Freyung/Jandelsbrunn. Sie ist aus dem Freyunger Stadtbild nicht mehr wegzudenken, die Traditionsbrauerei Lang. In den vergangenen Jahren jedoch haben sich das Gesicht der Brauerei und vor allem ihr Innenleben enorm verändert. Sie bekam quasi einen totalen Verjüngungsprozess verordnet. Aus einer soliden, aber in die Jahre gekommenen Braustätte verwandelte sie sich in eine der modernsten Brauereien Bayerns.

Dabei drohte dem Lang Bräu im Jahr 2014 dasselbe Schicksal wie so vielen anderen Brauereien, nämlich das Aus. Doch in dieser schwierigen Situation entschlossen sich engagierte Bürger dazu, die Brauerei zu retten. Es wurde eine Genossenschaft (eG) gegründet. Über 200 Genossenschaftler zeichneten Anteile.
Mit dem Geld der Anteilsscheine konnte die eG die Brauerei kaufen. Nun packte man kräftig an, ertüchtigte das Gebäude und modernisierte die Technik von Grund auf. Innerhalb von zehn Jahren wurden mehr als zehn Millionen Euro investiert. Mit Erfolg. Heute schreibt die hochmoderne Brauerei schwarze Zahlen. Der Freyunger Lang Bräu war gerettet.
Drohendes Aus für den Lang Bräu in Jandelsbrunn

Nun droht der Brauerei Lang in Jandelsbrunn ein Schicksal, wie es in Freyung im vergangenen Jahrzehnt gerade noch abgewendet werden konnte: Der geschäftsführende Gesellschafter der Jandelsbrunner Privatbrauerei Lang, Eugen Brühmüller, gab bekannt, dass der Braubetrieb Ende März eingestellt werde. Damit ginge in Jandelsbrunn eine über Jahrhunderte währende Brautradition zu Ende, die untrennbar mit dem Namen der Brauerfamilie Lang verbunden ist. Und was viele nicht wissen: Die Brauerei Lang in Freyung und die Brauerei Lang in Jandelsbrunn sind tatsächlich „Schwesterbrauereien“ bzw. genau genommen „Brüderbrauereien“.
Beide Braustätten haben einen gemeinsamen „Stammvater“, nämlich den im Jahr 1772 in Hauzenberg geborenen Lorenz Lang. Dieser entstammte einer angesehenen Weberfamilie und er sollte nun ebenfalls das Weberhandwerk erlernen. Doch er wollte lieber Brauer werden. Seine Familie unterstützte ihn.
Daraufhin erlernte Lorenz Lang das Brauhandwerk in der Schlossbrauerei Pillham im Rottal. Schnell arbeitete er sich zum Braumeister hoch. Dann ergab sich für ihn durch die Säkularisation im Jahr 1803 eine einmalige Chance: Das Kloster Asbach stand zum Verkauf, samt Brauerei. Lorenz Lang wollte das gesamte Anwesen kaufen, vor allem wegen der Brauerei. Seine gesamte Familie, auch die Brüder, griffen ihm finanziell unter die Arme. Lorenz Lang erwarb das Kloster. Er entwickelte die Klosterbrauerei Asbach zu einer wahren Goldgrube.
Alles startete mit Lorenz Lang

Lorenz Lang erwies sich nun nicht nur als erstklassiger Braumeister, sondern auch als gewiefter Geschäftsmann: Durch geschicktes Verhandeln gelang es Lorenz Lang in den Jahrzehnten nach 1803 sage und schreibe sechs weitere Brauereien zu erwerben. Darunter befanden sich die ehemals hochfürstlichen Brauereien Jandelsbrunn und Bierhütte.
Für Lorenz Lang war es nicht möglich, alle Brauereien alleine zu führen. Deshalb verkaufte er die Brauereien zu extrem günstigen Konditionen an seine Brüder. Sozusagen als Gegenleistung dafür, dass sie ihn beim Kauf des Klosters Asbach tatkräftig unterstützt hatten. So kam nun Josef Lang, einer der Brüder von Lorenz Lang, im Jahr 1810 in den Besitz der Brauerei in Jandelsbrunn. Deren Brautradition reichte bis ins Jahr 1708 zurück. Josef Lang begründete damit in Jandelsbrunn die Geschichte der Brauerei Lang.
Der Name Josef Lang entwickelte sich in Jandelsbrunn zum Dauerbrenner. Und zur Erfolgsgeschichte! Insgesamt fünf Generationen Josef Lang führten die Brauerei in Jandelsbrunn mit Erfolg weiter. Parallel zum Florieren der Brauereien erweiterten die einzelnen Generationen die an die Brauerei angegliederte Ökonomie enorm.
Fünf Mal Josef Lang

Beträchtliche Flächen an Wald und landwirtschaftlichen Flächen wurden erworben. Der Gebäudebestand der Brauerei und des Gutes wirkt herrschaftlich. Auch heute noch. Der letzte der Dynastie Josef Lang, nämlich der fünfte in der Reihe, verstarb im Jahr 1985. Nach dessen Tod übernahm Helene Lang, die Schwester von Josef Lang V., die Leitung der Brauerei. Und seit 1998 führt schließlich die Familie Brühmüller die „Privatbrauerei Josef Lang Jandelsbrunn“. Für Jandelsbrunn bildeten die Brauerei und das Gut der Langs über 200 Jahre lang einen unverzichtbaren und identitätsstiftenden Bestandteil der Gemeinde.
Die Brauerei Bierhütte verkaufte „Stammvater“ Lorenz Lang an seinen weiteren Bruder Peter Lang. Dieser übergab die Brauerei Bierhütte dann 1834 an seinen Sohn Andreas Lang. Die Geschichte des Freyunger Lang Bräus begann.
Nach dem Konkurs der Brauerei Reichenberger in Freyung erwarb Andreas Lang im Jahr 1856 die Reichenberger-Brauerei, d.h. das Areal des heutigen Lang Bräu. Aber nicht für sich, sondern für seinen Sohn Johann Nepomuk. Ab 1857 führten dann drei Generationen der Brauerfamilie Lang, jeweils mit dem Traditionsnamen Johann Nepomuk, die Brauerei in Freyung erfolgreich bis ins Jahr 2009. Nach dem Tod von Johann Nepomuk III. Lang übernahm dessen Frau Erika Lang die Geschäftsführung. Ab 2014 lenkte dann die Genossenschaft die Geschicke der Brauerei Lang Freyung.
Es wäre der „Bruderbrauerei“ Lang in Jandelsbrunn von ganzem Herzen zu gönnen, dass das drohende Aus noch abgewendet werden kann. Wie in Freyung.
Kreisheimatpfleger Gerd Ruhland








