Viechtach. Wenn Wahlplakate brennen, geht es meist um mehr als nur um ein paar Euro Sachschaden. Es geht um das Klima in einer Stadt, in der – wie vielerorts in Bayern – bald die Weichen für die kommunalpolitische Zukunft gestellt werden sollen. In Viechtach scheint dieses Klima derzeit empfindlich gestört: Innerhalb weniger Tage kam es im Stadtgebiet zu mehreren Brandanschlägen auf Wahlwerbung.

In der Dr.-Winterling-Straße sind am vergangenen Wochenende „sämtliche Wahlplakate der CSU mutwillig beschädigt und vollständig abgebrannt“ worden, wie einer Pressemitteilung der Viechtacher Christsozialen zu entnehmen ist. Laut Polizeibericht ereignete sich der Vorfall im Zeitraum zwischen Samstagmittag (7. Februar) und Sonntagvormittag (8. Februar).
Dabei wurden zwei Doppelplakate, auf denen CSU-Bürgermeisterkandidat Franz Wittmann zu sehen war, vollständig abgebrannt. Der Vandalismus beschränkte sich jedoch nicht nur auf die Plakate: Die unbekannten Täter warfen zudem zwei Stromverteilerkästen um.
CSU setzt auf Dialog statt Konfrontation

Die Polizeiinspektion Viechtach schätzt den entstandenen Gesamtsachschaden auf einen Betrag im unteren vierstelligen Bereich. Da die Plakate an Straßenlaternen befestigt waren, muss nun geprüft werden, ob durch das Feuer auch die städtische Infrastruktur in Mitleidenschaft gezogen wurde.
Agnes Brücklmayer, Vorsitzende des CSU-Ortsverbands, hat nach Bekanntwerden des Vorfalls Anzeige erstattet. Der Ortsverband verurteilt diesen Vorfall aufs Schärfste und sieht darin nicht nur eine erhebliche Sachbeschädigung, sondern auch einen Angriff auf den demokratischen Wettbewerb der politischen Meinungen. „Wer politische Inhalte ablehnt, sollte sich mit ihnen argumentativ auseinandersetzen und nicht zu Zerstörung greifen“, ist sie überzeugt – und ergänzt: „Solche Taten tragen nichts zur politischen Debatte bei, sondern vergiften das gesellschaftliche Klima. Demokratie lebt vom Austausch, nicht von Einschüchterung.“
Auch Franz Wittmann plädiert für einen sachlichen Umgang: „Wir bieten im Wahlkampf zahlreiche Möglichkeiten zum Dialog an – ob am Infostand oder bei Veranstaltungen. Kritik ist ein wichtiger Teil der Demokratie – Vandalismus hingegen nicht. Wer etwas verändern will, sollte den Weg über Argumente und Beteiligung wählen.“
Zweiter Vorfall innerhalb weniger Tage
Politische Auseinandersetzung lebe der Viechtacher CSU zufolge vom offenen Diskurs, vom Widerspruch und von engagierten Diskussionen. Gewalt, Brandstiftung und Sachbeschädigung seien hingegen kein Mittel der Meinungsäußerung – und schade letztlich der demokratischen Kultur insgesamt.

Wie Agnes Brücklmayer auf Hog’n-Nachfrage weiter mitteilt, könne nach Rücksprache mit der Polizei der Brandschaden an den Plakaten auf rund 50 Euro beziffert werden. Wie hoch ein etwaiger Schaden an den Straßenlaternen ausfalle, könne zum aktuellen Zeitpunkt nicht näher benannt werden. „Von einer Erneuerung der Plakate in diesem Bereich sehen wir vorerst ab – bis geklärt ist, ob an den entsprechenden Laternenmasten Reparaturarbeiten vorgenommen werden müssen“, informiert die Ortsvorsitzende.
Fakt ist: Es war nicht die erste Zerstörungstat dieser Art in der jüngeren Vergangenheit: Bereits zwischen dem 1. und 4. Februar wurde ein Großflächenplakat der Grünen in der Nähe des Bahnhofsplatzes beschädigt (wir berichteten). Auch hier wurde versucht, das Plakat anzuzünden, wobei dies offenbar misslang. Im unteren Bereich des Plakats entstanden lediglich Brandspuren.
In beiden Fällen bittet die Polizeiinspektion Viechtach um Mithilfe aus der Bevölkerung. Zeugen, die Verdächtiges beobachtet haben, können sich unter der Telefonnummer 09942/9404-0 melden.
Stephan Hörhammer






