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Bayern.Nein zur Streichung der 3000€ Familien-/ Kinderstartgeld! Halten Sie Ihr Wort, Hr. Söder! – „Erhalt des Kinderstartgeldes in Bayern“ – „Herr Markus Söder zahlen Sie das versprochene Kinderstartgeld aus!“ Online-Petitionen wie diese schießen wie die Pilze aus dem Boden, seitdem Bayerns Regierung um Ministerpräsident Markus Söder verkündet hat, dass das sog. Kinderstartgeld noch vor seiner Einführung bereits der Vergangenheit angehört.

Kein Geld mehr vom bayerischen Staat für den Start ins Leben. Die Folge: Enttäuschung, Ärger und Frust über das gestrichene Kinderstartgeld nehmen zu innerhalb der betroffenen Elternschaft. Symbolfoto: pixabay/ ThorstenF

Die Protestwelle auf Seiten werdender Mütter und Väter sowie derjenigen Eltern, deren Kinder nach dem Stichtag 1. Januar 2025 zur Welt gekommen sind, ist enorm. Mehr als 180.000 Unterschriften wurden bis dato über die Petitionsplattform change.org binnen einer Woche gesammelt. „Bald können wir die Petition beim Bayerischen Landtag einreichen und hoffen, etwas bewirken zu können“, so die optimistische Ankündigung eines Coburger Petenten, der bereits den nächsten Schritt vorbereitet: 

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„Wir möchten ein Video erstellen, indem wir uns gegen den Beschluss der Abschaffung vom Familienstartgeld aussprechen“, so der Plan. Dazu sollten Familien ein Foto von sich und einem Schild in der Hand anfertigen, auf dem Botschaften wie „Wer Zukunft will, muss Familien stärken – wir brauchen Verlässlichkeit, keine Rückschritte!“ oder „Keine Kürzungen auf dem Rücken UNSERER Kinder!“ zu lesen sein sollten. 

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Die doppelte Enttäuschung

Wie verschiedene Medien berichteten, lobte noch vor mehreren Wochen Bayerns Familienministerin Ulrike Scharf (CSU) das Kinderstartgeld in den höchsten Tönen, sprach dabei von „besonderer Leistung“ und „Rückhalt nicht nur in Worten, sondern ganz klar auch in Euro“. Jedes in Bayern zur Welt gekommene Kind erhalte künftig 3.000 Euro zum ersten Geburtstag, hieß es in der damaligen Landtagsdebatte im Juli. Diese Leistung, diedas Krippengeld ersetzen sollte, gebe es so nur im Freistaat. Doch daraus wird nun eben nichts: Söder streicht nach dem sog. Familiengeld auch das Kinderstartgeld – mit der Begründung, dass mit den somit eingesparten Geldern den bayerischen Kitas unter die Arme gegriffen werden soll. 

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Dazu ein Kommentar von Hog’n-Redakteur Stephan Hörhammer, der als werdender Vater auch vom Wegfall der finanziellen Leistungen betroffen ist: 

Man muss sich die Chronologie vor Augen führen: Zuerst wurde das Bayerische Familiengeld (bis zu 6.000 Euro über zwei Jahre) und das Krippengeld eingestampft oder stark reduziert. Die versprochene Kompensation: das Kinderstartgeld in Höhe von 3.000 Euro. Eine Reduzierung der direkten Familienförderung um die Hälfte, die bereits auf Kritik stieß. Nun entfällt auch diese Ersatzleistung, um die Mittel „ins System“ (Söder) – sprich in die finanzklammen Kindertagesstätten – umzuleiten.

Die Begründung der Staatsregierung, man müsse die knappen Mittel zur Stärkung der Betreuungsinfrastruktur einsetzen, klingt auf den ersten Blick vernünftig. Angesichts explodierender Kita-Betriebskosten und einem drohenden Platzmangel ist die Priorisierung von „Betreuungsplatz vor Direktzahlung“ nachvollziehbar. Aber diese Notlage ist nicht über Nacht entstanden. Sie ist das Ergebnis jahrelanger, unzureichender Systemförderung, welche die Kommunen und Träger an den Rand der Belastbarkeit gebracht hat.

Ein Versprechen, das nichts wert war 

Was bleibt, ist der Eindruck eines gebrochenen Wortes und einer verheerenden Politik der Ad-hoc-Ankündigungen. Das Kinderstartgeld war von Anfang an politisch motiviert – ein Versuch, die Kürzung des Familiengeldes zu beschwichtigen. Es war eine PR-Maßnahme mit einem Preisschild, die nun der kalten Finanzarithmetik eines schuldenfreien Doppelhaushalts 2026/2027 zum Opfer fällt.

Die Quittung tragen dabei die Familien. Insbesondere einkommensschwächere Eltern, die auf die direkte Liquidität einer solchen Einmalzahlung fest gezählt hatten, stehen nun vor dem Nichts. Ihnen wurde nicht nur eine finanzielle Stütze entzogen, sondern auch die Planungssicherheit in einer der wohl finanziell anspruchsvollsten Phasen des jungen Familienlebens.

Fehlende Vision statt notwendiges Sparen

Der Freistaat Bayern rühmt sich, im Gegensatz zum „Rest der Welt“ keine neuen Schulden zu machen. Doch diese selbst auferlegte Schuldenbremse wird auf dem Rücken der Jüngsten und ihrer Eltern ausgetragen. Ein wohlhabender Freistaat wie Bayern hätte die Spielräume für eine echte Verbesserung der Kita-Struktur, ohne gleichzeitig die direkten Leistungen für Familien komplett zu streichen. Die nun rückwirkende Annullierung (für alle ab dem 1. Januar 2025 geborenen Kinder) verstärkt das Gefühl der ungerechten und kurzfristigen Belastung.

Der Kabinettsbeschluss zeugt vor allem von einer fehlenden sozialpolitischen Vision. Statt beides – direkte finanzielle Unterstützung und den notwendigen Ausbau der Infrastruktur – als gleichwertige Säulen der Familienpolitik zu betrachten, wird das eine gegen das andere ausgespielt. Die Umverteilung in die Kitas ist zwar zwingend nötig, entbindet die Staatsregierung jedoch nicht von der Verantwortung, dass das Geld für Familien nun komplett wegfällt.

Der Stopp des Kinderstartgeldes ist somit ein fatales Signal: In Bayern wird das Sparen über die Verlässlichkeit und über die unmittelbare Unterstützung der Familien gestellt. Ein Familienland Bayern sieht anders aus.

Stephan Hörhammer

–> zur Übersicht der Online-Petitionen (einfach klicken)

 

Etikettenschwindel auf dem Rücken der Eltern

Es war ein politisches Versprechen mit dem Gütesiegel „Bayern-Garantie“: Das Kinderstartgeld sollte der neue Leuchtturm der CSU-Familienpolitik werden. 3.000 Euro für jedes Kind zum ersten Geburtstag – ein kräftiger Schluck aus der bayerischen Pulle, um den schmerzhaften Rückbau des Familiengeldes vergessen zu machen. Doch kaum ist die Tinte unter dem Haushaltsplan trocken, entpuppt sich das Ganze als eine der dreistesten politischen Luftnummern der jüngeren Zeit. Die Staatsregierung unter Markus Söder hat das Wort „Verlässlichkeit“ gegen die kalte Logik einer kurzfristigen Kassensturz-Politik eingetauscht.

Besonders perfide ist die Begründung, mit der das Kinderstartgeld nun beerdigt wird, noch bevor die erste Überweisung getätigt wurde. Man müsse die Mittel „ins System“ umleiten, um die chronisch unterfinanzierten Kitas zu retten. Das klingt vordergründig nach vernünftiger Priorisierung, ist aber bei genauerem Hinsehen ein zynisches Ablenkungsmanöver. Man spielt hier zwei Säulen der Familienförderung gegeneinander aus, die eigentlich untrennbar zusammengehören: Eine funktionierende Infrastruktur und die direkte finanzielle Entlastung der Eltern. Dass die Kitas im Freistaat am Limit arbeiten, ist kein Naturereignis, sondern die Quittung für jahrelange Versäumnisse eben jener Regierung, die sich jetzt als deren Retter inszeniert – und dafür das Geld aus den Taschen der jungen Familien nimmt.

Massives Vertrauen verspielt

Für die betroffenen Eltern ist dieser Kurswechsel ein Schlag ins Gesicht. Wer nach dem 1. Januar 2025 Nachwuchs bekommen hat, steht nun vor einem Scherbenhaufen seiner Finanzplanung. Besonders einkommensschwächere Haushalte haben fest mit dieser staatlichen Stütze gerechnet, um die enormen Kosten der ersten Lebensjahre zu stemmen. Dass ein wohlhabender Freistaat wie Bayern, der sich sonst so gern als „Vorstufe zum Paradies“ präsentiert, nicht in der Lage sein will, beides zu stemmen – solide Kitas und direkte Unterstützung –, ist schlichtweg unglaubwürdig.

Markus Söder und seine Familienministerin Ulrike Scharf haben mit dieser Ad-hoc-Absage massives Vertrauen verspielt. Wer Familien erst mit großen Versprechungen lockt und sie dann im Regen stehen lässt, sobald die Haushaltszahlen drücken, betreibt keine Politik der sozialen Verantwortung, sondern reine PR-Politik nach Kassenlage. Das „Familienland Bayern“ ist derzeit nicht mehr als eine hohle Phrase. Wenn die Zukunft des Landes – unsere Kinder – zum reinen Manövriermasse für Haushaltslöcher degradiert wird, dann hat diese Regierung ihren moralischen Kompass verloren.

Der Protest von über 180.000 Menschen ist mehr als nur ein digitales Rauschen; es ist der berechtigte Schrei nach politischer Ehrlichkeit. In München sollte man schleunigst begreifen: Gerechtigkeit schafft man nicht durch Wortbruch.

Kommentar: Stephan Hörhammer


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