Hohenau. Schon seit Jahren gibt es in der Gemeinde Hohenau Diskussionen darüber, ob am südlichen Dorfrand ein neuer EDEKA-Markt gebaut werden soll. Am Sonntag, 1. Februar 2026, findet deshalb ein Bürgerentscheid statt, bei dem die Hohenauer nun darüber abstimmen dürfen, ob sie einen weiteren Supermarkt im Ort wollen oder nicht. Da Hog’n hat sich mit Alois Haydn, Gemeinderatsmitglied und Initiator des Bürgerbegehrens gegen den neuen Supermarkt, unterhalten und mit ihm über mögliche Vor- und Nachteile des Projekts gesprochen.

„Die kleinen Geschäfte vor Ort würden dabei draufgehen – und das möchte ich nicht“, erklärt Alois Haydn und blickt zur Wiese, auf der der neue EDEKA entstehen soll. Er sitzt seit mehr als 30 Jahren im Gemeinderat von Hohenau (fraktionslos) und hat im Oktober 2025 das Bürgerbegehren initiiert, das sich seither gegen den Bau des neuen Supermarktes stellt.
Gründe dagegen gibt es in seinen Augen viele. Ganz besonders Sorgen macht er sich aber um die Zukunft des Ortskerns: „Wir haben schon eine Bäckerei, eine Metzgerei und ein kleines Café. Die wären alle durch den neuen Markt bedroht, weil auch dort eine Bäckerei und eine Metzgerei unterkommen würden.“
Knapp 420 Unterschriften für die Initiative

Der neue Vollsortimenter würde Haydn zufolge vor allem aber in direkter Konkurrenz zum bereits vorhandenen EDEKA im Dorfkern stehen, der von Familie Manzenberger betrieben wird. Diese hätte zwar die Möglichkeit zur Übernahme gehabt, konnte sie aber letztlich nicht realisieren, da ihnen dies „eine Nummer zu groß gewesen“ sei, wie Haydn dem Hog’n erklärt. Dass das Thema viele Hohenauer bewegt, zeigt sich auch daran, wie viele Unterschriften er für seine Bürgerinitiative sammeln konnte: Die notwendigen 276 habe er mit knapp 420 deutlich übertroffen, erzählt er.
Auf der anderen Seite des Bürgerentscheids steht der Gemeinderat von Hohenau. Dieser hat in einer Sitzung am 19. September 2024 die Ansiedlung des neuen EDEKA-Marktes beschlossen. Auf telefonische Nachfrage wollte sich Hohenaus Bürgermeister Josef Gais (CSU) nicht zum bevorstehenden Bürgerentscheid äußern. Er wolle stattdessen neutral bleiben und die Ergebnisse des Entscheids abwarten.
Der Ortsverband seiner Partei spricht in den Sozialen Medien hingegen eine andere Sprache: Dort versuchen die hiesige CSU sowie die JU-Ortsverbände Hohenau und Schönbrunn auf ihrer offiziellen Facebook-Seite die möglichen Vorteile für die Gemeinde aufzuzeigen, die der Bau eines neuen Supermarkts ihrer Ansicht nach mit sich bringen würde. Unter anderem ist die Rede von 35 bis 40 neuen Arbeitsplätzen in der Gemeinde, von steigenden Gewerbesteuereinnahmen, einem barrierefreien Zugang zum Gebäude sowie einer stärkere Position Hohenaus in der zukünftigen Regionalplanung. Hervorgehoben werden auch der verkehrsgünstige Standort direkt neben der Bundesstraße 533 sowie die lokale Versorgungssicherheit beim Thema Einkaufen.
Haydn hält dagegen

Haydn wiederum betrachtet viele dieser Argumente kritisch. So findet er zum Beispiel die Idee, neue Arbeitsplätze zu schaffen, an sich zwar löblich, gibt aber auch zu bedenken, dass es in der direkten Umgebung von Hohenau kaum Nachfrage nach zusätzlichen Arbeitsplätzen im Einzelhandel gäbe. Bisher hätten sich ihm zufolge in einem Umkreis von 25 Kilometern nur vier Bewerber für die 40 offenen Stellen gemeldet (Stand: Dezember 2025). Dementsprechend müsse das Personal dann aus anderen lokalen Geschäften abgeworben werden, was zu einer noch früheren Aufgabe der Läden im Ortskern führen würde, wie Haydn vermutet.
Auch an höhere Einnahmen für Hohenau aus der Gewerbesteuer glaubt er nicht: „Wenn aufgrund des neuen Marktes andere Geschäfte im Ort schließen müssen, bleibt die Gewerbesteuer für die Gemeinde langfristig unterm Strich gleich.“ Haydn erklärt außerdem, dass die aktuelle Eigentümerin des sog. Kollerhauses im Ortskern, in dem auch der schon vorhandene EDEKA untergebracht ist, das Gebäude gerne modernisieren und umbauen möchte – sogar mit barrierefreiem Eingang, ganz ähnlich wie im Falle des möglichen neuen EDEKAs am Ortsrand.
Das Argument des „optimalen Standorts direkt neben der Bundesstraße“ konterkariert Haydn mit einem größeren Verkehrsaufkommen, einer erhöhten Lärmbelästigung und einer gesteigerten Unfallgefahr an der seiner Meinung nach ohnehin recht gefährlichen Kreuzung mit der B533.
Vorsicht beim Kreuzerl-Setzen!
Bei der Abstimmung am 1. Februar können die Hohenauer nun selbst entscheiden, welche Argumentationsweise sie für die richtige halten. Die Teilnahme am Bürgerentscheid ist sowohl im Voraus per Briefwahl als auch vor Ort in zwei Wahllokalen in den Gemeindeteilen Hohenau und Schönbrunn von 8 bis 18 Uhr möglich.

Besonders wichtig zu beachten ist dabei die Formulierung der Abstimmungsfrage, wie Haydn erklärt. Da der Bürgerentscheid über die Aufhebung des Gemeinderatsbeschlusses abgehalten wird, bedeutet eine Stimme mit „Nein“ Zustimmung zur Ansiedlung des neuen EDEKAs, eine Stimme mit „Ja“ hingegen Ablehnung. Die konkrete Formulierung der Abstimmungsfrage wird dementsprechend lauten: „Sind Sie für die Aufhebung des Gemeinderatsbeschlusses vom 19.09.2024 zur Ansiedlung eines neuen EDEKA-Marktes?“
Haydn informiert abschließend, dass er auf eine hohe Wahlbeteiligung hofft – und dass viele Hohenauer bereits per Briefwahl abgestimmt hätten. Wie der Bürgerentscheid schlussendlich ausgehen wird, könne man seiner Einschätzung nach aber trotzdem nur schwer vorhersagen: „Das wird wahrscheinlich eng, doch beide Seiten werden sich mit dem Ausgang abfinden – egal, wie’s ausgeht. Das Ziel muss sein, dass man sich auch nachher noch unterhalten und sich in die Augen schauen kann.“
Florian Fink
Update vom 2. Februar 2025: Die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Hohenau haben abgestimmt – und sich mit klarer Mehrheit für den Bau eines neuen EDEKA-Marktes am Ortsrand in unmittelbarer Nähe zur B533 entschieden. 1.563 stimmten (74,3 Prozent) beim Bürgerentscheid am Sonntag, 1. Februar 2026, für das Projekt, 541 (25,7 Prozent) dagegen. (insges. 2104 gültige Stimmen und sechs ungültige).
da Hog’n










