Haidmühle. 7,5 Millionen Euro – diese Zahl schwebt wie ein Damoklesschwert über der Gemeinde Haidmühle. Die erste Kostenschätzung für die Ertüchtigung der Kläranlage hat viele Bewohner des Grenzortes entsetzt. Bürgermeister Roland Schraml wollte frühzeitig ganz offen kommunizieren: Da kommt auf die 621 Hausbesitzer, die an die Kläranlage angeschlossen sind, in wenigen Jahren eine riesige Summe zu. Wenn alles planmäßig läuft, soll der Bau 2029 abgeschlossen sein.

Rückblick: Im Oktober 2025 informiert der Rathaus-Chef bei der Bürgerversammlung im vollbesetzten Saal des Haidmühler Dorfwirtshauses. Ein Vertreter des Planungsbüros ist mit ihm gekommen. Der Planungsingenieur präsentiert, was viele längst wissen: Die Kläranlage, Baujahr 1975, befindet sich in einem desolaten Zustand.
Nachdem er die wichtigsten Eckpunkte erklärt hat, was geplant und gebaut werden muss, ist es an Schraml selbst, den Bürgern die schlechte Nachricht von den immens hohen Kosten für jeden Einzelnen zu überbringen. Das sorgt für Gemurmel, Stühlerücken – und kurz darauf für durchaus hitzige Wortmeldungen. Der Bürgermeister wollte rechtzeitig aufrütteln, das Worst-Case-Szenario buchstäblich schwarz auf weiß an die Wand werfen.
Empörung statt Verständnis
Gerechnet hat Schraml beispielshaft mit Werten, die sich ergeben, wenn man die Gesamtkosten rein nach dem Mittelwert auf die angeschlossenen Häuser und die zugehörigen Grundstücke aufteilt: 16 Euro pro Quadratmeter Geschossfläche wären dann fällig, fünf Euro pro Quadratmeter Grundstücksfläche. Wichtig dabei: Die Zahlen sind noch längst nicht Fakt. Es sind nur erste grobe Werte – am Ende entscheidet der Gemeinderat, wie die Umlage genau berechnet wird. Konkrete Überlegungen kann dieser aber erst dann aufstellen, wenn die Vorplanung für die neue Kläranlage abgeschlossen ist.

Im Herbst dieses Jahres soll es so weit sein. Die Gemeinderäte könnten dann beschließen, Grundstücksflächen weniger hoch einzurechnen. Oder einen Teil der Kosten auf die Abwassergebühren draufzuschlagen – wobei die Abwassergebühren bereits jetzt sehr hoch sind. Wer vorerst aber mit den „Worst-Case-Zahlen“ rechnet, die Bürgermeister Schraml bei der Bürgerversammlung verwendet hat, kommt auf eine Belastung von 15.000 Euro pro Hausbesitzer. Im Schnitt. Mindestens. Schraml hat diese Zahl bewusst genannt. Damit die Leute vorbereitet sind, bereits jetzt Rücklagen bilden können – also noch bevor der Bau beginnt. Was er damit aber bei vielen ausgelöst hat, ist Empörung.
Warum sollen die Haidmühler Bürger so viel für die Kläranlagensanierung bezahlen? Wenn umliegende Gemeinden viel weniger von den Hauseigentümer einkassieren? Zum Vergleich: In Waldkirchen mussten diese nur 2,07 Euro pro Quadratmeter Geschossfläche und nur 15 Cent pro Quadratmeter Grundstücksfläche berappen.
Ebenso ungleich sieht es in Sachen Abwasserkosten aus: Diese wurden in der Gemeinde Haidmühle vor Kurzem auf ein Rekord-Niveau erhöht. In den vergangenen Jahren war beim Abwasser ein Defizit von 320.000 Euro entstanden. Dieses Defizit muss durch eine Erhöhung der Abwassergebühren nun abgebaut werden, weil die Gemeinde dazu verpflichtet ist, hier kostendeckend zu wirtschaften. Und weil in Haidmühle nur 1.400 Menschen leben und nur 621 Haushalte an die Abwasserkanäle angeschlossen sind, zahlen diese wenigen nun satte 5,32 Euro für den Kubikmeter Abwasser. Im 11.000 Einwohner großen Waldkirchen zahlt man im Vergleich dazu nur 2,20 Euro.
Ein Bürgerbegehren wie in Eppenschlag?
Bei der Kläranlage ist die Situation ebenfalls ernst: Seit sechs Jahren zahlt Haidmühle jährliche Strafgebühren, da die Betriebserlaubnis für die Anlage erloschen ist. Die Gemeinde muss – wie bei den Abwassergebühren – hier dringend handeln. Über Jahrzehnte hinweg gab es keine größeren Sanierungsmaßnahmen. Nun soll die Anlage endlich umfassend ertüchtigt werden. Keine notdürftige Reparatur, keine kurzfristige Billiglösung soll her, sondern eine dauerhafte Entlastung, um in den kommenden 50 Jahren sauberes Wasser in die Kalte Moldau leiten zu können.

Trotz dieser Fakten stellen sich einige Haidmühler die Frage: Wie soll man die hohe Umlage für die Sanierung der Kläranlage stemmen? Bürgermeister Roland Schraml weiß, dass in seiner Gemeinde viele ältere Menschen leben: Rentnerinnen und Rentner, die große Häuser bewohnen und große Grundstücke haben. Er weiß, dass es Härtefälle gibt, die nicht auf Rücklagen zurückgreifen können.
Einige Bürger haben daher mit Interesse die Entwicklungen in einem anderen kleinen Ort im Landkreis verfolgt: In Eppenschlag hat sich ein Verein gegründet, der einen Bürgerentscheid gegen die dortigen Planungen zur Kläranlage erreichen will. Sollten sich nicht auch in Haidmühle die Bürger zusammenschließen und sich gegen diese immensen Kosten wehren? Ein Bürgerbegehren starten?
Mit Eppenschlag sind die Umstände in Haidmühle allerdings kaum zu vergleichen. Eppenschlag teilt sich eine Kläranlage mit dem benachbarten Kirchdorf im Wald. In Haidmühle dagegen gibt es keine Nachbargemeinde, mit der man sich eine Anlage teilen könnte. Während in Kirchdorf ein großer Getränkehersteller sitzt und gemeinsam mit mehr als 5.000 Einwohnern zur Kasse gebeten werden kann, gibt es in der Gemeinde Haidmühle nur kleinere Betriebe, die größere Investitionssummen kaum stemmen können.
Und Während die Eppenschlager die bereits abgeschlossenen Planungen für überdimensioniert halten, plant man im Grenzort, die Kläranlage zu verkleinern: Sie soll auf 2.300 Einwohner ausgelegt werden, statt wie bisher auf 4.000 – was allerdings die Baukosten nicht im gleichen Maße verringert. Die Anlage in Haidmühle ist zudem elf Jahre älter als ihr Pendant in Kirchdorf, sprich: Das meiste muss komplett neu gebaut werden.
Petition ohne großes Echo
Von einem Bürgerbegehren ist daher nicht mehr die Rede. Das würde alles nur noch weiter verzögern. Und würden überhaupt genügend Menschen ein Bürgerbegehren unterstützen? Gegen die hohen Abwassergebühren, die auch in den Sozialen Medien für Diskussionen sorgten, hatte eine Bürgerin im Dezember eine Petition gestartet. Im Internet haben bis dato lediglich 71 Personen die Petition unterstützt, einige davon stammen nicht aus der Gemeinde.
Bürgermeister Schraml betont, dass er sich bewusst ist, was auf die Bürgerschaft zukommt – und er alles daran setzt, Möglichkeiten zu finden, die Kosten zu senken. Oder Fördergelder aufzutun. Bisher sind diese aber nicht in Sicht.
Sabine Simon
–> Dazu ein Kommentar von Hog’n-Redakteurin Sabine Simon (einfach klicken)








