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Liebe Fußballfreunde im Woid, als Ur-Bayer blickt man natürlich auch nach Giesing, zum TSV 1860 München. Natürlich verfolge ich die Sechzger. Ich kann mich noch an die Derbys zu meiner aktiven Zeit erinnern. Jedes Mal war das Olympiastadion restlos ausverkauft. Jedes Mal herrschte eine besondere Stimmung. Umso bitterer ist es, dass die Löwen nicht mehr so richtig hochkommen. Aber für die Bundesliga und auch für den FCB wäre es schon schön, wenn 1860 wieder einmal erstklassig spielen würde.

„Auges dritte Halbzeit“ – die neue Fußball-Rubrik auf hogn.de.

Warum und wieso die Giesinger nicht mehr so richtig auf die Füße kommen, kann ich nicht sagen. Das ist wohl unerklärlich, ein Phänomen. Aber so wie Sechzig geht es ja vielen Traditionsvereinen. In der 2. Liga, in der 3. Liga, in der Regionalliga: Überall finden sich Clubs wieder, die eine unglaubliche Infrastruktur und eine noch größere Vergangenheit haben. Das Theater rund um 60-Präsident Gernot Mang zuletzt habe ich gar nicht so richtig mitbekommen, was für sich spricht. Ich würde ihn auch nicht erkennen, wenn er mir über den Weg läuft…

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Es fehlt inzwischen vielerorts an ehemaligen Fußballern an der Spitze von Vereinen. Ich verstehe es nicht unbedingt, warum Legenden wie Schweinsteiger und Lahm keine Führungsrollen übernehmen wollen. Ich bin heute noch beim FC Bayern München als Botschafter angestellt – und bin froh drüber. Mir macht das Spaß. Ich bin stolz, dass ich noch erkannt und gebraucht werde. 

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Wie schätzt er sich selber ein?

Bayerische Duelle mit dem FC Arsenal sind Europapokal-Klassiker. 2013 beim Gastspiel der „Gunners“ in der Allianz Arena war das Onlinemagazin da Hog’n mittendrin

Aber vielleicht hängt es wirklich damit zusammen, dass die jüngeren Generationen während ihrer Karriere deutlich mehr verdient haben als ich während meiner Laufbahn. Auch zu meiner Zeit hat man gutes Geld bekommen, aber nicht diese Summen, die dazu beitragen, dass man mit Mitte 30 ausgesorgt hat. Deshalb sind Spieler der 80er und 90er dem Fußball als Trainer oder Funktionär verbunden geblieben. Freilich aus finanziellen Gründen – aber auch, weil sie die gewisse Erfahrung und den nötigen Ehrgeiz mitgebracht haben.

Am Beginn seiner Karriere steht Lennart Karl – und ich glaube wie viele andere auch, dass er ein ganz Großer wird. Dafür, dass er gehypt wird, kann er nichts. Das soll und darf auch keinen Einfluss auf ihn haben, weshalb er die richtigen Leute um sich versammeln muss. Er ist ein Ausnahmetalent, keine Frage. Wichtig, um es an die Weltspitze zu schaffen, ist aber auch der Charakter. Wie schätzt er sich selber ein? Glaubt er bereits jetzt, der Größte zu sein? Auch zu meiner Zeit gab es Spieler, die in jungen Jahren abgehoben sind. Ich hoffe, er bleibt auf dem Boden! Denn von der Qualität her kann er den FC Bayern über Jahre hinweg prägen…

…nicht nur lang-, sondern auch kurzfristig. Mich freut’s, dass inzwischen wieder mehr Spieler den Sprung vom Nachwuchs in die Bundesliga-Mannschaft schaffen. Das liegt einerseits daran, dass es von oben herab so gewünscht wurde. Und anderseits, weil sich Qualität eben immer durchsetzt – und nun scheinbar wieder mehr vorhanden ist. Ganz so einfach ist es nämlich auch nicht als Cheftrainer bei dem Titeldruck, der bei Bayern herrscht, Jugendspieler ins Team einzubauen. Es muss immer geliefert werden, sonst wackelt ziemlich schnell der Stuhl…

Das gefällt Uli Hoeneß gewiss!

Der FC Bayern ist derzeit richtig gut aufgestellt – in allen Bereichen. Das gefällt Uli Hoeneß gewiss, wird doch sein eingeschlagener Weg weiter verfolgt. Man gibt nur so viel aus, wie man hat. Man braucht keine Scheichs aus Saudi Arabien, um über die Runden zu kommen. An der Säbener Straße wird vernünftig gewirtschaftet. Alles, was aufgebaut worden ist, wurde hart erarbeitet. Und genauso soll es sein!

Alles in allem sind die Bayern bereit für den FC Arsenal am Mittwochabend. Ich schaue mir die FCB-Spiele an, aber auch einige Trainingseinheiten. Und was ich bisher gesehen habe, überzeugt mich. Die derzeitige Mannschaft ist auch tatsächlich eine Mannschaft. Selbst der Ausfall des gesperrten Luiz Diaz kann kompensiert werden – durch das Kollektiv. Das Team ist gierig, weshalb ich mir auch nicht vorstellen kann, dass im Laufe der Saison ein Gang zurückgeschaltet wird. Paris war ein Highlight, auch Arsenal wird eins werden. Mein Tipp: 1:1 – und das wäre wie ein Sieg in England, beim aktuellen Spitzenreiter der Premiere League…

Bis demnächst: Euer Klaus Augenthaler

(Aufgezeichnet: Helmut Weigerstorfer)

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Für das Onlinemagazin da Hog’n blickt Klaus „Auge“ Augenthaler im Rahmen seiner Kolumne „Auges dritte Halbzeit“ auf den großen (nationalen und internationalen) Fußballzirkus, ohne dabei den Blick auf die Amateure zu vergessen. Nur für den Fall, dass den 68-Jährigen irgendjemand nicht kennen sollte: Der gebürtige Fürstenzeller, dessen Heimatverein der FC Vilshofen ist, blickt auf eine Weltkarriere zurück – als Spieler und Trainer.

Er ist unter anderem Weltmeister (1990) sowie mehrmaliger Deutscher Meister und Pokalsieger. Eng verbunden ist sein Name mit dem des FC Bayern München. Für den Rekordmeister bestritt der Libero zwischen 1976 und 1991 insgesamt 404 Pflichtspiele. Später war er zudem sechs Jahre als Trainer an der Säbener Straße aktiv. Er weiß also, was „Mia san Mia“ bedeutet…


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