Haidmühle. Die geplante Sanierung der maroden Kläranlage in Haidmühle belastet die Bürger mit geschätzten Sonderzahlungen von durchschnittlich 15.000 Euro pro Haushalt (da Hog’n berichtete jüngst). Angesichts fehlender Partnerkommunen und bereits rekordverdächtiger Abwassergebühren regt sich in der kleinen Grenzgemeinde Widerstand gegen die drohende finanzielle Überforderung der Hauseigentümer. Dazu ein Kommentar von Hog’n-Redakteurin Sabine Simon.

Es hat durchaus Gründe, warum ein Funk-Format den Ausdruck „am Arsch der Welt“ gewählt hat, um die Lebenssituation in der Gemeinde Haidmühle zu beschreiben. Die Haidmühler haben sich davon zuerst angegriffen gefühlt, haben dann aber verstanden: Es ist ein Privileg, mitten in der Natur, fernab der Großstadt leben zu dürfen.
Jetzt müssen sie verstehen: Es hat auch seinen Preis. Er schlägt sich nicht in hohen Mieten oder hohen Kaufpreisen für Grundstücke und Häuser nieder. Wer aber eine günstige Immobilie inmitten idyllischer Natur besitzt, muss nun in den sauren Apfel beißen und für das weitläufige Kanalsystem und eine Kläranlage, die sich sehr wenige Menschen teilen, weit mehr ausgeben als etwa ein Bewohner von Freyung-Grafenaus größtem Ort Waldkirchen.
Wie also das Problem lösen?
Bisher hatten die Haidmühler Glück. In den 1970er-Jahren war der Bau der jetzigen Anlage zu einhundert Prozent gefördert. Auch danach mussten sie nie größere Summen für Kläranlage oder Abwassersystem bezahlen. Viele würden weiterhin lieber nur das Nötigste reparieren, einen Neubau aufschieben. Wer aber an bzw. in die Zukunft denkt, weiß: Wer jetzt ordentlich modernisiert, hat danach wieder einige Jahrzehnte Ruhe.
Eine funktionierende Kläranlage gehört zur Grundversorgung einer Gemeinde. Die Kosten dafür mögen im Vergleich zu anderen Kommunen hoch erscheinen. Die Haidmühler und Haidmühlerinnen sollten die Summe aber lieber mit anderen Dingen vergleichen: Auch im Grenzort leben Menschen, die sich Autos für weit mehr als 50.000 Euro oder hochmoderne Kücheneinrichtungen leisten können, die ihren Garten oder die Hausfassade für ähnliche Summen aufhübschen, die sie bald auch für die Kläranlage zahlen müssen. Sarkastisch kann man anmerken: Ist eine funktionierende Klospülung weniger wert als ein optisch schöner Garten oder der BMW, Mercedes, VW etc. in der Garage?
Dass es extrem schwierig wird, die Kosten möglichst fair auf die Einwohner zu verteilen – und dass es sehr viele sehr hart treffen wird, ist klar. Wie also das Problem lösen? Miteinander reden ist das Allerwichtigste. Klar kommunizieren, warum welche Entscheidungen getroffen werden. Das macht Bürgermeister Roland Schraml bereits gut, kann dies aber weiter verbessern. „Wir werden es nicht so weit kommen lassen, dass jemand sein Haus verkaufen muss“, verspricht er. Es bleibt zu hoffen, dass alle an einem Strang ziehen und den Rathaus-Chef unterstützen, damit er dieses Versprechen auch einhalten kann…
Kommentar: Sabine Simon









Hallo, diesem wirklich schrägen Kommentar kann ich sogar noch was Gutes ableiten:
setzt man als Kläranlagen- Sonderzahlung den Wert des eigenen Fuhrparks ein, so ist das in der Fläche immer noch fairer als der jetzige Verteilschlüssel! Probierts es und seids ehrlich: ES STIMMT, HAHA
Der Martl
und wo ist da der Zusammenhalt wenn hier einige Bürger über ihre Belastungsgrenze bezahlen sollen und Kritik mit einem Schulterzucken abgebügelt wird? nicht jeder ist so vermögend dass er das aus der Portokasse bezahlen kann. man sollte in der Gemeinde erst mal für die Misswirtschaft der letzten Jahre gerade stehen ohne die Burger da mit reinzuziehen. die haben es nicht verbockt. und großzügige Projekte kann ich planen wenn die Mittel dazu da sind.
Die Gemeinde MUSS die Kosten für die Kläranlage (und auch Kanalarbeiten) auf die Bürger umlegen. Das ist hierzulande Gesetz.
„Ist die örtliche Kläranlage marode, zahlen nicht die Gemeinden – sondern die Bürger. So ist es in Bayern Vorschrift.“ –> siehe https://www.br.de/nachrichten/bayern/kostenfalle-klaeranlage-was-auf-buerger-zukommen-kann,UsRJBpy