Goggersreut. „Jetzt können’s mich auf der Stelle überfahren – mehr kann in meinem Leben eigentlich nicht mehr kommen…“, dachte sich Josef Liebl vor acht Jahren nicht nur, er sprach es auch offen aus. Freilich nicht ganz ernst gemeinte Worte, die aber verdeutlichen, dass 2017 etwas ganz Besonderes im Leben des 35-Jährigen passiert sein musste. In der Tat: Nach mehr als 1.200 Kilometer Fahrstrecke und mehreren Stunden Wartezeit vor einem Filmset traf er endlich auf Schauspieler Terence Hill. Sein großes Idol gab ihm ein handsigniertes Autogramm, machte ein Foto mit ihm – und es kam sogar zu einem kurzen Gespräch. Was soll da also noch kommen?

Josef Liebl in seinem „Tempel“, einem kleinen Zimmer, in dem er all seine (Film-)Schätze gesammelt hat.

Eine postwendende Antwort auf diese Frage nimmt der Geschichte über den Mann aus Goggersreut (Marktgemeinde Röhrnbach) nur auf den ersten Blick die Spannung. Denn es ist noch so viel gekommen, dass es eine wahre Kunst ist, dabei den Überblick nicht zu verlieren.

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Bevor Josef Liebl aber mit dem Onlinemagazin da Hog’n über sein Hobby spricht, das vielmehr der zentrale Lebensinhalt, vielleicht sogar eine Art Sucht zu sein scheint, ist es ihm ein großes Anliegen, eine Begrifflichkeit zu klären.  „Ich bin kein Autogramm-Jäger. Denn ich hole mir nicht alles ohne Rücksicht auf Verluste“, unterstreicht er. „Ich bin ein Autogramm-Sammler, der auf die freundliche Art und Weise an sein Ziel kommt.“

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Der Fokus liegt zwar auf Autogrammen, der 35-Jährige sammelt aber so gut wie alles, was mit dem Thema „Film“ zu tun hat:

Ob Jäger oder Sammler – der 35-Jährige ist das, was man wohl landläufig als „Freak“ bezeichnen kann. Also einer, der von einer Sache gefangen, in ihren Bann gezogen wird. Das gibt er auch offen und ehrlich zu. Auf die süffisante Frage hin, ob er a bisserl „narrisch“ sei, schmunzelt Liebl zunächst nur, ehe er nüchtern klarstellt: „Mei, manche sammeln Briefmarken, andere reisen für den FC Bayern München um die Welt. Und mein Ding sind halt Filme und Autogramme.“ Seine Frau Christina ordnet die „Verrücktheit“ ihres Mannes etwas genauer ein: „Wir als Familie sind – auch finanziell – noch nie zu kurz gekommen. Und das werden wir auch nicht, so gut kenne ich Josef.“

8.000 DVDs, die er jeweils mehrmals gesehen hat

Seine Autogramme hat der 35-Jährige penibel in einem Ordner abgeheftet.

Sie weiß aber auch, dass ihr Mann gerne in eine andere Welt abtaucht. Und das seit seiner Kindheit. Auslöser dafür war eine Videokassette (VHS) in seiner Schultüte. Frankenstein in der Komikvariante ist darauf abgespeichert gewesen. Sie fesselte den jungen Burschen damals dermaßen, dass in der Folge eine Art Kettenreaktion ausgelöst wurde, die bis heute andauert – und die beachtliche Zahlen liefert: Rund 500 VHS-Kassetten konnte er einmal sein Eigen nennen, viele davon sind inzwischen kaputt gegangen. Sie wurden von mehr 8.000 DVDs abgelöst, die er auch alle selbst angeschaut hat – mehrmals.

In seiner Karriere als Sammler (und nicht Jäger!), gibt es einen zweiten Schlüsselmoment: Anfang der 2000er besuchte Josef Liebl mit seiner Mutter einen Auftritt von Ottfried Fischer in Passau. Mehr oder weniger zufällig bekam er vom bekannten Kabarettisten und Schauspieler ein Autogramm ausgehändigt – und die Dinge nahmen ihren Lauf. Inzwischen sind über 3.000 eigenhändige Unterschriften von bekannten Persönlichkeiten zusammengekommen. Mehrere postalische Anfragen gehen deshalb täglich raus. Knapp 200 Promis hat der Familienvater bereits persönlich getroffen.

Persönlichkeiten wie „Bully“ Herbig, Christian Tramitz, Will Smith, Otto Waalkes, Arnold Schwarzenegger, viele Akteure von „Police Academy“ und „Star Trek“ finden sich – teilweise sogar mit persönlicher Widmung in einem penibel geführten Autogramm-Ordner – darunter wider. Manche Signaturen hat Liebl auch gekauft – für bis zu vierstellige Summen und natürlich nur mit entsprechendem Zertifikat, dass es sich dabei um ein Original handelt. Es ist einiges zusammengekommen – und bis auf wenige Ausnahmen sind es überwiegend positive Erinnerungen. Sylvester Stallone gehört allerdings nicht dazu…

Ein Stachel, der bis heute tief sitzt

Für den „Rambo„-Darsteller ist der Waidler extra nach Los Angeles geflogen. Dort veranstaltete der mehrfache Oscarpreisträger ein Fantreffen, für das man – tatsächlich wahr – Eintritt bezahlen musste. Josef Liebl scheute weder Kosten noch Mühen und gönnte sich diesen Luxus, um an ein Autogramm von „Sly“ zu kommen. Doch er hatte die Rechnung ohne Stallone gemacht: Da das Ganze – es bildeten sich ewig lange Schlangen – länger dauerte, als es es „Rocky“ lieb war, verabschiedete sich dieser von jetzt auf gleich von der Bühne. Der Goggersreuter war umsonst in die USA gereist. Ein Stachel, der bis heute tief sitzt…

Nur eine kleine Auswahl: Josef Liebl mit…

Unter anderem die Schauspiel-Legenden Mel Gibson und Gerard Depardieu lindern diesen Schmerz. Und der Autogrammsammler ist einfach nur froh, dass ihn bis dato niemand überfahren hat. Denn Terence Hill war nur der Anfang von dem, was er vor acht Jahren noch nicht erahnen konnte.

Die Ziele gehen Josef Liebl gewiss nicht aus. Derzeit spart er für ein Autogramm von „Dick & Doof„, also von Stan Laurel und Oliver Hardy, das in Kenner-Kreisen für 1.200 Euro angeboten und gehandelt wird. Und mit Sylvester Stallone hat er ohnehin noch eine Rechnung offen…

Helmut Weigerstorfer

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Hier geht’s zur Webseite von Josef Liebl mit vielen weiteren Promi-Eindrücken (einfach klicken)


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