Liebe Fußballfreunde im Woid, zunächst ist es mir ein Anliegen, noch einmal auf die Länderspiele in der vergangenen Woche zu blicken. Slowakei-Niederlage hin oder her: Ich schaue der Nationalmannschaft immer wieder gerne zu. Nicht nur, weil ich selbst ehemaliger Nationalspieler, sondern vor allem, weil ich generell ein großer Fußball-Fan bin. Es ist ja grundsätzlich so: Wenn ein Team nicht so spielt, wie man es sich selber vorstellt, dann ist man unzufrieden. Und in Deutschland haben wir dann unendlich viele Super-Trainer, die meinen, es besser zu können als der jeweilige Bundestrainer.

Den allgemeinen Vorwurf, einige Spieler hätten einfach keine Lust dazu, für Deutschland aufzulaufen, hat es schon während meiner aktiven Zeit gegeben. Jedes Wort, das man über solche Aussagen verliert, ist eigentlich eines zu viel. Deshalb nur: Ich kenne keinen Fußballer und weiß von keinem Fußballer, der sich bewusst in einem Spiel geschont hätte. Jeder Mensch ist vielleicht mal müde. Und Fußballer sind – auch wenn sie hervorragend bezahlt werden – noch immer keine Maschinen…
… auch wenn man das derzeit glauben möchte, wenn man Harry Kane auf dem Rasen sieht. Ich bin von ihm beeindruckt – nicht erst seit der Glanzleistung gegen Dortmund. Er ist Stürmer, sehr torgefährlich, er holt sich aber die Bälle zum Teil auch im Mittelfeld, taucht ab und an auf dem Flügel auf – und ist sich auch nicht zu schade dafür, hinten auszuhelfen. Lassen wir die Ablösesumme und das Gehalt einmal weg: Er ist eine Bereicherung für den FC Bayern München und die ganze Bundesliga. Mir fällt kein so kompletter Stürmer in der Geschichte des FCB ein wie er.
„Mir fällt kein so kompletter Stürmer in der FCB-Geschichte ein“

Für mich gibt es derzeit keinen besseren Angreifer auf der Welt, vielleicht sogar keinen besseren Spieler insgesamt. Und er wird noch besser, wenn Jamal Musiala, der absolut zurecht hochgelobt wird, nach seiner Verletzungspause wieder ins Team zurückkehrt. Ich wäre als Trainer unglaublich froh, zwei solche Spieler zu haben. Und ich sehe kein Problem darin, dass sich beide irgendwie im Wege stehen.
Was ich auch im Training gesehen habe: Vincent Kompany ist genau der richtige Mann für solche Aufgaben – und generell für den FC Bayern München. Seine Vertragsverlängerung kann ich absolut nachvollziehen. In dieser Hinsicht auch noch einmal ein Lob an Sportvorstand Max Eberl und sein Team: Sie haben mit Kompany genau die richtige Wahl getroffen, auch wenn es im Vorfeld dieser Entscheidung etwas konfus an der Säbener Straße zugegangen ist.
Es passt derzeit einfach vieles beim Rekordmeister. Die vergangenen Jahre waren vielleicht nicht so überzeugend. Aber wie oft ist man hintereinander Meister geworden? Für die Bundesliga zwar nicht schön, aber es zeichnet sich bereits ab, dass es wieder ein Alleingang der Münchener im Rennen um die Meisterschaft werden wird. Nicht vergessen darf man aber: Die Champions League war für den FCB zuletzt immer vorzeitig beendet. Sportlich nicht gut – und auch finanziell. Denn so verliert man viele, viele Euros.
„Geld spielt immer größere Rolle – auch im Amateurfußball“
International ist Bayern (und auch die Bundesliga) aber keinesfalls zweitklassig, wie immer gesagt wird. Der Kreis der Mannschaften, die die Champions League gewinnen können, ist sehr groß. Die Deutschen wollen den Pott – genauso die Italiener, Spanier und allen voran die Engländer. Ausschlaggebend ist am Ende nicht, wer an Gehältern und Ablösesummen noch einmal einen Nuller dranhängen kann, sondern wie ein Team funktioniert. Ein Fußballspiel wird auf dem Platz entschieden, nicht auf dem Konto!

Das Geld spielt dennoch eine immer größere Rolle – auch im Amateurfußball. Den Fußball im Bayerischen Wald habe ich leider nicht mehr so im Auge, mir fehlt schlicht die Zeit dafür. Einzig den FC Vilshofen, meinen Heimatverein, verfolge ich noch ab und an. Es tut mir ein bisschen leid, was dort im Stadion, das ja nach mir benannt ist, gespielt wird. Und ich frage mich immer: Wo ist nur der gute Nachwuchs geblieben? Das Problem in Kreisliga und Kreisklasse ist auch das Geld. Bekommt ein Spieler 20 oder 50 Euro mehr, wechselt er den Verein. Eine traurige Entwicklung…
Bis demnächst: Euer Klaus Augenthaler
(Aufgezeichnet: Helmut Weigerstorfer)
P.S.: Auf Einladung zahlreicher Bayern-Fanclubs bin ich am Sonntag, 26. Oktober, ab 11 Uhr, im Hacklberger Bräukeller in Passau zu Gast. Solche Termine sind eine Ehre für mich. Es freut mich unglaublich, dass mich die Leute noch immer hören und sehen wollen. Auch im Alltag werde ich noch oft angesprochen. Und das ist auch kein Problem. Ich bin immer für Selfies bereit – und Autogramm-Karten habe ich auch immer dabei.
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Für das Onlinemagazin da Hog’n blickt Klaus „Auge“ Augenthaler im Rahmen seiner Kolumne „Auges dritte Halbzeit“ auf den großen (nationalen und internationalen) Fußballzirkus, ohne dabei den Blick auf die Amateure zu vergessen. Nur für den Fall, dass den 68-Jährigen irgendjemand nicht kennen sollte: Der gebürtige Fürstenzeller, dessen Heimatverein der FC Vilshofen ist, blickt auf eine Weltkarriere zurück – als Spieler und Trainer. Er ist unter anderem Weltmeister (1990) sowie mehrmaliger Deutscher Meister und Pokalsieger. Eng verbunden ist sein Name mit dem des FC Bayern München. Für den Rekordmeister bestritt der Libero zwischen 1976 und 1991 insgesamt 404 Pflichtspiele. Später war er zudem sechs Jahre als Trainer an der Säbener Straße aktiv. Er weiß also, was „Mia san Mia“ bedeutet…







