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Deggendorf. Das Thema Kinder- und Altersarmut in Deutschland ist mittlerweile kein Unbekanntes mehr. Wie definiert unsere Regierung eigentlich „arm“? Die Armutsgrenze liegt derzeit bei 563 Euro. Bleibt unterm Strich weniger als das, springt der Staat mit der Grundsicherung ein und zahlt die Differenz zu diesem Betrag. Knapp 20 Prozent der deutschen Rentner sind von Altersarmut betroffen, davon etwa 70 Prozent Frauen. Eine beschämende Statistik für eines der reichsten Länder der Welt.

Gemeinsam gegen Altersarmut: Das Team in Deggendorf kümmert sich um die verschiedenen Anliegen von Seniorinnen und Senioren. Fotos: Lichtblick Seniorenhilfe e.V.

Zu Besuch bei Angelika Färber und Birgit Gegenfurtner von der Lichtblick Seniorenhilfe e. V. Niederbayern mit Sitz in Deggendorf. Der Verein ist zudem noch in München, Münster und Berlin vertreten. „Das Schönste an unserer Arbeit ist das großartige Team, in dem wir planen und arbeiten. Diese Zusammenarbeit bereichert uns alle, und da wir aus den unterschiedlichsten Berufssparten kommen, sind wir mit unserem Erfahrungsschatz breit aufgestellt. Die täglichen Begegnungen mit unseren Senioren und die Direkthilfe, die wir leisten können, machen unseren Beruf schon einzigartig“, sagt Angelika Färber, die das Deggendorfer Büro 2019 mit aufbaute.

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Neben den Festangestellten helfen 30 Ehrenamtliche mit, um die rund 1.500 Senioren in Niederbayern bestmöglich zu betreuen. „Unser Büro ist von Montag bis Donnerstag geöffnet, und die Senioren dürfen jederzeit auf einen Ratsch oder Kaffee vorbeischauen“, erzählen die Damen. Lichtblick bedeutet nicht nur finanzielle Hilfe, sondern hat auch verbindenden und sozialen Charakter als Begegnungsstätte für viele Menschen.

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Schnell, direkt, unbürokratisch

Neben finanzieller Unterstützung sorgt der Verein auch für soziale Vernetzung älterer Menschen.

Der Verein bietet unter anderem Kochkurse, Kinonachmittage, Vorträge, Osterbrunch, Handykurse und Ausflüge an. Ein besonderes Highlight ist die alljährliche Weihnachtsfeier: In einem Lokal gibt es ein leckeres Menü und dazu ein kleines Geschenk als Sahnehäubchen. Viele der Bedürftigen würden diese intensive Familienzeit ansonsten alleine verbringen, und Gaumenfreuden in angenehmer Gesellschaft gehören meist längst vergangenen Zeiten an. Erfreulicherweise haben sich durch all diese Veranstaltungen schon etliche Freundschaften gebildet.

Das Hauptaugenmerk von Lichtblick Seniorenhilfe e. V. liegt auf der finanziellen Unterstützung der Bedürftigen, die stets schnell und unbürokratisch erfolgt. Wer im Alter von Armut betroffen ist, muss sich genau überlegen, wie jeder Euro ausgegeben wird. Nur die nötigsten und günstigsten Lebensmittel werden eingekauft, neue Kleidung oder ein Besuch im Café oder Restaurant sind völlig tabu. Letzteres bedeutet, dass auch viele soziale Kontakte wegfallen, die gerade im Alter so wichtig sind.

Wie genau unterstützt nun der Verein? „Hier folgen wir den vom Vorstand festgelegten Richtlinien. 563 Euro nach Abzügen, jedoch ohne Strom, ist die Berechnungsgrundlage für Alleinstehende für die Grundsicherung im Alter. Manchmal kommt es vor, dass die Rente knapp über dieser Grenze liegt, und natürlich dürfen sich auch diese Menschen an uns wenden, da wir immer den Einzelfall prüfen“, erklärt Angelika Färber. Mindestens zwanzig Jahre muss der Antragsteller in die deutsche Rentenkasse einbezahlt haben und über 60 Jahre alt sein.

Caroline Reiber und Ludwig Maurer sind Botschafter

Jeder Antrag wird unbürokratisch geprüft und möglichst schnell bearbeitet.

Die finanziellen Hilfen sind so vielfältig wie die Biografien der Antragsteller selbst: So wird die Vorauszahlung für die Befreiung von der Medikamentenzuzahlung ebenso übernommen wie die Rechnung für ein längst benötigtes Haushaltsgerät. Auch viele Lebensmittelgutscheine werden ausgehändigt.

Oft ist die Scham, um finanzielle Hilfe zu bitten, groß, wie das Team Lichtblick nur zu gut weiß. Da braucht es Ermunterung und Gespräche, damit Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet haben und jetzt nicht mehr in der Lage sind, ihren bescheidenen Lebensunterhalt zu finanzieren, Hilfsangebote wahrnehmen.

So gibt es auch keine regelmäßigen Leistungen, sondern immer nur im geprüften Bedarfsfall. Ausgenommen sind Patenschaften, die von Spendern übernommen werden. Ab einem monatlichen Betrag von 35 Euro kann man gezielt einer bedürftigen Person dauerhaft unter die Arme greifen.

Die Münchnerin Lydia Steltner gründete Lichtblick e. V. 2003, nachdem sie auf die Bedürftigkeit vieler Rentner in ihrem Umfeld aufmerksam wurde. Seitdem wuchs der Verein bundesweit, wurde mehrfach ausgezeichnet und erfreut sich prominenter Botschafter wie Moderatorin Caroline Reiber oder Kult-Koch und Rinderzüchter Ludwig Maurer, die nicht müde werden, auf die Arbeit aufmerksam zu machen und Spenden zu sammeln. Hinschauen, nicht wegschauen, und dabei immer den Menschen und seine Würde im Blick haben – das ist eine der Grundlagen von Lichtblick e. V.

Respektvoll, empathisch, verantwortungsvoll

Der Verein arbeitet ausschließlich auf Spendenbasis und „derzeit ist es noch möglich, all unsere Senioren zu unterstützen“, freut sich Birgit Gegenfurtner. Die Damen aus dem Büro sind immer aktiv in der Spendenakquise und halten Vorträge in Firmen, bei Lions oder Rotary, um den Verein der Öffentlichkeit vorzustellen. „Ganz wichtig für die Spender ist es, dass ihre Zuwendungen in Niederbayern bleiben. Das betonen wir stets. Es sind aber nicht nur Firmen, die spenden, sondern auch all die Kleinspender, die ein paar Päckchen Kaffee schicken oder eine Patenschaft für eine Person übernehmen. Die Summe macht‘s.“

Mit Herz und Hingabe, respektvoll, empathisch und verantwortungsvoll – das sind Grundpfeiler für alle, die sich bei Lichtblick Seniorenhilfe e. V. engagieren. Großartiges wurde schon für die älteren Mitglieder unserer Gesellschaft bewirkt, und die Vereinsmitglieder setzen alles daran, den Menschen auch weiterhin Lichtblicke zu schenken.

Melanie Zitzelsberger

(Erstveröffentlichung in: Schöner Bayerischer Wald)


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