Herzogsreut. 1995 hatten die Verantwortlichen mehr Glück als deren Nachfolger 30 Jahre später. Die Erstauflage des Herzogsreuter Nostalgierennens – anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Skisport Herzogsreut“ – hätte am 25. Februar stattfinden sollen, wurde damals aber witterungsbedingt auf den 4. März verlegt. Aus dem damals temporären Schneemangel ist mittlerweile ein nahezu permanenter geworden. Und so muss das Organisationsteam um Dieter Damasko das 130-Jährige erneut absagen, hat aber – Gott sei Dank – einen Plan B zur Verfügung, der am Sonntag, 28. Dezember, in die Tat umgesetzt wird.

Es war im vorherigen Jahrtausend eine kleine Sensation, als Dr. Otto Moritz nach mühevoller Recherchearbeit verkünden konnte, dass eines der ersten Skirennen Deutschlands überhaupt im Jahr 1895 in Herzogsreut stattgefunden hat. In Erinnerung an den von Eduard Hauenstein organisierten Wettbewerb führten der inzwischen pensionierte Gymnasial-Lehrer sowie Georg Moritz und Josef Madl als Doppelspitze der Wintersport-Sparte des SC Herzogsreut erstmals auf dieser historischen Basis ein Nostalgierennen durch.
„Das war damals etwas ganz Besonderes“, erinnert sich Georg „Schos“ Moritz. Ganz bewusst wurde ein Termin Ende Februar angesteuert, „weil wir zu dieser Zeit immer den meisten Schnee hatten“. Letztlich – Verlegung hin oder her – hatten Moritz, Madl & Co. den richtigen Riecher. „Über Nacht hat’s einen Meter runter g’hau’n“, sodass die Piste von Schwendreut hinunter ins Dorf ihresgleichen suchte. Im Zielraum konnten Iglus gebaut werden, es gab „einen großen Behälter Eintopf mit Würstl“ und das Bayerische Fernsehen berichtete. Allein, dass bewegte Bilder gemacht worden sind, war zur damaligen (noch analogen) Zeit außergewöhnlich.
„Wir haben überhaupt keinen Schnee – gar nix!“

Die Zeiten ändern und das Klima wandelt sich. Nur zu gerne würden Dieter Damasko und seine Mitstreiter vom SC Herzogsreut Videos von historisch gekleideten Sportlern machen, die sich auf Holzskiern in Richtung alten Sportplatz stürzen. „Aber wir haben wieder einmal überhaupt keinen Schnee – gar nix“, ist der 41-jährige SC-Funktionär freilich enttäuscht. Glücklicherweise muss die Veranstaltung, die das Onlinemagazin da Hog’n als Medienpartner begleitet, aber nicht komplett abgesagt werden, „weshalb der Schmerz nur halb so groß ist“.
Am Sonntag, 28. Dezember, wird ab 14 Uhr in der neuen Stockhalle gefeiert – und auch in verminderter Form gesportelt. Denn nach einem eröffnenden Standkonzert der Blaskapelle Herzogsreut findet ein Jokerturnier „anno dazumal“ statt. Die zu bewältigenden Aufgaben für die Viererteams, die vor Ort ab 14.30 Uhr gemeldet werden können, lauten: Tandem-Ski-Parcours, Milchkannen-Rennen, Holzkegelbahn, Stelzen gehen, Zielschießen und Holzsägen. Alle bisherigen Anmeldungen für den Skilauf verlieren ihre Gültigkeit. Alle, die in nostalgischem Gewand erscheinen, bekommen eine Holzmedaille – und die Gewinner des Jokerturniers attraktive Preise überreicht.
Und während es, wie Georg Moritz berichtet, 1995 nach dem sportlichen Teil „beim Wirt noch ziemlich lang“ geworden ist, wird dieses Mal in der beheizten, gerade fertiggestellten Halle der Stockschützen im Herzogsreuter Sportzentrum gefeiert. Gegen 17.30 Uhr gehen die Ansprachen und die Siegerehrung über die Bühne, ehe der „Waidler-Express“ schneidig aufspielt. Nebenher kann ein kleines Skimuseum, aufgebaut von Sport Schuster, besichtigt werden. Glücklich der, wer einen derart attraktiven Plan B zur Verfügung hat.
Helmut Weigerstorfer
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