Werbung

Freyung-Grafenau. Langsam aber sicher nimmt die Maschinerie an Fahrt auf. Die Nominierungsphase ist abgeschlossen, Ende Januar werden die Wahlbescheinigung versendet, ehe Anfang Februar die Briefwahl startet. Fernab des organisatorischen Ablaufes vor den Kommunalwahlen 2026 wird von Prackenbach bis Jandelsbrunn und von Mauth bis Bischofsmais bereits fleißig Wahlkampf betrieben. Und es gibt die ersten Geschichten rund um die Abstimmungen am 8. März. Der, der will, darf nicht. Und die, die dürfen, wollen nicht…

Da war er noch guter Dinge: Lothar Dumm ging von Haus zu Haus, um Unterschriften für seine Zulassung zu sammeln. Letztlich vergebliche Mühen… Foto: Wir sind Freyung

In Philippsreut und Eppenschlag hat sich schlicht und einfach niemand gefunden, der Bürgermeister werden möchte. Trotz vieler Gespräche, trotz großer Mühen. „Warum das so ist, kann ich mir selbst nicht erklären“, sagt Philippsreuts noch amtierendes Gemeindeoberhaupt Helmut Knaus (Bayernpartei/Freie Wähler) zunächst. Der 64-Jährige selbst zieht sich nach zwölf Jahren an vorderster Front zurück. „Einige wollten mich überreden. Aber ich kandidiere nicht mehr.“

Werbung

Zwei Amtsperioden haben bei Helmut Knaus eigenen Angaben zufolge Spuren hinterlassen. Denn obwohl er nur ehrenamtlicher Bürgermeister war, ist es „mit ab und an mal vorbeischauen und dem Bauhof sowie der Sekretärin Anweisungen geben“ bei Weitem nicht abgetan. „In jedem Ortsteil hatten wir zuletzt Baustellen. Hinzu kommen unendlich viele weitere Themen – unter anderem innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft, der ILE und im Kreistag.“ Der 64-Jährige nimmt in diesem Zusammenhang den Gesetzgeber in die Pflicht: „Ehrenamtlich eine Gemeinde zu leiten, ist nicht möglich – nicht einmal die kleinste Gemeinde des Landkreises Freyung-Grafenau.“

Werbung

Es kommt zu einer sog. echten Mehrheitswahl

Wer hat künftig im Philippsreuter Rathaus das Sagen? Foto: Helmut Weigerstorfer/Hog’n-Archiv

Für Helmut Knaus ist das alles bald Vergangenheit. „Irgendwann muss mal Ruhe sein.“ Oder doch nicht? Denn im Falle von Philippsreut und Eppenschlag geht am 8. März eine sog. echte Mehrheitswahl über die Bühne. „Das heißt: Die Wahl wird ohne Bindung an eine vorgeschlagene sich bewerbende Person durchgeführt“, erklärt Ulrich Köberl von der Pressestelle des Landkreises Freyung-Grafenau. Beim Urnengang ist ein wählbarer Bürger in „eindeutig bezeichnender Weise handschriftlich einzutragen“ – also mit Familiennamen, Vornamen sowie (soweit bekannt) Beruf und Gemeindeteil.

„Gewählt ist, wer mehr als die Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen erhält. Eine relative Mehrheit genügt nach bayerischem Kommunalrecht nicht. Erhält niemand diese Mehrheit, findet am zweiten Sonntag nach dem Wahltag eine Stichwahl unter den zwei Personen statt, die bei der ersten Wahl die höchsten Stimmenzahlen erhalten haben“, geht Köberl auf das weitere Prozedere ein. „Da die Rücktrittsmöglichkeit im Falle einer echten Mehrheitswahl bereits vor einer Stichwahl besteht, führt der Rücktritt eines Stichwahlteilnehmers zu einer Neuwahl, die innerhalb von drei Monaten durchgeführt wird.“

Helmut Knaus ist all das bekannt. Nicht wenige rund um den Almberg gehen davon aus, dass der 64-Jährige womöglich derjenige sein wird, der ohne Kandidatur eine (echte) Mehrheit erlangen könnte. Und dann? Würde der Hinterfirmiansreuter dann doch eine dritte Amtsperiode in Angriff nehmen? „Dazu kann ich noch nichts sagen“, macht er deutlich. „Das entscheide ich, wenn es soweit sein sollte.“ 

„Ein ehrenamtlicher Bürgermeister ist Quatsch“

Eppenschlag sucht einen Bürgermeister – mit welchem Ergebnis? Foto: Helmut Weigerstorfer/Hog’n-Archiv

Ähnliche Worte in diesem Zusammenhang findet auch Peter Schmid, Noch-Bürgermeister der Gemeinde Eppenschlag. Auch er wird nicht mehr antreten. Und auch er sieht vor allem den enormen Aufwand, das das Amt des Bürgermeisters mit sich bringt, als Grund dafür, dass niemand kandidieren will. „Anfeindungen hat es zwar keine gegeben. Aber als Bürgermeister bist du überall präsent und immer im Einsatz. Und es allen Leuten recht machen, geht nicht…“ Über die vergangenen sechs Jahre hinweg hätte der CSU-Politiker einen Weg gefunden, die „große Verantwortung“ zu schultern. Deshalb habe er lange überlegt, noch einmal anzutreten. Aber: „Ich werde 75 Jahre alt. Da lässt die Energie mehr und mehr nach.“

Ähnlich wie in Philippsreut ist auch in Eppenschlag der Rathauschef nur auf ehrenamtlicher Basis aktiv. Für Schmid einer der Hauptgründe, warum seine Nachfolge offener denn je ist. „Den Großkopferten in München und Berlin müsste man mal sagen, dass ein ehrenamtlicher Bürgermeister Quatsch ist.“ Denn obwohl diese Tätigkeit mehr oder weniger nur ein Nebenjob ist, muss man „genauso wie die hauptamtlichen Kollegen schauen, dass es beispielsweise der Feuerwehr, dem Kindergarten und der Schule gut geht“.

Lothar Dumm wäre dazu bereit gewesen, all diese Herausforderungen anzunehmen. Auf Basis der eigenen Liste „Wir sind Freyung“ wollte der Polizeibeamte in Freyung als Gegenkandidat von Dr. Olaf Heinrich antreten – und somit den Kreisstädtern (endlich) wieder eine Alternative zum Dauer-Bürgermeister anbieten. Doch er scheiterte bereits an der ersten Hürde – im Gegensatz zu beispielsweise Ludwig Kufner in Kirchberg in Wald und Muhanad Al-Halak in Grafenau. Er konnte – trotz enormer Kraftanstrengungen – nur 53 Unterschriften sammeln. Damit seine Liste bzw. Kandidatur zugelassen wird, wären 120 Signaturen nötig gewesen.

„Die dunklen Seiten der Macht waren zu stark“

Die Zukunft von „Wir sind Freyung“? „Wie es nach der Kommunalwahl weitergeht, muss ich erst mit den anderen Mitgliedern der Gruppierung abstimmen.“ Foto: Wir sind Freyung

Natürlich ist bei Dumm die Enttäuschung dementsprechend groß. „Aber ich kann mir nichts vorwerfen, weil ich es zumindest versucht habe. Mir war auch von Anfang an klar, dass es in Freyung gegen die CSU ein hartes Geschäft sein wird. Allerdings habe ich mir nicht gedacht, dass man dabei so weit gehen würde, mich und meine Familie sogar im privaten Bereich unter Druck zu setzen.“ In Anlehnung an die Star-Wars-Filme stellt der Polizist fest: „Die dunklen Seiten der Macht waren zu stark für den letzten Jedi und seine kleine Rebellengruppe.“

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es noch für Lothar Dumm. „Da mit dem Amtsinhaber nun wieder nur ein Bürgermeister-Kandidat ins Rennen gehen darf, kann bei der Wahl auch ein anderer Name auf den Wahlzettel geschrieben werden…“ Kommt der „Wir sind Freyung“-Vertreter so doch noch ans Ziel? Eher unwahrscheinlich. Der, der will, darf nicht. Und die, die dürfen, wollen nicht…

Helmut Weigerstorfer


Dir hat dieser Artikel gefallen und du möchtest gerne Deine Wertschätzung für unsere journalistische Arbeit in Form einer kleinen Spende ausdrücken? Du möchtest generell unser journalistisches Schaffen sowie die journalistische Unabhängigkeit und Vielfalt unterstützen? Dann dürft ihr das gerne hier machen (einfach auf den Paypal-Button klicken).


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert