Werbung

Zwiesel. „Ist das alles Fake?“ So lautet wohl die häufigste Frage, die der Zwieseler Patrick Schiller zu hören bekommt, wenn es um seinen Sport „Wrestling“ geht. „Es ist Entertainment, gepaart mit Hochleistungssport“, ist seine Antwort darauf. „Ich habe ein ungewöhnlich großes Interesse an Okkultem und Horrorfilmen. Schon als Kind liebte ich Horrorfilme, bin mit Freddy Krüger aufgewachsen. Daher auch schon immer mein Faible für die dunklen Figuren im Wrestling, wie dem Undertaker.“

Patrick Schiller alias „Oktober Kills“ in seinem Reich, dem Wrestling-Ring. Fotos. Marika Hartl

Patrick Schiller ist im normalen Leben Lackierermeister. Steigt er in den Ring, trägt er den Künstlernamen „Oktober Kills“ – und mutiert zu einer anderen Person. Der 34-Jährige erklärt dazu: „Kills ist der Zuname, der die dunkle Seite beschreibt.“ Der Waidler trainiert im Rahmen der NEW (New European Championship Wrestling) in Nürnberg an der von Alex Wright 2007 gegründeten „The Wright Stuff – Pro Wrestling School“. Wright arbeitete viele Jahre in Amerika als erster deutscher Wrestler. „Sein Vater Steve Wright ist in Japan das, was Hulk Hogan in Amerika ist“, weißt der Zwieseler zu berichten.

Werbung

Bereits ganz früh wrestelte Schiller mit seinen Stofftieren und auf dem Spielplatz, beherrschte schnell den Rückwärtssalto. „Was Fußball für andere ist, ist für mich Wrestling. Vor etwa sechs Jahren habe ich einen Gutschein für ein Wrestling-Wochenende für ein Einsteiger-Seminar an der Pro Wrestling School bekommen. Wright zu treffen, war für mich ein Traum. Er war mein Held. Er sagte zu mir: ‚Du hast richtig Talent!‘ – und fragte mich, ob ich ins Training kommen möchte.“

Werbung

45 Minuten Warm-Up mit 500 Liegestützen

Schiller weiter: „Ich überlegte etwa eine Woche, denn es sind zweieinhalb Stunden Fahrt zwischen Zwiesel und Nürnberg. Aber ich wollte es unbedingt und sagte schließlich zu.“ Seitdem fährt der von Montag bis Donnerstag in Zwiesel und von Donnerstag bis Sonntag in Regensburg lebende Waidler jeden Samstag und Sonntag nach Nürnberg zum Training.

45 Minuten Warm-Up mit 500 Liegestützen, Crunches, Kniebeugen, Kniehebelauf, Koordinations-, Fallschule uvm. leiten die Übungseinheit ein. Die Wrestler lernen dabei die Basics in Sachen Chain-Wrestling, Powerbomb, Suplex etc. und trainieren im athletischen Bereich Sprünge und Rückwärtssaltos. Sein „Signature Move“ ist bei jedem Finish ein „Spinning Back Heel Kick“ oder der „Curb Stomb„. Diese Choreografien sind ihm vom Kickbox- und Muay-Thai-Training mit Jakub Cerny beim KSC Zwiesel noch vertraut.

Patrick Schiller in Aktion:

 

Schillers Charakter im Wrestler „Oktober Kills“ spiegelt einen besessenen, schizophrenen Bad Boy wider, bei dem mal das Gute, mal das Böse rauskommt – und der aggressiv im Ring den bösen Kerl spielt. „Es macht Spaß ‚Heel‘ zu sein. Hier kannst du provozieren und das Publikum gegen dich aufbringen. Ich trainiere aber auch, um der gute ‚Babyface‘ sein zu können.“

Denn ein guter Wrestler soll beides draufhaben – und je nachdem, was der Promoter will, variieren können. „Wie du dich mit den Fans connectest, ist von der Storyline abhängig. Man muss im Charakter bleiben, sobald man durch den Vorhang geht. Privat mag ich es, wenn mir meine Frau Lisa die Entscheidungen abnimmt und ich keine Verantwortung zu übernehmen habe, wie ich es in meiner Lackiererei als Chef tun muss“, gesteht er augenzwinkernd.

„… denn manches bleibt geheim“

Harte Schale, weicher Kern: Im Privatleben ist der 34-Jährige selbstständiger Lackierermeister.

Die Wrestling-Shows in Deutschland vor 500 bis 1.500 Leuten sind schnell ausgebucht. „NEW-Wrestling ist für mich die größte Liga in Deutschland. Der Hype wird hierzulande immer größer. Es ist ein Leistungssport. Wer Wrestler werden will, dem kann ich Nürnberg sehr empfehlen. Hier arbeitet man mit Profis. Wir werden geschult im Umgang mit den Medien, Promos und im Backstage-Verhalten. Respekt ist alles in diesem Sport, auch gegenüber dem Partner, mit dem du zusammenarbeitest. Zu ihm brauchst du Vertrauen. Alles darf ich aber nicht sagen, denn manches bleibt geheim“, sagt er mit einem Grinsen.

Beim ersten Training nach der Sommerpause verletzte sich Schiller im Training ohne Gegnereinwirkung. „Ich habe meinen Partner in die Seile geschickt, bin hochgesprungen, habe in der Luft einen Spagat gemacht. Der Gegner rannte unter meinen Beinen hindurch, doch beim Landen habe ich mir das Innenband gerissen, den Meniskus und das vordere Kreuzband“, erinnert er sich. Im Oktober wurde der Zwieseler operiert. Rund neun Monate war er nun nicht mehr im Training in Nürnberg, sondern hat versucht, sich in seinem Gym in der Glasstadt fit zu halten. Zudem ist er zweimal pro Woche beim Kickboxen und Muay Thai, sofern das Bein mitmacht. „Den Wrestling-Sport kann man lange ausüben: Der Undertaker hat bis 55 gearbeitet, Hulk Hogan bis Mitte 60″, informiert Schiller.

„Je lauter die Pfiffe, desto besser“

Spektakuläre Motive gehören beim Wrestling nicht nur dazu, sie sind ausdrücklich erwünscht.

Witzig in Erinnerung geblieben ist ihm, als er einmal gegen Kade Brasher kämpfte, die ihm eine Ohrfeige verpasste. „Dieses Video ging viral. Sie kämpft mittlerweile u.a. in Berlin und ist eine der Top-Wrestlerinnen in Deutschland.“ Die Nürnberger Schule hat bereits so einige Wrestler hervorgebracht, die davon leben können und es sogar in die US-amerikanische Wrestling-Feradtion „World Wrestling Entertainment“ (WWE) geschafft haben.

„Es ist ein brutal intensiver Sport. Du lernst, was du vor der Kamera oder im Ring sagst, um die Leute mitzunehmen. Das Schlimmste ist, wenn du keine Reaktion erntest. Denn: Je lauter die Pfiffe oder je mehr Mittelfinger auf dich zeigen, desto besser. Dann hast du als Heel alles richtig gemacht.“

Sein professioneller Charakter wurde von der Amerikanerin Celeste Bonin (Wrestlername „Kaitlyn“/ WWE Diva Champion) mit erstellt. Sie arbeiteten auf „Mentoring Basis“ mit Video-Calls zwischen Zwiesel und Texas zusammen. „Ich wollte mir weitere Einflüsse holen, um mich zu optimieren.“ Ein großer Aufwand, der deutlich macht: Wrestling – kein Fake, sondern ein Leistungssport mit Showelementen…

Marika Hartl

Werbung

Dir hat dieser Artikel gefallen und du möchtest gerne Deine Wertschätzung für unsere journalistische Arbeit in Form einer kleinen Spende ausdrücken? Du möchtest generell unser journalistisches Schaffen sowie die journalistische Unabhängigkeit und Vielfalt unterstützen? Dann dürft ihr das gerne hier machen (einfach auf den Paypal-Button klicken).


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert