-Adverticle-
Mitterfirmiansreut. Erst war es ein Zufall, der zum Schicksal wurde – und inzwischen ist der Hang nicht mehr und nicht weniger als ein großer Teil seines Lebens. Karl Sippl ist seit 1990 Liftführer am Kißlingerlift, der in mehrfacher Hinsicht eine Sonderrolle im Skizentrum Mitterdorf einnimmt. Von prominenten Namensgebern, von wagemutigen Rennläufern, von (vorerst) geplatzten Träumen…

76 Jahre ist Karl Sippl inzwischen alt. In Vorderfirmiansreut wohnend, hat der frühere Tiefbaufacharbeiter die alpine Entwicklung rund um den Almberg nicht nur am Rande mitbekommen, sondern war von Kindesbeinen an mittendrin statt nur dabei – privat und später auch beruflich. „Solange ich es gesundheitlich noch schaffe, mache ich weiter“, hat Sippl, obwohl inzwischen im Rentenalter, noch lange nicht genug. „Ich gehe immer noch mit großer Freude zum Dienst. Ich mache das sehr gerne!“
Die Piste für fortgeschrittene Skifahrer
Der „Voadadeafla“ zeigt sich stolz darauf, was sich vor seiner Haustüre entwickelt hat. Und es ist ihm alles andere als gleichgültig, dass ausgerechnet er es ist, der an dem nach Karl Kißlinger benannten Lift arbeiten darf. Der 2008 verstorbene Lehrer und einstige Bundestagsabgeordnete war es nämlich, der 1964 das Skizentrum in der Gemeinde Philippsreut zunächst privat gegründet hat, ehe es 1988 vom eigens ins Leben gerufenen Zweckverband übernommen worden ist.

Auf dem Hang in Richtung deutsch-tschechische Grenze hat Karl Sippl in den vergangenen 36 Jahren viele Skifahrer und Skifahrerinnen ihre Schwünge üben sehen. Einige von ihnen kommen immer wieder, kleine Freundschaften haben sich entwickelt. Der 76-Jährige ist das Gesicht der Anlage. Er wird weitum erkannt – und sogar während der wärmeren Jahreszeit auf seine winterliche Tätigkeit angesprochen. Zudem ist er Wegbereiter und -begleiter einiger erfolgreicher Rennläufer.
Denn der Kißlingerlift ist die einzige „schwarze Piste“ am Almberg, sprich: die steilste Abfahrt, die vor allem von fortgeschrittenen Hobbysportlern genutzt wird – und die auch Heimat der ambitionierteren Skiläufer ist. Auf der gut 500 Meter langen Piste finden nämlich regelmäßig Wettbewerbe statt; außerdem ist sie Heimat des WSV Mitterfirmiansreut, der hier regelmäßig seine Trainingseinheiten abhält.
All diese genannten Eigenschaften sorgen dafür, dass „da Kißlinger“, wie die Anlage im Volksmund genannt wird, nicht nur für Karl Sippl besonders ist. Einen Wermutstropfen gibt es aber dann doch: Das 1964 erbaute und 1982 erneute Areal ist nicht an das übrige Skizentrum angebunden. Entsprechende Überlegungen gibt es schon lange, sind aber immer wieder nicht in die Tat umgesetzt worden. Bisher. Karl Sippl hofft darauf, dass auch hier der Zufall irgendwann helfend einspringt. Wie bei ihm – im durch und durch positiven Sinne…
Helmut Weigerstorfer