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Hinterschmiding. Was zu viel ist, ist zu viel. „Wir wissen ja selber, was wir in unserer Jugendzeit alles so gemacht haben“, zeigt sich Horst Frömel noch gewissermaßen verständnisvoll. „Aber das hier sind längst keine Lausbubenstreiche mehr – die Grenzen sind überschritten.“ Und genau deshalb geht der 61-Jährige mit dem an die Öffentlichkeit, was unmittelbar vor seiner Haustüre im Hinterschmidinger Gartenweg vor sich geht. Seit nunmehr zwei Jahren findet dort ein regelrechter Klingel-Terror statt. Es wurden auch schon Eisklumpen an die Fenster geworfen. Der vorläufige negative Höhepunkt am Halloween-Abend, der das Fass zum Überlaufen brachte: die Zündung eines Böllers an der Haustüre.

Zu sehen: Die Böllerei vom 31. Oktober. Eine in der Türglocke integrierte Kamera zeichnet die Ereignisse vor der Haustüre der Familie Frömel auf. Die Filme ermöglichen es zudem, den bisherigen „Terror-Zeitraum“ auf zwei Jahre relativ eindeutig einzugrenzen.

Es ist einfach nur noch nervig. Bis zu fünfmal an einem Tag – vom frühen Nachmittag bis zirka 22 Uhr – kommen Horst Frömel, dessen Frau sowie seine Tochter samt junger Familie, die das Obergeschoss bewohnt, nicht zur Ruhe. „Verstärkt in den Ferien und auch mal mit Pausen von bis zu drei Wochen“ gerät der 61-Jährige immer wieder ins Visier von drei Jugendlichen, „die so zwölf bis 15 Jahre alt sein müssten“, wie er vermutet. Ist das Trio aktiv, gibt’s die „volle Dröhnung“ in Form von dauerhaften Klingelstreichen.

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„Ich habe sie schon dreimal erwischt und ihnen relativ deutlich gesagt, sie sollen damit aufhören“, berichtet Horst Frömel von ersten Versuchen, das penetrante Problem zu lösen. „Das hat sie aber scheinbar null Komma null interessiert – es geht munter weiter…“ Und so hat der Hinterschmidinger inzwischen schwerere Geschütze aufgefahren: Er nahm Kontakt zur Polizei auf, die ihn jedoch vertröstete und seinen Angaben nach meinte, „dass sie selbst nach der Böllerei noch nichts machen kann“. Und auch innerhalb der Dorfgemeinschaft hat sich der Angestellte umgehört, ob die Buben jemand kennt – bisher jedoch ohne Ergebnis.

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„Es wird immer schlimmer und langsam gefährlich“

Auf den Bildern der Überwachungskamera ist einer der Übeltäter deutlich zu sehen. Und dennoch hat ihn auf Nachfrage von Horst Frömel in und um Hinterschmiding niemand erkannt. Foto: anonymisiert

Konkrete Gründe, warum Familie Frömel – angesehen und tief verwurzelt in der gesamten Haidel-Gemeinde – zur Zielscheibe geworden ist, kann der 61-Jährige nicht nennen. „Vielleicht, weil wir relativ zentral wohnen und es deshalb in Richtung Schmidinger Mitte und Schulhof viele Fluchtmöglichkeiten gibt“, mutmaßt der 61-Jährige. Er überlegt auch, ob dieselbe Bande hinter dem Klingelterror steckt wie hinter einer von der Polizeiinspektion Freyung mitgeteilten „massiven Sachbeschädigung“ am 26. Oktober im Schmidinger Scheibenweg.

„Es wird immer schlimmer und langsam gefährlich“, stellt Horst Frömel fest – nicht nur in Anbetracht der genannten polizeilich erfassten Zerstörungsaktion Ende Oktober, sondern auch wegen eingangs erwähntem Halloween-Abend. „Dass da nun gezündelt und geböllert wird, geht mir komplett auf den Keks. Da kann schnell ein größerer Brand ausbrechen, gerade wenn die Burschen in Eile mit dem Feuerzug und den Böllern hantieren“, ist der besorgte Hausherr alarmiert. Bevor es zum Super-GAU kommt, will er lieber handeln.

Polizeihauptkommissar Bernd Deutscher, stellv. Dienstellenleiter der Polizeiinspektion Freyung, äußert sich dazu auf Hog’n-Nachfrage wie folgt:

„Der Fall Horst Frömel ist nicht aktenkundig, das heißt vermutlich, dass nichts festgestellt worden ist, was strafrechtlich relevant wäre. Grundsätzlich ist es so, dass ein sog. Lausbubenstreich kein Freibrief ist. Jemanden ärgern, ist rechtswidrig. Deshalb ist selbst ein einmaliger Klingelstreich eine Straftat. Diese liegt vor, wenn die Lebensqualität des Opfers beeinträchtigt ist, was im Einzelfall geprüft werden muss. Ich möchte betonen: Selbst bei solchen Kleinigkeiten lassen wir die Leute nicht alleine.“

„Eine Entschuldigung – und alles ist wieder gut“

Und nachdem der Hilferuf an die Staatsgewalt vorerst ergebnislos geblieben ist, wählt Horst Frömel nun ganz bewusst den Schritt an die Öffentlichkeit. „Wir möchten damit niemanden bloßstellen oder angreifen“, betont er in diesem Zusammenhang. Sollten sich die drei Jugendlichen bei ihm melden, sei er dazu bereit, auf weitläufigere Konsequenzen zu verzichten. „Endlich Ruhe, eine Entschuldigung – und alles ist wieder gut.“ Auch wenn Grenzen überschritten worden sind, könne man schließlich – gerade wenn man noch jung ist – aus Fehlern lernen…

Helmut Weigerstorfer

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Nachtrag: Die Hog’n-Berichterstattung hat Wirkung gezeigt. Wie Horst Frömel informiert, hat sich der Kopf der Klingel-Bande am Mittwochabend (12. November) gleich drei Mal bei ihm gemeldet – und sich aufrichtig entschuldigt. Für den 61-Jährigen ist diese Geschichte somit aus der Welt…

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