet schwer auf der Klimabilanz. Anton Zollner aus Viechtach zeigt nun, dass die Lösung für die Bauprobleme der Zukunft in der Vergangenheit liegen könnte. Mit einem patentierten „Römer-Beton“ macht er aus teurem Abfall hochwertiges Baumaterial – und spart dabei 70 Prozent der CO2-Emissionen ein.

Lego für Profis: Durch echte Kreislaufwirtschaft wird mit „SysCompound“-Binder ein säurefester, wasserdichter Beton. Es gewinnt die Gesellschaft, der Kunde und die Umwelt.
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In der Bauindustrie herrscht derzeit ein gewaltiger Umbruch. Während Primärrohstoffe wie Kies und Sand immer knapper und teurer werden, wachsen die Berge an Bau- und Abbruchabfällen laut Umweltbundesamt auf fast 200 Millionen Tonnen pro Jahr an. Gleichzeitig explodieren die Deponiekosten. In dieser Gemengelage hat der Viechtacher Unternehmer Anton Zollner, Vorstand der Consulta AG, ein Konzept marktreif gemacht, das wie ein Befreiungsschlag für die Branche wirkt.

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Das Geheimnis seines „Klimabetons“ liegt in der Chemie des Bindemittels. Herkömmlicher Zement ist für einen massiven Teil des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich. Zollner setzt stattdessen auf den Zementersatz „SysCompound“, basierend auf einer Entwicklung von Diplom-Ingenieur Bernhard Zinke. Dieser nutzt spezielle, überwachte Braunkohleflugasche als Basis.

Kreislaufwirtschaft statt Deponiewahnsinn

Anton Zollner aus Viechtach setzt auf Tüftlergeist statt auf Klimaprotest.

Das Ergebnis ist ein Baustoff, der nicht nur ökologisch, sondern auch physikalisch dem Standard-Beton überlegen ist. „Der Beton ist dichter, säurebeständig und besitzt die Fähigkeit zur Selbstreparatur“, erklärt Zollner. Letzteres ist eine Hommage an die Ingenieurskunst der Antike. Wie beim berühmten Pantheon in Rom, das seit zwei Jahrtausenden steht, reagiert das Bindemittel im Inneren des Steins weiterhin auf Feuchtigkeit. Entstehen kleine Haarrisse, quillt das Material bei Kontakt mit Wasser auf und dichtet den Riss von selbst wieder ab. Ein Prozess, der die Langlebigkeit massiv erhöht.

Der Anstoß für das aktuelle Pilotprojekt war ein handfestes wirtschaftliches Problem: Beim Unternehmen Alumina Systems in Redwitz an der Rodach (Landkreis Lichtenfels) waren die Entsorgungskosten für Feinkeramikabfälle um das Siebenfache gestiegen. Anstatt diese wertvollen mineralischen Reststoffe für teures Geld auf einer Deponie zu vergraben, entwickelte Zollner zusammen mit dem Würzburger Umwelt-Ingenieurbüro WUQM Consulting eine Rezeptur, um daraus marktfähige Betonblöcke herzustellen.

„Mit diesem Konzept minimieren wir den Anteil an nicht wiederverwertbarem Bauschutt massiv“, berichtet der Viechtacher Unternehmer stolz. „Wir verwenden, wo immer möglich, kein Primärmaterial mehr. Die Deponien werden so zu unseren neuen Rohstofflagern.“ Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat diesen Ansatz bereits erkannt und den SysCompound-Binder mit dem höchsten Fördersatz im Wettbewerb für Energie- und Ressourceneffizienz prämiert.

Massive „Lego-Steine“ für die Industrie

Auf dem Weg zum Produkt: Beim Druckfestigkeitstest wird der Stein auf Herz und Nieren geprüft.

Das sichtbare Ergebnis dieser Tüftelarbeit sind gewaltige Betonblöcke mit den Maßen 1,60 x 0,80 x 0,80 Meter. Ein einzelner Block wiegt 2,4 Tonnen. Wie riesige Lego-Steine lassen sie sich flexibel aufbauen und bei Bedarf wieder umsetzen. Sie dienen dem Bau von Lagerhallen, Schüttgutbuchten oder zur Hangsicherung. Besonders nachhaltig: Am Ende ihrer Nutzungsphase können diese Blöcke einfach wieder zu Betonbruch verarbeitet und erneut in den Kreislauf eingespeist werden.

Hier sieht man, dass der Beton wasserfest ist.

Doch der Weg zum „grünen Gold“ der Baubranche ist steinig. Bis eine neue Rezeptur für einen speziellen Abfallstoff genehmigt ist, vergehen oft Monate oder Jahre. Jeder Stein muss einen 28-tägigen Prüfzyklus durchlaufen, bei dem Druckfestigkeit, Feuerbeständigkeit und Wasserdichtigkeit streng dokumentiert werden. Nur so kann der Nachweis gegenüber den Behörden erbracht werden, dass der ehemalige Abfall nun ein hochwertiges Produkt ist.

Für Anton Zollner ist sein Projekt auch ein Statement in der aktuellen politischen Debatte. Während „Klimakleber“ für Aufmerksamkeit sorgen, setzt er lieber auf handfeste Ingenieurskunst. „Kreativität und Partnerschaften mit Fachunternehmen sind die Voraussetzungen, um zeitgemäße wirtschaftliche Lösungen zu finden, die der Umwelt wirklich nützen“, ist Zollner überzeugt.

Sein Ziel ist es, den Klimabeton zum Marktpreis anzubieten, damit der Umweltschutz nicht am Budget scheitert. In Viechtach wird somit bewiesen: Wenn modernste Recycling-Technik auf das Wissen der alten Römer trifft, wird der Klimaschutz zum handfesten Geschäftsmodell.

Marika Hartl


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