Mietraching. Es war seine Freude an gutem Essen, an Lebensmitteln, von denen er weiß, dass sie handwerklich gut gemacht sind. Eine Herzensangelegenheit, die Klaus Heubel seinen dritten Beruf geschenkt hat. Groß ist der Laden an der Mietrachinger Ruselstraße nicht, aber viel braucht es auch nicht, um gut und gesund zu kochen und zu essen. „90 Prozent bio und zehn Prozent bewusst“, sagt Heubel.

Einladend in grünen Kisten liegen die Gelbe Rüben, neue Kartoffeln, Spitzkohl und Kohlrabi, Zitronen, Melonen, Erdbeeren, all das Obst und Gemüse. Das meiste kommt aus den Landkreisen Deggendorf oder Dingolfing-Landau, weniges von weiter her. Gleich startet das Gaumen- und das Kopfkino. Wie schmeckt es? Was kann man daraus kochen? Wie kombinieren und anrichten?
Übersichtlich und gut bestückt ist die Kühltheke mit Käse, Fleisch, Wurst und Schinken, Semmeln und Brote im Brotregal hinter der Kasse zeugen von Heubels Gabe, Lieferanten zu finden, die ihr Handwerk mit Sachverstand und Leidenschaft ausüben. Das Getreide aus dem Wasserschutzgebiet für das Waldwasserbrot etwa mahlt der Aholminger Bäckermeister Michael Betzinger mit einer eigenen Mühle, den Sauerteig pflegt er mit Hingabe, denn das Getreide enthält weniger Eiweiß, die Bauern verzichten auf die letzte Stickstoffgabe.
„Gute, gesunde und saubere Lebensmittel“

Am Freitag gibt es das legendäre Bauernbrot vom Schos aus Grafling. Fleisch und Wurst liefern die Biometzgerei Kammermeier aus Hauzenberg oder die Metzgerei Schreder aus Lindberg. „Ein Metzger, der sehr gut würzen kann und im ganzen Land die besten Bratwürstl macht“, findet Heubel.
„Unsere Idee war es, gute, gesunde und saubere Lebensmittel zu verkaufen“, sagt Klaus Heubel. Er habe Freude an gutem Essen und Trinken, seine Frau Hannelore koche hervorragend und gerne, da brauche es auch entsprechende Zutaten. „Je natürlicher die Kost ist, desto besser geht es unserem Körper“ und „Kochen Sie selbst, dann wissen Sie was drinnen ist“, sind seine Grundsätze. Das war schon immer so, aber erst als die Post nach der Privatisierung vor 20 Jahren den gelernten Schriftsetzer und verbeamteten Postboten nicht mehr brauchen konnte, hat er das, was ihm wichtig ist, durchgezogen.
Dreißig Jahre lang hatte er den Deggendorfern Briefe und Päckchen gebracht. Er kannte und mochte seine Leute, an manchen Tagen war er bis zu 27 Kilometer unterwegs, zu Fuß, mit dem Fahrrad, am Schluss auch mit dem Auto, bis die Gelenke nicht mehr so richtig wollten. Dann war er von einem auf den anderen Tag pensioniert. Das sei drei oder vier Wochen lang angenehm gewesen und sei dann furchtbar langweilig geworden, erzählt er.
„Wo kriege ich etwas Vernünftiges?“

Also besorgte er sich einen Verkaufsstand und verkaufte auf dem kleinen Dorfplatz in Mietraching vor der Metzgerei – ganz in der Nähe seiner Wohnung – gesundes Obst und Gemüse. Die Leute haben das gerne angenommen und nach Bioprodukten gefragt. Als dann das Elektrogeschäft gegenüber zumachte und einen Nachmieter suchte, wurde aus dem Elektrogeschäft ein Lebensmittelfachgeschäft und eben der Dorfladen. Die Kirche und die Heubels, das sind die gesellschaftlichen Konstanten in dem Deggendorfer Ortsteil an der Ruselstraße.
Seine Hauptarbeit war es von Anfang an und ist noch heute, herauszubekommen: „Wo kriege ich etwas Vernünftiges?“. Salatköpfe von Rosmarie Haushofer in Niederalteich, Erdbeeren und Spargel holt er aus Landau vom Biohof Lauerer, Urgetreide und Kartoffeln vom Biohof Apfelbeck in Kleinweichs. Nach und nach hat er sein Netz mit vielen Knoten aufgespannt. Wenig Produkte bekommt er über den Großhändler Chiemgauer Naturkost oder einen Bio-Käse-Großhändler. Ein Kompromiss, wenn Kunden etwas wollen, was nicht in der Nähe wächst.
Gerne kommt er mit den Bauern ins Gespräch. Er mag ihre Freude, das Feld zu bestellen, wenn aus einem Körndl eine Pflanze wird, ihr Vertrauen in ihr Können und in die Natur. Wer gut arbeitet, soll auch gut bezahlt werden, findet Heubel. Die Bioprodukte und handwerklich hergestellten Lebensmittel seien ihren Preis wert, sagt er. Das ist auch der Gedanke der Slow-Food Bewegung. Da finden Genuss und Verantwortung zusammen. Genuss und verantwortungsvolle Ernährung finden auch zusammen im Schulobstprogramm. Um den Kindergarten mit Obst und Gemüse beliefern zu können, hat er sich bio-zertifizieren lassen. Schließlich sollen die eigenen Enkel und die Kinder im Kindergarten von Anfang an vernünftige Lebensmittel kennenlernen.
Freude an dem, was sie anbieten, ist ansteckend

Klaus und Hannelore Heubel werden heuer 75 Jahre alt, ans Aufhören denken sie überhaupt nicht. Zu Hause sei es langweilig. Im Laden gibt es immer ein gutes Gespräch und viele Anregungen. „Man versteht mich“, sagt Kundin D. Hage. Sie ist aus den neuen Bundesländern nach Mietraching gezogen, manchmal eckt sie mit ihrem Dialekt an, bei den Heubels spielt das keine Rolle. Sie werde beraten über die leckeren Dinge des Lebens, und man könne gut scherzen. Da fühlt sie sich genauso wohl, wie Leute, die schon lange in Mietraching zu Hause sind, oder die, die bei der Durchfahrt etwas Gutes mitnehmen.
Die Freude von Klaus und Hannelore Heubel an dem, was sie anbieten, ist ansteckend. Hannelore Heubel ist für die Käsetheke zuständig. „Light-Käse gibt es bei mir nicht“, schmunzelt sie. Fett sei verantwortlich für den Genuss und die Sättigung. Gerne probiert sie Käse aus ganz Europa, gerne greift sie Kundenwünsche auf. Käse und Wein gehören zusammen, sind sich die Heubels einig.
Klaus Heubel findet im Internet interessante Winzer, studiert deren Philosophie, sucht Weine, die ihn ansprechen. Dann bestellt er ein paar Flaschen, probiert sie und bietet sie an. Wenn der Tropfen gut ankommt, findet er einen Platz im Sortiment. So geht es auch mit Kundenwünschen, da ist er findig. Manches ist eine einmalige Sache, manches kommt dauerhaft ins Regal. Die Kunden vertrauen den Heubels. „Das haben wir uns hart erarbeitet“, sagen die beiden.
Hannelore Summer
(Erstveröffentlichung in: Schöner Bayerischer Wald)






