Prackenbach/Thannhof. Hohe Sprünge, ordentlich Speed und scharfe Kurven – für die Nachwuchstalente des MCC Prackenbach gehört das Risiko zum ultimativen Kick einfach dazu. Die jungen Motocrosser drehen bereits seit ihrer Kindheit am Gasgriff. Heute mischen sie teils in der europäischen Spitze mit – und blicken auf eine beeindruckende Erfolgsbilanz sowie ehrgeizige Ziele für die kommende Zeit.

Die Väter der jungen Motocross-Fahrer sind fester Bestandteil der Szene am Thannhof. Auf der weit über die Grenzen Prackenbachs hinaus bekannten Anlage sieht man sie entweder selbst im Sattel ihrer Husqvarnas und Hondas ihre Runden ziehen – oder als tatkräftige Unterstützer am Streckenrand. Das Miteinander beginnt bereits vor dem Start, wenn die schweren Bikes gemeinschaftlich von den Hängern gehievt werden.
Auf der Strecke trainieren bei Weitem nicht nur Ortsansässige, bestätigt auch Daniel Eidenschink-Geiger, Vorsitzender des Vereins. Jeden Dienstag wird während der Saison von 16 bis 20 Uhr geübt. Am Samstag findet ein offenes Training von 13 bis 18 Uhr statt. Der Saisonstart ist normalerweise für April angesetzt, ein genaues Datum gebe es bislang noch nicht – dies sei abhängig vom Wetter.
Das Risiko ist Teil des Sports
Freudig schieben die Jungcrosser ihre Maschinen in Richtung Strecke und präsentieren sie dort. Ihre Pläne für die Zukunft liegen meist außerhalb Deutschlands, wie sie selbstsicher berichten. Der Adrenalinkick beim Fahren sowie die Aussicht auf den Erfolg sporne sie an. Das Risiko gehört zu diesem Sport einfach dazu, lautet die elterliche Meinung. Solange der Nachwuchs „normal“ fahre, sei es absehbar. Kratzer seien Teil des Sports, Brüche kämen sehr selten vor. (Übrigens: „Elterlich“ bedeutet in diesem Fall „väterlich“, denn: Mütter waren beim Treffen nicht dabei.)
Jakob Oswald (9) aus Viechtach

Mit einer Husqvarna TC 50 gewann der neunjährige Jakob Oswald in der vergangenen Saison, die gleichzeitig seine erste Rennsaison war, sogleich den zweiten Platz in seiner Altersklasse der Südbayernserie – und erreichte gar im Oktober beim Bundesendlauf in Genthin als einziger Südbayer das Finale. Außerdem fährt er im ADAC-Team Südbayern.
Jakobs Vater Stefan Oswald grinst stolz und legt seinem Sohn die Hand auf die Schulter: „Gut gekämpft würd ich sagen!“ Was das junge Talent besonders mag am Motocross-Sport? „Springen, schnell fahren – und wenn man gewinnt“, sagt er etwas schüchtern, aber bestimmt, mit den Händen in den Hosentaschen. Seine Erfolge 2026 wird er auf einer 65er Gasgas feiern.
Josef Meier (10) aus Prackenbach

„Einfach fahren, schnell – und Spaß haben!“, sagt der zehnjährige Josef Meier selbstbewusst lächelnd. Seit er fünf Jahre alt ist, sitzt er auf der Motocross-Maschine, aktuell eine KTM SX 65. Im Sommer ist er mit seinem Vater Florian Meier, seit vielen Jahren zweiter Vorsitzender des Vereins, meist am Thannhof anzutreffen.
Aber auch Downhill gehört zu seinen Hobbies, ebenso wie Ski fahren – Hauptsache ein gewisser Nervenkitzel ist mit dabei. 36 Jahre lang ist Florian Meier selbst aktiv Rennen gefahren – „freilich ist man da stolz, wenn der Sohn die gleichen Interessen teilt!“
Ben (12) und Lion (8) Sturm aus Prackenbach

Als Bruder-Duo machen der zwölfjährige Ben Sturm (KTM SX 85) und sein achtjähriger Bruder Lion (in der neuen Saison Gasgas MC 65) die Motocross-Strecken Europas unsicher. Gemeinsam mit ihrem Vater Stephan Sturm sind sie während der Saison unter anderem in Ungarn und Italien unterwegs, wo sie feste Trainer haben. Stephan Sturm fährt nur noch selten. Er schaut lieber dem Nachwuchs bei seinen Erfolgen zu, wie er selbst sagt. Und da wird er manchmal richtig sentimental, fügt Ben schmunzelnd hinzu und verdreht die Augen: „Der heult heimlich!“ Allgemeines und zustimmendes Lachen geht durch die Runde, von Stephan kommt ein verlegenes „Aber das schreibst nicht, das ist ja peinlich!“ – untermalt von einem verschmitzten Grinsen.
Ben fährt seit er acht ist, Lion schon seit er drei ist, damals noch elektrisch. Ab und zu wird im Sommer Downhill gefahren, ansonsten gibt’s so gut wie nur Motocross für die beiden. In zwei Rennen des Oberösterreich-Cups ging Ben an den Start, auch in der Südbayernserie fuhr er die komplette Saison mit und wurde am Ende zwölfter von 27 Teilnehmern. Nach einem Unfall fiel er wegen einer schweren Knieverletzung für die weitere Saison aus, er wird erst heuer wieder mit von der Partie sein, dann voraussichtlich auch in Tschechien und Österreich. Die kompletten Faschingsferien werden in Italien verbracht. Im Anschluss heißt es: „Zurück aufs Bike – und trainieren“, blickt der Papa voraus. Bens Ziel: „Mal eine Serie in Spanien mitfahren!“
Und auch Bruder Lion weiß bereits genau, was er will: „Ich fahr mal im Supercross in Stuttgart mit!“ Freestyle ist sein Ding. „Mhm, das machst dann, wenn ich nicht mehr zuständig bin“, kommentiert mit einem Kopfschütteln der Vater, der die Risikofreudigkeit seines Sohnes offensichtlich zur Genüge kennt.
Felix Scharrer (8) aus Bogen

Mit einem vierten Platz in der Südbayernserie konnte der achtjährige Felix Scharrer aus Bogen mit seiner KTM SX 50 in der vergangenen Saison glänzen. „Das ist schon echt gut“, lobt Vater Johannes mit vor Stolz leuchtenden Augen. Auch beim Rennen am Thannhof des Oberösterreich-Cups war er mit dabei. „Beim Mofarennen in Schwarzach bin ich sogar erster geworden!“ Seit Felix drei ist, fährt er regelmäßig Motocross, genau wie sein Vater. Zum Training geht’s für die beiden nach Tschechien, Ungarn und Italien. Zum MCC Prackenbach seien sie durch die gute Jugendarbeit gekommen, wo Gemeinschafts- und Zusammengehörigkeitsgefühl großgeschrieben würden.
Für die kommende Saison liegen die Ziele von Felix hoch: „Ich möchte unter die ersten Drei in der Südbayernserie kommen!“ Außerdem seien die Sandstrecken in Spanien sein Traum für die Zukunft. Auf die Frage hin, was den Sport für ihn ausmache, antwortet er: „Ich trete gern gegen andere an – und kämpfe!“ – „Genau wie der Papa“, kommt aus den Reihen der Gleichgesinnten, begleitet von Gelächter. „Bei dem fliegt das Moped schon, aber auslassen tut der nicht!“ Johannes Scharrer schmunzelt und meint: „Ja mei… aber das ist schon ein unglaubliches Gefühl, auch einfach nur zuzuschauen und zu sehen, wie der Sohn so tolle Erfolge feiert!“
Lisa Brem







