Regen. Fernsehen gibt es in Deutschland seit dem 22. März 1935 mit dem ersten regelmäßigen Programm der Welt (Sender Paul Nipkow). Aber der breite Durchbruch erfolgte erst nach dem Krieg. In der BRD startete der Alltagsbetrieb am 25. Dezember 1952, wobei das ARD-Programm 1954 und der DFF 1956 begannen, bevor das Farbfernsehen 1967 eingeführt wurde.

Erst die Live-Übertragung der Krönung der englischen Queen 1953 und der Fußballweltmeisterschaft 1954 machten das Fernsehen in Deutschland zum Massenmedium. Ungefähr da dürfte auch in Regen das erste Gerät aufgetaucht sein. Aber nur „Geldige“ konnten sich damals ein Seriengerät leisten. Es kostete immerhin zirka 1.200 DM. Für normale Bürger waren das vier Monatslöhne.
Fernsehen war zunächst eine gesellige Sache. Findige Wirte wie der „Lang Sepp“ in der Bodenmaiser Straße luden ein zum gemeinsamen Fernsehen, zum „Public Viewing“ würde man heute sagen. Es gab in den Wirtshäusern bereits „Bezahlfernsehen“. Heißt: Nur wenn das Gerät mit einen bestimmten Geldbetrag gefüttert wurde, lief es eine Zeit lang. Auch in den Privathäusern traf man sich gerne bei denjenigen, die sich ein Gerät leisten konnten. Wenn beliebte Sendungen wie der „Komödienstadel“ liefen, waren garantiert alle Sitzgelegenheiten von Freunden und Nachbarn besetzt.
Führen Fernsehblähungen zur Ohnmacht?

Kaum standen die ersten Flimmerkisten in den Wohnzimmern, wurde auch schon gewarnt vor Leiden, die falscher Fernsehkonsum verursachen könnte: Ein Fernsehhals (Schmerzen und Versteifung im Bereich der oberen Wirbelsäule) wurde angedroht, wenn man von einem ungeeigneten Stuhl aus fernsieht. Das unbewegliche Sitzen in schlechter Haltung kann zur Bildung von Blutgerinnseln in den Adern führen und eine Fernsehthrombose verursachen. Durch das Flackern des Bildschirmes könnten bei epileptisch Veranlagten Nervenzuckungen auftreten.
Und durch Fernsehblähungen (!) drohen Zuschauer ohnmächtig zu werden, die vor einer interessanten Sendung eine ungeeignete Mahlzeit zu sich genommen haben. Fernsehkollaps sei verhältnismäßig selten, aber aufwühlende Programme könnten Herzanfälle auslösen. Dringend empfohlen wurde stündlich einmal im Zimmer herum zu gehen und bequeme Kleidung zu tragen.
Nebeneffekte brachte das Unterhaltungsgerät auch mit sich: Tante Ilse, eine pensionierte, alleinstehende Sekretärin setzte sich nur schick angezogen und mit Lippenstift vor ihr Gerät. Und so mancher Ehemann war eifersüchtig auf den eleganten Nachrichtensprecher, den seine Frau täglich anhimmelte.
Vielleicht finden wir ja gemeinsam heraus, wann und wo in Regen das erste Fernsehgerät zu bewundern war und welche Sendungen geschaut wurden? Wer von der vorletzten Generation (Bj. 1940-1950) kann über seine persönliche „Fernsehgeschichte“ was erzählen? Antworten gerne per Mail an info@hogn.de.
Hog’n-Gastautorin Annemarie Schiller










