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Zandt. Vergesst alles, was ihr über bayerische Musik zu wissen glaubtet! Die Joe Oldman Band hat vor ein paar Wochen ihr mit Spannung erwartetes Debütalbum „JOB1“ in die Welt geschleudert – ein markerschütterndes Statement, das beweist: „Da oanzig Weg zum Frieden is Rock’n’Roll!“

„Rock’n’Roll is ned tot – er redt nur Bairisch“: Die Joe Oldman Band mit (v.l.) René Preiss (Bass), Christian Schröder (Leadgitarre), Joe Oldman (Gesang und Gitarre) und Tom Krottenthaler (Schlagzeug). Foto: Phil Vetter

Nachdem Frontmann Joe Oldman 2024 mit seinem fein arrangierten Solodebüt „Weider immer weida“ begeisterte (da Hog’n berichtete), gibt es jetzt die volle Dosis Live-Band-Wucht. „JOB1“ ist ein wilder, kompromissloser Ritt, der den 70er-Bluesrock-Spirit mit Hard Rock und einer gehörigen Prise bissigem, augenzwinkerndem Humor verschmilzt. Das Ergebnis? Ein Album, das kracht, lacht und tief bewegt. Denn trotz aller Party-Attitüde zieht sich ein starkes Motiv durch die acht Songs: Hoffnung. Oder wie Oldman es formuliert: „So sehr die Welt auch brennen mag – man findet immer einen Funken Hoffnung – und Rock’n’Roll ist unser Katalysator.“

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Die 2022 gegründete Band aus Zandt im Landkreis Cham, die sich mittlerweile auf der Bühne einen Namen erspielt hat, liefert mit „JOB1“ ein Werk voller stilistischer Vielfalt ab. Wir haben uns mit Joe Oldman darüber unterhalten und vom 30-jährigen Blaibacher u.a. erfahren, welche Bands und Künstler auf das Album inspirierend einwirkten, welche musikalischen Elemente für die Produktion entscheidend waren und warum’s sprachlich betrachtet eigentlich nur eine Wahl gibt…

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„Wir alle sind tief in den 70ern verwurzelt“

Joe: Nach Deinem Soloalbum “Weida, immer Weida” (2024) folgt nun das Debüt der „Joe Oldman Band“. Was war der entscheidende Impuls, mit voller Band-Power ins Studio zu gehen? Und wie hat sich der kreative Prozess dadurch im Vergleich zu Deiner Soloarbeit verändert?

Nach der Aufnahme meines Solo-Debütalbums hatte ich plötzlich eine Band beinander. Das wollte ich beim nächsten Album nutzen und Songs aufnehmen, die nach Band klingen und das Live-Feeling transportieren. Der kreative Prozess war daher deutlich lebendiger: die Songs kamen zwar von mir, aber jeder hat seinen eigenen Stempel draufgedrückt.

Das neue Album „JOB1“ gilt als explosive Mischung aus 70er-Bluesrock, Hard Rock und einem Schuss Psychedelic. Welche Bands und Künstler waren für Dich während der Entstehung des Albums die wichtigsten musikalischen Fixpunkte und Inspirationsquellen?

Wir alle sind tief in den 70ern verwurzelt. Bei uns sind das Bands wie Led Zeppelin, Deep Purple, Black Sabbath – nur, um die wichtigsten zu nennen. Das schwingt einfach immer mit. Aber auch modernere Bands mit demselben Spirit wie Rival Sons oder The Black Keys schleichen sich da immer wieder mit rein.

Würde denn die „Joe Oldman Band“ auch auf Hochdeutsch oder Englisch funktionieren? Oder ist der Dialekt eine der tragenden Säulen?

Die ersten Songwriting-Versuche waren tatsächlich auf Englisch. Dann aber habe ich das Bairische für mich entdeckt und gemerkt, welche Wucht der Dialekt in Kombination mit Rockmusik haben kann. Heißt aber nicht, dass Englisch komplett raus ist. Mit A Way to Fly haben wir erst kürzlich wieder einen englischen Song ins Set genommen. Hochdeutsch kann ich mir im Moment allerdings nicht vorstellen…

„Das erste Kapitel einer hoffentlich langen, erfüllenden Reise“

Du sagst, die Texte spiegeln die Spannungen unserer Zeit wider, behalten aber den gewissen Funken Hoffnung. Wie schaffst du’s, diese oft schweren oder gesellschaftskritischen Themen – wie etwa in “Hoffnung (fia unser Zivilisation)” – mit dem unbeschwerten und humorvollen Rock ’n‘ Roll-Ansatz des Albums zu vereinen?

Das Leben ist doch genau das: schwer und leicht zugleich – ernst und dann wieder spielerisch. Wir greifen daher auch Themen wie Sinnsuche oder gesellschaftliche Missstände auf, verlieren dabei aber nie den Humor. Rock’n’Roll ist da unser Ventil. Oder wie wir’s in unserer ersten Single Dastunga und Dalong sagen: Da oanzig Weg zum Frieden is Rock’n’Roll!

„JOB1“ – das klingt sehr direkt und fast schon nach einem Arbeitstitel. Was steckt hinter dieser bewussten (?) Wahl des Titels für das erste gemeinsame Werk und welche Bedeutung gibst Du ihm im Nachhinein?

Ein bisschen haben wir uns da tatsächlich an der ‚kreativen‘ Tradition unserer Vorbilder orientiert: Led Zeppelin 1–4, Van Halen 1–3 und so weiter. In unserem Fall hat sich JOB1 einfach angeboten, quasi noch kreativer (grinst). Gleichzeitig ist es aber auch ehrlich: Musik machen ist zwar unser Traum, aber eben auch eine Menge Arbeit. JOB1 ist für uns das erste Kapitel einer hoffentlich langen, erfüllenden Reise.

Dastunga und Dalong“ – die Joe Oldman Band mit ihrem Live-Auftritt am Viechtacher Bürgerfest: 

Ihr habt die Songs intensiv live geprobt, bevor ihr ins Studio gegangen seid. Inwiefern hat das Feedback des Publikums bzw. das Gefühl der Live-Performance die finalen Arrangements und die Produktion der acht Tracks im Studio von Benedikt Hain beeinflusst?

Sehr stark. So ein Song ist ja nicht in Stein gemeißelt, sobald er geschrieben wurde. Er wächst mit der Zeit und jedem Auftritt. Ich selbst variiere oft Betonungen und Rhythmen in den Texten – und man merkt auch schnell, wo das Publikum mitgeht und wo man noch nachschleifen kann.

„So leicht steckt man uns nicht in eine Schublade“

Das Album wird als „energetisch“ und „krachend“ beschrieben. Welche musikalischen Elemente – sei es ein spezielles Gitarren-Setup, ein bestimmter Drum-Sound oder die Herangehensweise an die Vocals – waren für euch entscheidend, um diese rohe Live-Energie auf die Studioplatte zu bannen?

Das Wichtigste war diesmal: nicht überproduzieren. Bei den Gitarren haben wir es beispielsweise ganz bewusst bei zwei, drei Gitarrenspuren belassen. Das klingt, als stünde man direkt vor der Bühne. Unser Produzent Benedikt Hain hat genau verstanden, wie man diese rohe Energie einfängt. Das Ergebnis klingt – wie ich finde – ehrlich und direkt.

Die vorab veröffentlichten Singles “Dastunga und Dalong”, “Kas-Fan” und “Hoffnung” sind stilistisch sehr unterschiedlich. War es Absicht, diese stilistische Vielfalt des Albums durch die Vorabsongs zu demonstrieren? Oder hat sich die Wahl einfach aus der Beliebtheit der Tracks ergeben?

Ja, absolut. Wir wollten unsere gesamte Bandbreite von Blues, Hard-Rock über Country bis hin zu Southern-Rock zeigen – und das hört man auch am gesamten Album. So leicht steckt man uns eben nicht in eine Schublade (grinst)

Nach dem „JOB1“-Debüt: Wie sehen die nächsten Schritte der Joe Oldman Band aus? Gibt es bereits Ideen für „JOB2“? Oder liegt der Fokus jetzt voll auf der Live-Umsetzung des Albums?

Ideen gibt’s immer in meinem Kopf. Momentan nutze ich unsere Tourpause, um an meinem zweiten Soloalbum weiterzuarbeiten. Aber auch das nächste Band-Album JOB2 wird, denke ich, nicht ewig auf sich warten lassen…

Nichts bleibt – weder das Gute noch das Schlechte

Wenn Du einen Song aus JOB1 auswählen müsstest, der die Botschaft und den Geist der Joe Oldman Band am besten zusammenfasst – welcher wäre das – und warum?

Das wäre wohl der epische und krachende Closing-Track des Albums Moang is a no a Dog. Die Botschaft begleitet mich schon lange und trägt mich gewissermaßen durchs Leben: Auch wenn heute gar nichts läuft – morgen ist immer ein neuer Tag, an dem man neu anfangen kann. Nichts bleibt – weder das Gute noch das Schlechte.

Ein schönes Schlusswort. Vielen Dank für deine Zeit – und weiterhin alles Gute!

die Fragen stellte: Stephan Hörhammer

 


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