Spiegelau. Das Waldschmidthaus (1.360 m), die traditionsreiche Schutzhütte kurz unterhalb des Großen Rachelgipfels im Nationalpark Bayerischer Wald, wird derzeit umfassend saniert und erweitert (da Hog’n berichtete). Nach Jahren des Leerstands modernisiert der Freistaat Bayern das denkmalgeschützte Gebäude, um es als attraktive Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeit (geplant sind zwölf Betten) wiederzueröffnen.

Die Baustelle ist aufgrund der extremen Höhenlage eine große logistische Herausforderung. Trotz Verzögerungen laufen die Arbeiten, bei denen Denkmalschutz und Nationalpark-Auflagen beachtet werden müssen, auf Hochtouren. Die Wiedereröffnung der Hütte ist für den Sommer 2027 vorgesehen.
Derzeit pausiert eine der höchstgelegenen Baustellen Bayerns. Wetterbedingt wurden die Sanierungsarbeiten über den Winter eingestellt. Die Maßnahmen sind dieses Jahr planmäßig vorangekommen, wie das Staatliche Bauamt Passau in einer Presseaussendung mitteilt. Ursula Schuster, Leiterin des Nationalparks Bayerischer Wald, und Norbert Sterl, Leiter des Staatlichen Bauamts Passau, ziehen zufrieden Bilanz.
„Ziehen als Region alle an einem Strang“
Das Gerüst ist weg, die Fenster im Altbau sind verschalt, das Waldschmidthaus befindet sich im Winterschlaf. In diesem Jahr seien die Baumeisterarbeiten für die Sanierung und den Erweiterungsbau gut vorangeschritten. Bereits im Herbst 2024 wurde der alte Anbau abgebrochen. Im April 2025 konnten die Baumeisterarbeiten für den neuen Erweiterungsbau starten. Die Bodenplatte für den neuen Anbau wurde errichtet, im Sommer folgte die Fertigstellung des Rohbaus in Holzständerbauweise. Gleichzeitig begann die Sanierung des Altbaus: Dort sind neue Fundamente und Stützen eingebaut worden, verschobene Wände und schiefe Fenster wurden damit so weit es geht korrigiert und statisch gesichert.

„Die Außenhülle des Gebäudes ist fertiggestellt, das Waldschmidthaus konnte rechtzeitig winterdicht gemacht werden“, wird Norbert Sterl zitiert. Er sei froh, dass die Arbeiten noch im Zeitplan liegen. Angesichts der besonderen Herausforderungen einer Baustelle auf 1.360 Metern Höhe und mitten im Nationalpark sei dies nicht selbstverständlich: „Das Bauzeitenfenster ist witterungsbedingt stark begrenzt, Arbeiten sind nur von circa Ende April bis etwa Oktober möglich. Dies erfordert sehr aufwändige und genaue Abstimmungen sämtlicher Vertragspartner, um Verzögerungen zu vermeiden und die Baustelle auch rechtzeitig winterfest machen zu können“, weiß Sterl.
Zudem erschwere die Lage auf dem Rachel den Transport von Baustoffen, da der Wanderweg zum Beispiel nach starken Regenfällen nicht mit schweren Fahrzeugen befahren werden könne. Nicht zuletzt würden im Nationalpark auch die hohen Anforderungen hinsichtlich des Naturschutzes zur Komplexität der Bauarbeiten beitragen: Durch baubegleitende Maßnahmen müsse der Schutz potenziell vorhandener Tierarten – zum Beispiel Fledermäuse oder Hausrotschwänze – jederzeit gewährleistet sein.
„Ich freue mich, dass es dieses Jahr so gut vorangegangen ist“, sagt Nationalparkleiterin Schuster, die das konstruktive Miteinander aller Beteiligten lobt. „Das Waldschmidthaus hat eine große Bedeutung für unsere Besucher, weshalb wir als Region alle an einem Strang ziehen, die dort laufenden Maßnahmen so schnell wie möglich umzusetzen.“ Besonders für Fernwanderer, die auf dem Goldsteig unterwegs sind, sei das Waldschmidthaus als Übernachtungsstandort wichtig, damit die Route wie geplant absolviert werden kann.
Im Sommer ’26 soll der Innenausbau beginnen

Dank der sehr guten Zusammenarbeit mit dem Team des Nationalparks und dem beauftragten Architekturbüro falle die Bilanz positiv aus. „Die ambitionierte Kombination aus Denkmalschutz, Nachhaltigkeitskonzept und Berg-Lage inmitten der Naturzone des Nationalparks macht das Projekt zu einer der herausforderndsten Baustellen der Region. Aber bisher zeigen die Arbeiten, dass das Team und die Planung funktionieren“, berichtet Sterl weiter.
Nach dem Rohbau 2025 steht im Sommer 2026 der Innenausbau an. „Viele Handwerker werden gleichzeitig auf engem Raum arbeiten, unter schwierigen Bedingungen ohne regulären Strom oder Wasser. Nur mit Rücksicht, Erfahrung und Teamgeist aller Beteiligten kann das Projekt in der kurzen Bausaison auf dem Rachel gelingen“, sagt Architekt Alfons Döringer.
Im neuen Anbau sind neben Sanitäranlagen auch das Pächter-Appartement sowie der nötige Technikraum geplant. Zudem werden die Bettenzimmer, Küche und Gastraum im Altbau neu gestaltet. Die Energieversorgung wird über eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach und an den Wänden des Anbaus sowie eine Solarthermieanlage auf dem Verandadach sichergestellt. Alle Maßnahmen werden in enger Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege umgesetzt.
da Hog’n
- Waldschmidthaus am Rachel: Bauarbeiten laufen wieder an!
- „Ein kleines Abenteuer“: Döringers Herausforderung am Rachel










