Liebe Fußballfreunde im Woid, die Auslosung der Gruppen für die WM 2026 habe ich mir nicht einmal angeschaut. Ich blicke da nicht mehr durch, wer nun gegen wen spielen darf – und wer gegen wen nicht. Das Drumherum tat dann sein Übriges. Das alles hat dazu geführt, dass ich auch jetzt noch überlegen muss, welche Gruppengegner wir überhaupt haben… (atmet kurz durch)

Curacao, Ecuador, Elfenbeinküste – das ist nicht nur machbar, da musst du weiterkommen! Ich habe die Weltmeisterschaften so kennengelernt, dass man selbst in der Gruppe bereits immer auf eine große Mannschaft trifft. Die Aufblähung des Turniers hat nicht unbedingt dazu beigetragen, dass das Niveau steigt. Fest steht aber auch, dass es keine Kleinen mehr gibt. Unter anderem die Elfenbeinküste hat immer wieder gute Spieler dabei. Wie im Pokal, wenn der Drittligist den Erstligisten rauskegelt, sind jederzeit Überraschungen möglich.
Ich gehe davon aus, dass die deutsche Elf mit Fortdauer des Turniers wachsen wird. Mindestens das Viertelfinale, wenn nicht sogar das Halbfinale ist sicher drin. Und dann brauchst du auch das entsprechende Glück, um ins Finale zu kommen oder gar den Pokal zu holen. Gerade für das Endspiel sind keine Prognosen möglich. Das ist ein Fall für sich, wie ich selber erfahren durfte…
Joshua Kimmich gehört ins Mittelfeld

Was das Spielsystem betrifft, bin ich klarer Verfechter der Viererkette. Als Trainer habe ich immer mit Viererkette spielen lassen – und im Mittelfeld und Sturm dann je nach Spielertypen, die zur Verfügung gestanden sind. Konkrete Namen, wer nun auflaufen soll, möchte ich nicht nennen. Aber es braucht eine stabile, eingespielte Achse. Jede erfolgreiche Mannschaft hatte eine Linie vom Tor über die Verteidigung und das Mittelfeld bis in den Sturm, die aus Führungsspielern und Leistungsträgern bestanden hat.
Joshua Kimmich, der für mich eindeutig in das Mittelfeld gehört, wird dort dominant sein. In der Abwehr brauchst du einen Spieler, der das Sagen hat und mehr oder weniger das komplette Team führt. Und ja, im Kasten muss der beste Torwart stehen, den wir haben: Manuel Neuer. Das Alter spielt dabei überhaupt keine Rolle. Die Nummer eins ist, wer Leistung bringt. Und das macht er!
Noch ein Wort zu den Austragungsorten: 1986 habe ich ja als aktiver Spieler eine WM in Mexiko gespielt und dort meine Erfahrungen gesammelt. Die politischen Rahmenbedingungen in Nordamerika, die Zeitumstellung, das andere Klima – all das darf keine Rolle spielen, wenn der Ball rollt. Auf und neben dem Platz. Und der Fußballfan steht mitten in der Nacht gerne auf für seine Nationalmannschaft, wenn der Funke überspringt. Und das wird er. Eigenartige Auslosung hin oder her…
Bis demnächst: Euer Klaus Augenthaler
(Aufgezeichnet: Helmut Weigerstorfer)
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Für das Onlinemagazin da Hog’n blickt Klaus „Auge“ Augenthaler im Rahmen seiner Kolumne „Auges dritte Halbzeit“ auf den großen (nationalen und internationalen) Fußballzirkus, ohne dabei den Blick auf die Amateure zu vergessen. Nur für den Fall, dass den 68-Jährigen irgendjemand nicht kennen sollte: Der gebürtige Fürstenzeller, dessen Heimatverein der FC Vilshofen ist, blickt auf eine Weltkarriere zurück – als Spieler und Trainer. Er ist unter anderem Weltmeister (1990) sowie mehrmaliger Deutscher Meister und Pokalsieger. Eng verbunden ist sein Name mit dem des FC Bayern München. Für den Rekordmeister bestritt der Libero zwischen 1976 und 1991 insgesamt 404 Pflichtspiele. Später war er zudem sechs Jahre als Trainer an der Säbener Straße aktiv. Er weiß also, was „Mia san Mia“ bedeutet…






