Dass die CSU im Landkreis Regen – zuvorderst deren Kreisvorsitzender und Landtagsabgeordneter Stefan Ebner – den einstigen BILD-Zeitungs-Chef Kai Diekmann mit lobhudelnden Superlativen wie dem „mächtigsten Journalisten Deutschlands“ für ihren bevorstehenden Neujahrsempfang in Viechtach ankündigt, offenbart ein tiefsitzendes Verständnis von Politik als Inszenierung und Machtspiel. Die Einladung wirkt wie eine nostalgische Verbeugung vor einer Ära, in der die Grenze zwischen politischer Berichterstattung und aktiver politischer Einflussnahme gefährlich verschwamm.

Was die lokalen CSU-Vertreter als Diekmanns Erfolg feiern – nämlich 16 Jahre lang „Tag für Tag die Themen gesetzt [zu haben], die das Land bewegten“ –, lässt sich kritisch auch als eine Phase des medialen Dauerfeuers beschreiben, in der Zuspitzung oft vor Sorgfalt und Kampagnenlust vor journalistischer Distanz standen.
Besonders pikant ist dabei die fast schon bewundernde Erwähnung seiner Rolle in „Staatsaffären und Skandalen“. Es stellt sich die Frage, welche Botschaft eine Volkspartei damit aussendet: Wird hier die journalistische Aufklärung gewürdigt – oder vielmehr die Fähigkeit, durch mediale Brachialgewalt politische Schicksale zu besiegeln?
Donald Trump – das Tüpfelchen auf dem i
Diekmanns BILD-Ära war geprägt von einem Schwarz-Weiß-Journalismus, der Komplexität zugunsten der Schlagzeile opferte und damit den Boden für jenen Populismus bereitete, mit dem die Politik heute quer durch alle Lager zu kämpfen hat. Ein Populismus à la Strauß, dem die Christsozialen offenbar immer noch nacheifern – und der die AfD zu ihrem schärfsten Widersacher werden ließ.
Wenn ein solcher Protagonist nun beim Neujahrsempfang über die Schlagzeilen, „die das Land bewegten“, referiert, droht die Veranstaltung zu einer unkritischen Selbstvergewisserung der Macht zu werden, bei der nebenbei über den „Wulff-Skandal, die Krim-Invasion und die Flüchtlingskrise“ schwadroniert wird.
Das Tüpfelchen auf dem i in der Einladung ist der Hinweis darauf, dass Diekmann „bisher der einzige deutsche Journalist [war], dem Donald Trump je ein Interview gab“. Mit dem Verweis auf das Trump-Interview nutzt die Regener CSU den Namen jenes narzisstischen, populistischen, polarisierenden, respektlosen, egomanischen, faktenverdrehenden und autokratisch-agierenden US-Präsidenten als eine Art „Echtheitszertifikat“ für Diekmanns Relevanz. Es wird der Glanz der Exklusivität zelebriert, während die damalige Kritik – das Trump-Interview wurde oft als unkritische Hofberichterstattung statt als hart geführtes Gespräch wahrgenommen – unter den Tisch fällt.
Flucht in die Anekdotenwelt der Berliner Republik
Anstatt eine zukunftsgewandte Debatte über eine seriöse politische Kultur zu führen, flüchtet man sich in die Anekdotenwelt der Berliner Republik. Für eine Partei, die sich gerne als Hüterin bürgerlicher Werte und des Anstands präsentiert, ist die Glorifizierung eines Journalismus, der nicht selten die Grenzen der Persönlichkeitsrechte und des Pressekodex missachtete, zumindest ein widersprüchliches Signal.
Letztlich feiert die CSU in Viechtach wohl weniger einen Journalisten als vielmehr das Prinzip der medialen Durchsetzungskraft – eine Wahl, die tief in die Seele einer Partei blicken lässt, die den Boulevard schon immer als notwendiges, wenn auch riskantes Spielfeld begriffen hat…
Kommentar: Stephan Hörhammer







