Ringelai. Andreas „Andi“ Frisch ist Wirt mit Leib und Seele. Und eben weil die Gastronomie seine Leidenschaft ist, ist er auch bereit, für sie zu leiden. Aber nicht bedingungslos – und erst recht nicht grenzenlos. Genau deshalb zieht der 59-jährige Büchlberger schweren Herzens, aber auch mit einer gewissen Erleichterung zum Jahresende einen Schlussstrich unter das Kapitel „Wirtshaus zur Ohe„ (ehemals: „Landhotel Koller„) in Ringelai. Er hat nun „umsatzbedingt“ seinen Pachtvertrag mit dem Besitzer des Hauses, der Gemeinde Ringelai, gekündigt.
Ein Bild aus besseren Tagen: Andi Frisch (3.v.r) und sein „Ohe“-Team.
Das für ihn nun bald endende Kapitel im Schmalzdobl hinterlässt einen bitter enttäuschten Andi Frisch. Im Mai 2024 war er mit großen Ambitionen und großem Engagement angetreten, um das weitum bekannte Wirtshaus in der Perlesreuter Straße aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken. Die gut eineinhalb Jahre haben aus dem Glaubenden einen Zweifelnden und Deprimierten werden lassen. „Der Zulauf in Ringelai ist einfach zu gering. Zudem hat mich die Gemeinde so gut wie gar nicht unterstützt – nun haben sie sogar noch die Weihnachtsfeier bei mir abgesagt.“
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Erschwerend sei hinzu gekommen, dass die „Gäste immer anspruchsvoller“ werden und „die Umsatzsteuer von sieben Prozent auch nicht kommt“. Insgesamt ist Andreas Frisch – daraus macht er kein Geheimnis – am Ende seiner finanziellen, physischen und psychischen Kräfte. Zuletzt versuchte er noch einmal alles, führte unter anderem mehrere Aktionswochen durch – jedoch vergeblich. „Ich kann nicht mehr“, wählt er eindeutige Worte.
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„Die Gastronomie steht am Abgrund“
„Wir bedauern die Entwicklung und wünschen ihm für zukünftige Projekte alles Gute“, spricht Bürgermeisterin Dr. Carolin Pecho ihrem scheidenden Pächter insgesamt Mut zu. „Er hat mich am Freitag mündlich informiert und am Mittwoch ist es schriftlich eingegangen, dass das Ende wohl wirtschaftliche Gründe hat.“
Andreas Frisch wühlt sein gastronomisches Scheitern in Ringelai auf. Das wird nicht nur im Gespräch deutlich, sondern auch im Rahmen eines emotionalen Textes, den er über seine Social-Media-Kanäle verbreitet hat – und der auch dem Hog’n vorliegt:
„Jetzt hats auch uns erwischt…“ – mit diesen Worten gibt Andreas Frisch das emotionale Ende des Wirtshaus „zur Ohe“ via Facebook bekannt. Foto: FB
„Die Gastronomie in unserem Lande steht am Abgrund – besonders in unseren Dörfern. Immer mehr Gasthäuser, Wirtshäuser und Dorfrestaurants schließen ihre Türen. Was früher der Mittelpunkt des Lebens war, wo Menschen noch lachten, Feste feierten, sich austauschten und Gemeinschaft erlebten, steht heute leer und verlassen. Wo bleibt der gesellige Ort des Zusammenlebens im Dorf?
Das Wirtshaus war nie nur ein Ort zum Essen und Trinken. Es war der Treffpunkt für Jung und Alt, das Wohnzimmer des Dorfes, der Ort, an dem man sich gesehen, gehört und gebraucht fühlte.
Eine der traurigsten Folgen des Wirtshaussterbens betrifft unsere älteren Mitmenschen. Wo sollen sich unsere Rentner noch treffen, wenn es das Dorfwirtshaus nicht mehr gibt? Viel von ihnen sitzen heute allein zu Hause, ohne Gespräch, ohne Gesellschaft, ohne den kleinen Alltagstreff, der ihr Leben lebenswert machte. Sie vereinsamen still, werden vergessen – weil der Ort, der sie verband, verschwunden ist.
Das Wirtshaus war für viele nicht nur Luxus, sondern Lebensfreude, Zugehörigkeit und Heimat. Rettet Eure Dorfwirtshäuser! Denn bald ist es aus für die Dorfgaststätten, für die Dorfrestaurants – und dann spielt sich alles nur noch in der Stadt ab. Wenn wir jetzt nicht handeln, verlieren wir nicht nur Betriebe, sondern auch Herz, Seele und Identität unserer Dörfer.
Das Dorfwirtshaus ist das Herz des Dorfes – ein Ort des Miteinanders, der Wärme, der Gemeinschaft. Wenn sie verschwindet, verliert das Dorf seine Seele.“
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1 thought on “„Ich kann nicht mehr“: Ringelaier Wirt Andi Frisch gibt auf”
Mein Eindruck ist, dass sich etwas die Spreu vom Weizen trennt bei den Wirtshäusern und Restaurants.
Durch die massiv gestiegenen Preise seit Corona überlegen sich die Leute zweimal, wo sie hingehen (wenn teuer dann zumindest gut und ein schönes Lokal). Entsprechend geht bei den angesagten Lokalen weiterhin ohne Reservierung nichts.
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Mein Eindruck ist, dass sich etwas die Spreu vom Weizen trennt bei den Wirtshäusern und Restaurants.
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