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München/Bayerischer Wald. Rolf Schmidt ist heute 95 Jahre alt und kann nicht nur auf ein langes Leben, sondern auch auf eine besondere Familiengeschichte zurückblicken. Denn er ist der Urenkel des berühmten Maximilian Schmidt, genannt Waldschmidt, der mit diesem erblichen Ehrentitel ausgezeichnet wurde.

Im Jahr 1898 wurde Maximilian Schmidt (hier zu sehen auf dem großen Leinwandbild) in den Sonderadel erhoben. Der Titel „genannt Waldschmidt“ wird seither vererbt. Diesen trägt heute sein Urenkel Rolf Schmidt (auf dem Foto nebst seiner Frau Gabriele). Fotos: Manuela Lang

Waldschmidt war zu Lebzeiten schon ein berühmter Mann. Als Schriftsteller verfasste er unter anderem Werke, in denen er dem Bayerischen Wald ein Denkmal setzte. „Damals war er einer der Ersten überhaupt, die über den Bayerischen Wald geschrieben haben“, erklärt Rolf Schmidt.

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So richtig bewusst wurde ihm das jedoch erst, als er im Jahr 1952 gemeinsam mit seiner Großtante Amanda nach Furth im Wald zur großen Waldschmidtfeier eingeladen wurde. Amanda war eine der beiden Töchter des Waldschmidts und hatte diesen bis zu seinem Tod in München gepflegt.

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Promotion über den berühmten Urgroßvater 

In seiner Doktorarbeit hat Rolf Schmidt Mitte der 50er Jahre das Wirken des Waldschmidts aufgearbeitet.

Maximilian Schmidt hatte drei Kinder: zwei Mädchen, die unverheiratet blieben (eine der beiden war Amanda) sowie einen Sohn, der ebenfalls Maximilian hieß. Dieser wiederum hatte vier Söhne. Der älteste davon (auch ein Maximilian) war der Vater von Rolf. 

Intensiv befasste sich der Urenkel im Rahmen seines Studiums der Zeitungswissenschaften, Volkskunde, Presse-, Verlags- und Urheberrecht mit dem Werk des berühmten Vorfahrens. Seine Promotionsarbeit hatte den Titel „Maximilian Schmidt, genannt Waldschmidt, im Spiegel der Presse“. Allerdings, so denkt er heute zurück, kam die Idee von seinem damaligen Professor, der häufig in der Kölnischen Volkszeitung über den Waldschmidt gelesen hatte.

Seine Doktorarbeit habe damals dazu beigetragen, dass der Waldschmidt und sein Wirken wieder etwas mehr ins Bewusstsein der Menschen gerückt sind. Und so kam es auch, dass Dr. Rolf Schmidt kurz darauf auch beteiligt war, als man in Freyung ein weiteres Waldschmidt-Denkmal aufstellte – es erhielt dasselbe Relief wie das Denkmal in Furth im Wald. Eigentlich wollte es Rolf Schmidt seinem Urgroßvater gleichtun und ebenfalls Schriftsteller werden. 

Nach Unfall: Zweitstudium zum Rechtsanwalt 

Der Waldschmidt um 1912. Foto: gemeinfrei

Doch das Schicksal machte ihm einen Stricht durch die Rechnung. Am 2. Dezember 1954, als er – selbst ein aktiver Fußballspieler und Vorstand eines Fußballvereins – zum Revanchespeil der Deutschen Nationalmannschaft nach London reiste, war er bei einem der damals schwersten Zugunglücke in Belgien mit an Bord. Wegen Arbeitsunfähigkeit nahm er dann ein juristisches Zweistudium in München auf und wirkte später fast 40 Jahre lang als selbständiger Rechtsanwalt in der bayerischen Landeshauptstadt. 

In Ehren gehalten wird im Hause Schmidt natürlich auch die Urkunde aus dem Jahr 1898, in der niedergeschrieben ist, dass der Hofrat Maximilian Schmidt und seine Gattin sowie die Abkommen der beiden berechtigt sind, den Ehrennamen „genannt Waldschmidt“ zu führen. Dies aber habe nicht nur Vorteile. Vor allem bei Behördengängen sei es immer wieder zu Komplikationen und Irritationen wegen dieses Sonderadelstitels gekommen. „Wir nennen uns heute deshalb nur noch Waldschmidt“, erklärt der 95-Jährige. Sowohl im Telefonbuch als auch auf dem Klingelschild an seiner Wohnung in Schwabing steht deshalb „Dr. Rolf Waldschmidt“. 

Mit dem Bayerischen Wald verbindet ihn vor allem sein Urgroßvater, der aus Eschlkam stammte, und der die Region in vielen Büchern beschrieb. Neben dem Bayerischen Wald-Verein ist er deshalb auch dem Waldschmidt-Verein, der 1984 gegründet wurde, eng verbunden. Beide Vereine haben aus seiner Sicht viel dazu beigetragen, dass Maximilian Schmidt und seine Verdienste noch heute gesellschaftlich anerkannt werden. 

Oktoberfestzug geht auf den Waldschmidt zurück 

Schein ein Bewunderer des Waldschmidts gewesen zu sein: König Ludwig II. von Bayern. Bild: gemeinfrei

Dem Waldschmidt war es damals ein Anliegen, dass seine Heimatregion wirtschaftlich (insbesondere in Sachen Fremdenverkehr) zu anderen Regionen wie etwa Oberbayern aufschließen kann. Er bemühte sich darum, dass die bayerische Kultur gepflegt wird. 

In diesem Zusammenhang organisierte er den ersten Trachtenumzug in München, bei dem Trachtler aus ganz Bayern zum Oktoberfest auf die Festwiese zogen. Auf diese Veranstaltung geht auch der heutige Schützen- und Trachtenfestzug im Rahmen des Oktoberfestes zurück. „Dies war sicher eine seiner Hauptleistungen“, kommentiert Rolf Schmidt. Gleichzeitig betont er auch die guten Kontakte seines Urgroßvaters zum Herrscherhaus in Bayern.

Maximilian Schmidt, genannt Waldschmidt, war übrigens einer der Lieblingsschriftsteller von König Ludwig II. „Es ist belegt, dass in seinem Sterbezimmer das Buch ‚Der Leonhardsritt‚ aufgeschlagen war – offenbar hat der König noch kurz vor seinem Tod darin gelesen.“ Doch als Hofrat war er auch sonst in den damaligen Regierungskreisen in München gut vernetzt und gehörte zu den einhundert bekanntesten Persönlichkeiten in Bayern. Deshalb steht ein weiteres Denkmal (eine Gedenktafel), das an den Waldschmidt erinnert, in der Thierschstraße 47 in München – angebracht an dem Haus, in dem er zuletzt seinen Lebensabend verbracht hat.

Manuela Lang

Eine Veröffentlichung in Zusammenarbeit mit dem Bayerischer Wald-Verein, dem Verein für Heimat- und Volkstumspflege, Kulturarbeit, Natur- und Landschaftsschutz sowie Wandern im Bayerischen Wald, der auch für das Projekt „WanderKultur“ verantwortlich zeichnet.


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