Regen. Der Schnee ist (wieder) weg – und es geht selbst in den Höhenlagen des Bayerischen Waldes in Richtung zweistellige Grade: Der diesjährige Winter scheint seinem Namen (wieder einmal) nicht gerecht zu werden. Ein Phänomen der Neuzeit? Nein! Über „abnormale“ kalte Jahreszeiten berichtet die Regener Stadtchronik, wie Heimatforscherin Annemarie Schiller recheriert hat.

Als der Winter ein Winter war: Blick von der Bodenmaiser Straße in Richtung Regener Stadtpfarrkirche. Entstanden ist dieses Foto auf Glasplatte in den 1920er Jahren. Repro: Schiller

Von 1000 bis 1300 n.C. lag die Temperatur in Bayern zirka 2 Grad Celsius über dem Durchschnitt des 20. Jahrhunderts (16 Grad). In dieser Zeit entstanden unter anderem Burg Weissenstein und der markante Turm der Regener Stadtpfarrkirche. Auch später gab es warme Winter: 1538 blühten im Januar Blumen. 1607, 1609, 1617 und 1659 hat es überhaupt nicht geschneit. In den Jahren 1672 und 1688 waren im Februar die Bäume grün. 1722 zeigte sich der Januar erneut frühlingshaft. Auch 1734 und 1746 grünten im Winter die Wiesen und blühten die Veilchen. Einen außergewöhnlich milden Winter gab es im Jahr 1807.

Werbung

Im 19. Jahrhundert hingegen verzeichnet die Regener Stadtchronik etliche kalte Winter mit viel Schnee und bis zu Minus 35 bis 37 Grad Celsius: 1812-13, 1823-24, 1844-45, 1870-71, 1874-75, 1879-80, 1891-92. Im Jahr 1867 war der Postwagen aus Deggendorf vier Tage lang auf der Rusel eingeschneit. Auch 1888 schneite es außerordentlich heftig. Es kam wiederholt vor, dass um Josefi (19. März) die Fuhrwerke noch über gefrorenen Regen und harten Schnee fahren konnten.

Werbung

Im Sommer schneite es nicht nur einmal…

1817 wurde im Mai und im Juni in den Wäldern noch Holz auf gefrorenem Boden gezogen. Schuld dran war der Vulkan Tambora in Indonesien, der durch seinen gewaltigen Ausbruch im Jahr 1815 das Klima in Europa dramatisch veränderte. In den Sommern reifte und schneite es nicht nur einmal: Ganz Nordeuropa erlebte eine deutliche Abkühlung, so dass das 19. Jahrhundert die kälteste Periode der vergangenen 1200 Jahre war.

Dass sich in den letzten 50 Jahren die Temperaturen wieder nach oben verschieben, mag zu einem Teil wirklich auf das sorglose Verhalten der Menschheit zurückzuführen sein. Es gibt aber auch Kräfte der Natur, auf die der Mensch keinen Einfluss hat. Und so kann an dieser Stelle Karl Valentin zitiert werden:

„Alle reden vom Wetter, aber keiner unternimmt was dagegen“ (Karl Valentin)

Annemarie Schiller/da Hog’n


Dir hat dieser Artikel gefallen und du möchtest gerne Deine Wertschätzung für unsere journalistische Arbeit in Form einer kleinen Spende ausdrücken? Du möchtest generell unser journalistisches Schaffen sowie die journalistische Unabhängigkeit und Vielfalt unterstützen? Dann dürft ihr das gerne hier machen (einfach auf den Paypal-Button klicken).


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert