Werbung

Regen. „Vielen Dank, dass ihr vorbeigekommen seid, uns unterstützt habt und so viele unvergessliche Erinnerungen und Erlebnisse an unserem bescheidenen ORT in Regen geschaffen habt.“ Mit diesen Worten gab Brian Lobo, der langjährige Vorsitzende des Oberstübchen e.V., vor wenigen Wochen seinen Rücktritt via Facebook bekannt. „Es war wunderbar, so viele neue, interessante und inspirierende Menschen kennenzulernen.“

Der Boden ist schon mal drin! In der Regener Bahnhofstraße entsteht derzeit direkt neben dem etablierten „Food Exchange“ der neue Umsonstladen „Good Exchange“. Fotos: Oberstübchen Regen e.V./ privat

„Das Oberstübchen ist mehr als nur ein renoviertes Gebäude“, beschreibt Lobos Nachfolgerin und neue Vorsitzende Mia Engl den Verein, der seit fast zehn Jahren das kulturelle und soziale Leben in der Kreisstadt bereichert – und ergänzt: „Es ist ein offener, gemeinschaftlicher Ort mitten in der Stadt, in der Tee ausgeschenkt und Zweifel geteilt werden. Dass hier eine Art gemeinschaftliches Zuhause entstand, ist der Sorte von Zusammenspiel zu verdanken, die entsteht, wenn Hände und Herzen anpacken – nicht nach Plan, eher im Mut zur Improvisation.“

Werbung

Unter dem Einfluss von Persönlichkeiten wie Brian Lobo habe sich das Haus zu einem Zentrum für Kultur, Kreativität und Widerrede entwickelt. „Kultur war nie nur Kulisse, sondern Brücke, oft wacklig, manchmal laut, immer getragen von der Hoffnung auf Veränderung und Begegnung“, schildert die 40-jährige Viechtacherin weiter. Die Lebendigkeit des Vereins zeigt sich ihrer Meinung nach in seinen Aktivitäten: von Konzerten und Vinyl-Abenden bis hin zum Food Exchange, der solidarisches Teilen praktiziert. „Das Oberstübchen bietet einen offenen Raum für Teilhabe und Halt, besonders in Zeiten von Isolation“, ist Mia Engl überzeugt.

Werbung

Die Kraft der Unruhe und der Mut zur Veränderung

Mia, erzähl bitte zunächst ein bisschen was über Dich. Stell dich unseren Leserinnen und Lesern gerne vor.

Mia Engl ist beruflich als Sozialarbeiterin an der Arberlandklinik Viechtach tätig.

Mein Name ist Mia Engl, ich bin 40 Jahre alt und lebe als Mutter von drei Kindern mitten in einem oft sehr bewegten Alltag. Das Leben zeigt mir dabei immer wieder, wie Wandlungen uns prägen, uns verbinden – und wie inmitten von Zweifel neue Zuversicht entstehen kann. In meinem Beruf als Sozialarbeiterin an der Arberlandklinik Viechtach erfahre ich täglich, was Menschsein bedeutet, nämlich: aufmerksam zuhören, Menschen mit Respekt begegnen und gemeinsam Lösungen suchen – gerade dann, wenn keine einfachen Antworten bereitliegen.​

Aktuell studiere ich noch und versuche mich am Master in Angewandter Psychologie. Dies weitet meinen Blick, schenkt mir Werkzeuge, um auch die drängenden Fragen unserer Zeit neugierig und analytisch anzugehen. Als Clown und Hospizbegleiterin weiß ich inzwischen, dass Lebensfreude und Mitgefühl sich nicht widersprechen. Gerade das Zerbrechliche, das Verletzliche macht Begegnungen echt. Humor schafft Brücken – aus kleinen Gesten entstehen Nähe, Hoffnung und Normalität.​

Wie würden dich Freunde beschreiben?

Menschen sagen oft, mit mir werde es nie langweilig. Vielleicht, weil ich an die Kraft der Unruhe glaube und an den Mut zur Veränderung. Jede Begegnung ist für mich eine Einladung, Wandel zu wagen – gemeinsam, menschlich und immer voller Hoffnung auf das Neue, das daraus erwachsen kann. Einer meiner Freunde beschreibt mich wie folgt:

„Du bist ein Mensch, der zuhören kann und Verständnis hat und gleichzeitig sich eine eigene Meinung bildet. Du bist ein Mensch, der keine radikalen Ideale hat – aber die Ideale, die du hast, die hältst du hoch und lässt von ihnen auch nicht ab. Du bist ein Mensch, der festhält und treu ist und der davon auch nicht abzubringen ist, da du nicht aufhören willst an das Gute im Menschen zu glauben. Du bist ein Mensch, der ein Vorbild sein kann und der sich gleichzeitig niemals auf ein Podest stellen lässt, da du dir immer der eigenen Fehlbarkeit bewusst bist. Du bist ein Mensch mit Humor, den du nie verlierst und der in der Lage ist, das eigene Missgeschick und die eigene Tragik in etwas zu transformieren, was wertvoll ist. Du bist eine warmherzige, zugewandte Humanistin. Du bist undogmatisch. Du bist viel zu fleißig – und schrecklich unfaul.“

„Wandel hält jeden Verein am Leben“

Du hast jüngst Brian Lobo, den langjährigen Vorsitzenden des Oberstübchen e.V., an der Spitze der Vorstandschaft abgelöst. Welche persönliche Motivation hat dich angetrieben, diese Rolle zu übernehmen?

Warum den Vorsitz übernehmen? Vielleicht, weil Teilhabe für mich kein abstraktes Motto und schon gar keine erlesene Beilage der Politik ist, sondern etwas sehr Greifbares. Ein Recht, das im Alltag und im Kleinen beginnt, an Türen, die offen stehen, nicht nur für die, die immer schon dabei waren, sondern gerade auch für jene, die bisher dachten: ‚Das ist nichts für mich.‘ Demokratie heißt für mich, dass jede Stimme ein Gewicht hat, dass Verantwortung nicht verteilt, sondern geteilt wird und dass Solidarität kein Luxus, sondern Normalität sein kann – und sogar muss.​

Die Renovierung der „Food-Exchange“-Außenfassade wollen die Vereinsmitglieder im kommenden Jahr in Angriff nehmen.

Dieser Wechsel ist kein Verwaltungsakt, sondern eine physiologische Bewegung – Wandel ist doch das, was jeden Verein am Leben hält. Mein Fokus liegt auf einem inklusiven, kreativen und offenherzigen Miteinander, das soziale, künstlerische und philosophische Impulse verbindet. Vielleicht auch, weil ich daran glaube, dass ein Verein nicht durch perfekte Strukturen, sondern durch mutige Versuche und gelebte Offenheit wächst.

Warum ist es eigentlich zum Wechsel in der Vereinsführung gekommen?

In jedem Verein, der lebendig bleibt, sind Wandel und neue Impulse unerlässlich. Nach Brians langjährigem Engagement ist es doch nur organisch, den Staffelstab weiterzugeben. Brian hat sich bewusst gegen eine Wiederwahl entschieden – nicht aus Rückzug, sondern weil Weitergeben auch Vertrauen heißt, an die Gemeinschaft, an neue Impulse, an das, was aus geteiltem Engagement entsteht. Gerade in einer Region wie Regen, in der Tradition und Erneuerung meist eng verwoben sind, ist dieses offene Staffelstab-Prinzip mehr als Formalität; es ist doch Bedingung dafür, dass Verantwortung geteilt und Entwicklung miteinander gestaltet wird. Niemand trägt allein – Gemeinschaft ist das Versprechen, das Wechsel bedeutet: ‚Wir tragen das jetzt zusammen.‘

Welche neuen Akzente möchtest Du setzen, ohne die bisherige Linie des Oberstübchens zu verlieren?

Mir ist wichtig, dass der Verein wirklich demokratisch gedacht und gelebt wird. Mitgestaltung soll zum Prinzip werden. Beteiligung soll sich darin zeigen, dass jede Idee zählt und jede Hand gebraucht wird und jeder Zweifel einen Platz am Tisch und im öffentlichen Raum bekommt. Die künstlerische und soziale Linie des Oberstübchens bleibt mir sehr am Herzen und ist essentiell – sie ist das Fundament, auf dem ich klar für einen niederschwelligen Zugang und für generationenübergreifende Projekte einstehe. Gerade junge Menschen möchte ich wieder stärker ins Zentrum rücken, denn ihre Fragen sind die Saat der Veränderung.​

„Nicht nur bürokratisch, sondern manchmal auch entmutigend“

Künstlerische und soziale Projekte stehen seit jeher im Mittelpunkt des Oberstübchen-Vereins. Sollen beide Komponenten auch weiterhin die Vereinsarbeit im Wesentlichen prägen?

Ja, weil Künstlerisches und Soziales im Bayerischen Wald Lebendigkeit und Zusammenhalt stiften. Die Region hat viel an Tradition und Kultur, aber Gemeinschaft wächst, wo Kreativität soziale Wirklichkeit berührt. Kunst ohne gesellschaftliche Relevanz bleibt leer, soziales Engagement ohne kreative Energie wirkt schnell erschöpft. Beide Komponenten nähren doch einander. Sie machen das Oberstübchen zu einem Ort, an dem Menschen sich zeigen, zuhören und gemeinsam experimentieren können.

Die Home-Base des Vereins in der Regener Bergstraße.

Im ländlichen Raum sind Fördergelder und die Bindung eines breiten Publikums oft nicht einfach. Wo siehst du aktuell die größten Herausforderungen für den Verein?

Die größte Herausforderung ist – neben den organisatorischen Hürden – vor allem die scheinbare Distanz, die hier im Bayerischen Wald oft spürbar wird. Viele Menschen erleben Kultur und ehrenamtliches Engagement als ‚etwas für andere‘ – etwas, das keinen Bezug zum eigenen Leben hat oder als Luxus empfunden wird. Das hat viel mit alten Bildern und Zwängen zu tun, aber auch mit einer Region, in der das Hier und Jetzt oft hinter dem Bewahren der Tradition zurücktritt.​

Hinzu kommt die Realität der Fördermittel: Sie sind rar gesät und die formalen Bedingungen, die erfüllt werden müssen, sind nicht nur bürokratisch, sondern manchmal auch entmutigend. Gerade kleine, unabhängige Vereine fühlen sich oft ausgesperrt von einem System, das auf Masse und Übersichtlichkeit setzt, während Engagement hier eher in vielen kleinen, persönlichen und regionalen Initiativen lebt. Deshalb ist es mir ein Anliegen, Barrieren nicht nur im Kopf zu senken – also Mut für neue Ideen zu machen –, sondern auch ganz konkret im Organisatorischen zu helfen, durch Beratungen, niedrigschwellige Angebote und den Versuch, Anträge gemeinsam zu durchschauen, statt daran zu verzweifeln.​

Die Aufgabe ist nicht, ein glattes Kulturangebot zu installieren, sondern einen lebenswirklichen Möglichkeitsraum zu schaffen, in dem Beteiligung beginnt und Veränderung sichtbar wird – direkt vor der eigenen Haustür. Teilhabe ist für mich kein Lippenbekenntnis, sondern das tiefe Recht, mitzufragen, mitzuwirken und Gesellschaft an Ort und Stelle mitzugestalten.

„Oberstübchen versteht sich als offener Möglichkeitsraum“

Welche Strategien können Deiner Meinung nach verfolgt werden, um neue Mitglieder und jüngere Zielgruppen für das Oberstübchen zu gewinnen?

„Wenn ein Konzert oder beim Auflegen Vinyl durch die Räume klingen, wird Teilhabe ein lebendiges Tun.“

Ich setze auf Offenheit und Vertrauen. Zuhören, Beteiligung ermöglichen, Verantwortung übertragen. Für junge Menschen heißt das, konkrete Projekte umzusetzen, die zu ihrem Leben passen und ihnen Gestaltungsspielräume eröffnen. Der Verein soll kein geschlossener Kreis sein, sondern eine Gemeinschaft, die wächst, weil viele Hände und Ideen willkommen sind.

Das Oberstübchen-Programm ist sehr vielfältig. Gibt es Schwerpunkte, die du in den kommenden Jahren setzen möchtest – beispielsweise mehr lokale Künstler, eine stärkere Fokussierung auf digitale Formate oder spezielle Veranstaltungsreihen?

Mir ist besonders wichtig, Räume zu schaffen, in denen junge Menschen neugierig werden, sich mitgestaltend einbringen und entdecken, wie Demokratie im Alltag gelebt wird. Ich wünsche mir Projekte, bei denen Schülerinnen und Schüler, Familien und ältere Menschen gemeinsam etwas aufbauen, voneinander lernen und Debatten führen, die sonst nicht stattfinden würden. Demokratiebildung ist auch für mich, wenn Menschen sich begegnen und gemeinsam Verantwortung übernehmen. Dabei sollen genauso generationenübergreifende Formate wachsen: Workshops, bei denen Großeltern und Enkel zusammenarbeiten, offene Bühnen für Jugendliche und Erwachsene, Gesprächsrunden, bei denen Erfahrung auf frische Perspektiven trifft. So bleibt das Oberstübchen lebendig – als ein Ort für Vielfalt, indem es als Alltagserfahrung Wirkung zeigt.

Welche Rolle spielt der Verein in einer Region, in der politische und gesellschaftliche Debatten mitunter polarisiert sind? Wie kann die Bühne des Oberstübchens für den demokratischen Diskurs genutzt werden?

„Unsere Bühne ist ein Schutzraum für den demokratischen Diskurs.“

Das Oberstübchen versteht sich als ein offener Möglichkeitsraum, besonders in Zeiten und Regionen, in denen die Debatten zunehmend polarisieren. In einer derartigen Gesellschaft ist es doch entscheidend, Brücken zu bauen statt Gräben zu vertiefen. Der Verein stellt sich klar gegen Ausgrenzung und für eine demokratische, solidarische und vielfältige Gemeinschaft.

Unsere Bühne ist ein Schutzraum für den demokratischen Diskurs. Hier begegnen sich unterschiedliche Generationen, Überzeugungen und Lebensentwürfe mit Respekt und Interesse füreinander. Wir ermöglichen Veranstaltungen, in denen die offene Auseinandersetzung willkommen ist – in Form von Diskussionsabenden, politischen Kulturveranstaltungen, generationsübergreifenden Projekten und kreativen Aktionsformaten.

Dabei ist unser Anspruch, Diskurs nicht als Polarisierung zu betreiben, sondern als Einladung zur Mitgestaltung. Jede und jeder kann sich einbringen, Fragen stellen, Zweifel äußern, miteinander ins Nachdenken kommen. Wir glauben, dass Demokratiebildung beginnt, wo Menschen im Kleinen erleben, dass auch ihre Stimme zählt, auch ihr Beitrag einen Unterschied macht. So soll das Oberstübchen ein Ort bleiben, an dem Toleranz, Vielfalt und Dialog sichtbar und selbstverständlich werden.

„Es geht doch ums Teilen des Lebens selbst“

Stichwort „Food Exchange“: Wie geht’s hier weiter?

„Wesentliche Anliegen sind Toleranz, Antirassismus, CSD und Diskurs. Diese Werte sind nicht nur PR, sondern Teil des ständigen Versuchs, die Welt poröser zu gestalten – auch wenn diese Offenheit bisweilen aneckt.“

Der Food Exchange ist inzwischen ein fester Ankerpunkt. Ein Ort, an dem nicht nur Lebensmittel, sondern auch Wertschätzung und gegenseitiges Vertrauen im Umlauf sind. Was jetzt neu entstehen soll, ist ein weiterer, ganz praktischer Raum für Alltagsgegenstände und Kleidung: der Good Exchange. Die Idee dahinter ist, noch mehr Menschen niedrigschwellig einzuladen, zu geben und zu nehmen, was gebraucht oder vermisst wird – ganz ohne Hürden oder Vorbehalte.​

Der neue Good-Exchange- und Food-Exchange-Raum soll zukünftig mehr sein als ein Second-Hand-Lager und Lebensmittelabgabe. Es geht um einen sozialen Treffpunkt. Einen offenen Ort, an dem Menschen sich begegnen, miteinander sprechen, Freude teilen, Nöte adressieren und sich gegenseitig stärken. Gerade weil im Bayerischen Wald Distanz und Zurückhaltung häufig die ersten Reaktionen sind, sehe ich darin eine echte Chance für uns alle! Hier kann man ins Gespräch kommen, sich kennenlernen und merken, wie viel jede einzelne Begegnung wert ist – unabhängig vom Kontostand oder Status.​

Solche Räume schaffen neue Alltagsverbindungen. Sie helfen, Barrieren zu senken, sowohl im Kopf als auch im praktischen Leben. Man entwickelt gemeinsam Ideen, reagiert auf Sorgen, lacht zusammen und entdeckt die Solidarität im Kleinen. So werden aus Food Exchange und Good Exchange keine bloßen Projekte, sondern tragende Säulen für ein Miteinander, das über das Teilen von Sachen hinausgeht, es geht doch ums Teilen des Lebens selbst.

Wie wichtig ist dir die Zusammenarbeit mit anderen regionalen Kulturträgern, Schulen oder Institutionen?

Die Kooperation mit anderen Initiativen ist für uns essenziell. Gerade im ländlichen Raum ist es wichtig, Kräfte zu bündeln – sei es mit Kulturvereinen, Jugendtreffs oder den Schulen rund um Regen. Gemeinsame Projekte, Workshops oder generationsübergreifende Angebote verbinden Menschen und schaffen Synergien, die weit über den Verein hinaus wirken.

„So entstehen Plattformen für Austausch und Mitgestaltung“

Welche Möglichkeiten siehst du, das Oberstübchen noch stärker im Stadtleben von Regen zu verankern?

„Die Kraft des Oberstübchens liegt in den Menschen und ihren widersprüchlichen Ideen, die das Haus mit Leben füllen – sei es durch ein Reparaturcafé, ein veganes Buffet oder einen politischen offenen Raum.“

Das Oberstübchen kann noch sichtbarer werden, indem es offen bleibt für lokale Themen, Anlässe und die Beteiligung vieler Gruppen. Stadtbezogene Aktionen, Mitmachformate im öffentlichen Raum, Kooperationsveranstaltungen mit lokalen Initiativen oder vielleicht sogar ein regelmäßiger Austausch z.B. auch auf dem Stadtplatz – das alles kann doch helfen, das Oberstübchen als Treffpunkt und Möglichkeitsraum für viele zu etablieren.

Die Räumlichkeiten in der Bergstraße 5 sind die Heimat des Oberstübchens. Sind bauliche oder konzeptionelle Änderungen dort angedacht, um den Ort zukunftsfähig und noch attraktiver zu gestalten?

In den Räumen der Bergstraße 5 wird immer wieder improvisiert und neu gedacht – gerade weil hier auch die Bedürfnisse und Ideen der jungen Menschen in Regen wichtig sind. Jugendliche sollen mitreden und eigene Themen einbringen – etwa Nachhaltigkeit, Musik, digitale Formate oder gesellschaftliche Fragen, die sie bewegen. Flexible und offene Strukturen bleiben das Ziel – auch um Räume zu schaffen, in denen Generationen voneinander lernen und neue lokale Initiativen wachsen können.​

Für die Zukunft stelle ich mir vor, gezielt gemeinsame Projekte mit Schulen und Ausbildungsstätten zu entwickeln, Themen wie Umwelt, regionale Identität und gesellschaftliche Vielfalt zu vertiefen und dabei auch barrierefreie Orte für Begegnung zu schaffen. So entstehen Plattformen für Austausch und Mitgestaltung – und vor allem Räume, in denen Jugendliche erleben, wie viel ihre Stimme und ihr Engagement im eigenen Ort bewirken kann. Der Good Exchange und ähnliche Projekte sollen so auch zu Treffpunkten werden, an denen junge und alte Regener und Regenerinnen sich begegnen und die aktuellen Themen der Region gemeinsam anpacken.

Wie werden nach dem Führungswechsel im Vereinsvorstand künftig das Oberstübchen-Team und die ehrenamtlichen Helfer in die Entscheidungsfindung eingebunden?

Nach dem Wechsel im Vorstand ist mir besonders wichtig, dass Beteiligung und Mitgestaltung tatsächlich gelebt werden. Ehrenamtliche werden aktiv eingebunden – durch regelmäßige Treffen, offene Plenen und Entscheidungswerkzeuge, die Transparenz und Mitbestimmung ermöglichen. Das Team muss den Verein mitgestalten können; gemeinsame Planung ist für mich die Basis.

„Regionale Distanzen und innere Schwellen überwinden“

Der Oberstübchen e.V. feiert ja in nicht allzu weiter Ferne (2027) sein zehnjähriges Bestehen. Ist fürs Jubiläum bereits etwas Spezielles in Planung?

Die Gesichter des Regener Oberstübchens (v.l.): Johannes Jordan (Schriftführer), Christian Friebe (2. Vors.), Mia Engl, Brian Lobo und Karl Fischer (Kassier).

Das zehnjährige Jubiläum 2027 wird mit Sicherheit ein Anlass sein, das bunte Potenzial des Oberstübchens zu feiern. Konkrete Pläne gibt es noch nicht, aber im Raum stehen Aktionen mit Rückblick und Ausblick, große Projekte mit Musik, Kunst, Begegnung und viel Beteiligung von Mitgliedern, Freunden und Freundinnen.

Wenn Du in zehn Jahren auf Deine Zeit als Vorsitzende zurückblickst: Welche eine große Veränderung oder Errungenschaft möchtest Du dann für das Oberstübchen erreicht haben?

Wenn ich in zehn Jahren zurückblicke, dann möchte ich das Oberstübchen als einen Raum sehen, der sich nicht auf Veranstaltungen und Programme begrenzen ließ, sondern im Alltag Mut und Austausch tatsächlich gelebt wurde. Mein größter Wunsch bleibt, dass es ein Ort geworden ist, an dem junge und alte Menschen, Zuversichtliche und Zweifelnde Platz gefunden haben – in einem offenen Raum, der regionale Distanzen und innere Schwellen überwinden half. Also ein Haus für alle!

Wenn ich dann sagen kann, dass hier Begegnung Normalität, Zuhören eine Kultur und Mitgestaltung eine Haltung geworden sind, wäre das für mich die schönste Errungenschaft. Vielleicht bleibt als Spur ein bisschen mehr Vertrauen und Offenheit und das Bewusstsein, dass Wandel und Veränderung im Kleinen und bei jedem Einzelnen beginnt und dass Gemeinschaft wirklich getragen werden kann – auch dort, wo vorher Distanz war.

Vielen Dank für deine Zeit und Antworten – und alles Gute für die kommenden Jahre!

die Fragen stellte: Stephan Hörhammer

______________

Wer den Oberstübchen e.V. und seine Menschen gerne kennenlernen möchte, hat bei der offenen Mitgliederversammlung am Sonntag, 7. Dezember 2025 (18 Uhr) dazu Gelegenheit. Jeder ist willkommen!


Dir hat dieser Artikel gefallen und du möchtest gerne Deine Wertschätzung für unsere journalistische Arbeit in Form einer kleinen Spende ausdrücken? Du möchtest generell unser journalistisches Schaffen sowie die journalistische Unabhängigkeit und Vielfalt unterstützen? Dann dürft ihr das gerne hier machen (einfach auf den Paypal-Button klicken).


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert