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Bayerischer Wald. Die Nacht auf den 13. Dezember ist eine Losnacht. Es ist die Luziennacht und sie steht in einer langen Tradition. Ein Gastbeitrag von Christian Schafflhuber.

In der Nacht auf den 13. Dezember ist die Luzier auf der Suche nach armen Seelen, vornehmlich nach Kindern. Symbolbild: Vilkasss/pixabay.com

Die Heilige Luzia kann als Ablösung einer römischen Göttin, der Lucina, gesehen werden. Diese diente als Geburtsgöttin, ihr Name geht entweder auf den Hain („lucus“) oder das Licht („lux“) zurück. Jedenfalls war sie eine Mondgöttin, die des kleinen Lichtes, und wurde als Geburtshelferin angerufen. Wir sagen heute noch: Die Neugeborenen erblicken das „Licht der Welt“.

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Im Zug der Christianisierung konnte die Lucina, wenn auch wichtig für die Leute, natürlich nicht stehen bleiben. Und so wurde sie zur Santa Lucia, einer jungen Frau aus Syrakus zu Beginn des 4. Jahrhunderts. Weil sie angeblich nicht in eine Zwangsehe einwilligen wollte, hat man ihr die schlimmsten Grausamkeiten angetan. Diese sadistischen Fantasien hat sie allesamt unbeschadet überlebt.

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Die Sense als Symbol für die Mondsichel

Diese Luzia-Darstellung stammt von Christian Schafflhuber.

Die Legende besagt, dass sie den hungrigen Frühchristen die Brotzeit ins Katakombenversteck gebracht hat. Um die dunklen Treppen hinab etwas sehen zu können, hat sie sich einen Kranz aufgesetzt, mit Kerzen drauf. So wird sie heute noch dargestellt, als Jungfrau im weißen Gewand mit einem Lichterkranz. Sinnigerweise wurde ihr Tag auf den dreizehnten Dezember festgelegt, die Wintersonnwende im gregorianischen Kalender. Sie bringt uns das Licht zurück, in den skandinavischen Ländern wird der Tag besonders gefeiert.

Und bei uns, im Bayerischen Wald? Denn nicht nur mit der alten Mondgöttin musste es die heilige Luzia aufnehmen, sondern auch mit einer anderen wichtigen Muttergöttin, die in der Winterzeit vor allem in den Alpen, im Bayerischen und Böhmerwald, in Niederösterreich und im Burgenland sehr populär ist – die Percht. Diesen harten Wintern konnte man keine zarte Lichtjungfrau entgegensetzen, da brauchte es die wilde Jagd, um die Winterdämonen zu vertreiben, denn hier gings ums überleben.

Und so ist es zur nächsten Wandlung gekommen, von der heiligen Luzia zur bluadigen Luzier, die in der Nacht zum 13. Dezember, einer Losnacht, mit ihrer Sense umgeht. Das Attribut ‚bluadig‘ kann wohl als Menstruationshinweis gedeutet werden, die Sense als ein Symbol für die Mondsichel. Ein Ausdruck von Trotz und Mistrauen gegenüber der neuen Ordnung. Oder der (in diesem Fall gelungene) Versuch, im christlich patriarchal geprägten Weltbild das archaische im Weibsbild zu erhalten. Interessant ist auch die namentliche Verwandtschaft zu Luzifer, ebenfalls einem Lichtbringer. 

Gemeinsame Sache mit dem „Dammerl“

Zur Losnacht jedenfalls soll sie unterwegs sein, die Luzier. So wie zur ersten Rauhnacht, der Thomasnacht, der „Dammerl mit dem Hammer“. Beide auf der Suche nach armen Seelen, vornehmlich Kindern, die nachts außerhalb des schützenden Zuhauses unterwegs sind. Und beide angeblich völlig durchgeknallt. Obacht also!

da Hog’n


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