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Bayerisch Eisenstein. Die Bekämpfung des Borkenkäfers ist bekanntermaßen seit Jahren eine zentrale Herausforderung für die Forstwirtschaft und den Naturschutz in vielen Regionen, insbesondere auch im Bayerischen Wald. Getrieben durch warme und trockene Sommer finden die Käfer ideale Bedingungen für die Massenvermehrung, was zu einem dramatischen Anstieg des Befalls und dem Absterben ganzer Fichtenbestände führt. Die Forstbetriebe stehen damit unter enormem Handlungsdruck, den Befall durch konsequente Überwachung, schnelle Holzabfuhr und den Einsatz von Bekämpfungsstrategien einzudämmen.

Ein handelsüblicher Harvester (deutsch: Holzvollernter) mit speziellem Harvesterkopf am Ende des Krans hat das Holz entrindet und macht so das Holz für den Borkenkäfer unattraktiv. Foto: Michael Friedel

Vor gut vier Wochen trafen sich laut einer Pressemitteilung des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Regen 20 Forstexpertinnen und -experten aus den Landkreisen Regen und Freyung-Grafenau zum Runden Tisch „Borkenkäfer“ im Hause zur Wildnis. Mit dabei waren Vertreterinnen und Vertreter der Nationalparkverwaltung, der Forstbetriebe Bodenmais und Neureichenau der Bayerischen Staatsforsten, der Gutsverwaltungen Frauenau und Oberzwieselau, der Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern, der Waldbesitzervereinigungen Freyung-Grafenau, Regen und Viechtach, die Initiative Lindberg, die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, sowie das AELF Regen.

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Im Mittelpunkt des Treffens stand die gemeinsame Erarbeitung einer Waldschutzstrategie mit Fokus auf den Borkenkäfer. „Der Runde Tisch bietet uns die Möglichkeit, Erfahrungen zu teilen und konkrete Strategien zur Bewältigung von Großkalamitäten wie dem Borkenkäferbefall in der Region zu entwickeln“, betonte Christoph Salzmann, Bereichsleiter Forsten am AELF Regen. Ziel sei es, die Wälder widerstandsfähiger zu machen und sich gemeinsam den Herausforderungen des Borkenkäferbefalls zu stellen. Bereits seit 2015 (mit Unterbrechung während Corona) hat sich der Runde Tisch „Borkenkäfer“ als feste Institution etabliert und findet mittlerweile dreimal jährlich im März, Juli und September statt.

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Konkrete Maßnahmen für einen widerstandsfähigen Wald

Die gemeinsam erarbeitete Waldschutzstrategie wird bis zum nächsten Runden Tisch vorliegen. Sie umfasst eine Ist-Analyse, ein Leitbild für den Borkenkäfer-Waldschutz und konkrete Handlungsfelder. Dazu zählen – außerhalb des Nationalparks – unter anderem das Absenken von Fichten-Vorräten zur Risikominimierung, die frühzeitige Verjüngung der Waldbestände zur Steigerung der Widerstandskraft, das Aufbrechen von Inselstrukturen, das frühzeitige Erkennen von Borkenkäferbefall sowie die Erhöhung der Schlagkraft bei Kalamitäten. „Mit der neuen Waldschutzstrategie wollen wir gemeinsam die Weichen für einen widerstandsfähigen Wald der Zukunft stellen“, so Christoph Salzmann abschließend. Bis zum nächsten Treffen im März 2026 soll die Strategie als Grundlage für das weitere Vorgehen dienen.

Frisch geschlagenes Holz für Holzindustrie und Handwerk– aktive Waldpflege ist ein wichtiger Beitrag im Kampf gegen den Borkenkäfer und aktiver Klimaschutz. Foto: Robert Götzfried

Ein priorisiertes Ziel der neuen Strategie ist die Schaffung mobiler Entrindungskapazitäten, insbesondere durch den Einsatz von sogenannten Debarking-Harvestern. Diese Weiterentwicklung eines normalen Harvesters (auch Holzvollernter) können Bäume nicht nur fällen und entasten, sondern gleichzeitig auch die Rinde entfernen. Da sich der Borkenkäfer bevorzugt unter der Rinde einnistet, wird durch das sofortige Entrinden die weitere Ausbreitung des Schädlings wirksam verhindert. Der Einsatz solcher Technik ermöglicht eine schnelle und effiziente Bekämpfung von Borkenkäferkalamitäten. Hier hilft die Nationalparkverwaltung, sie hat bereits viel Erfahrung mit der neuen Technik.

Die Forstexperten weisen darauf hin, dass auch im Winter eine saubere Waldwirtschaft entscheidend ist. Unter dem Motto „Sauber durch den Winter“ wird Waldbesitzenden empfohlen, befallene oder gefährdete Bäume konsequent zu entfernen und das Holz aus dem Wald zu schaffen. Gerade jetzt ist es wichtig, übersehene Käferlöcher zu finden und aufzuarbeiten, um dem Borkenkäfer keine Überwinterungsmöglichkeiten zu bieten. Waldbesitzende werden zudem ermutigt, aktiv Frischholz in ihren Beständen zu ernten.

Durch die gezielte Entnahme von Fichten wird Platz geschaffen, sodass sich junge Bäume – oft aus natürlicher Aussaat – entwickeln können. Diese sogenannte Naturverjüngung sorgt für einen stabileren, artenreicheren und klimaresilienteren Wald. Gleichzeitig wird durch das Absenken der Fichtenvorräte das Risiko eines massiven Borkenkäferbefalls deutlich reduziert. Wer jetzt handelt und Holz erntet, profitiert doppelt: von gesunden, zukunftsfähigen Wäldern und attraktiven Holzpreisen.

Im Nationalpark: Neuer Rückeweg für zügige Käferbekämpfung

Wie die Verwaltung des Nationalparks Bayerischer Wald per Presseaussendung mitteilt, trifft man bereits jetzt Vorkehrungen, um im kommenden Jahr für die Borkenkäfersaison gerüstet zu sein: Im Bereich zwischen Ludwigsthal und Bayerisch Eisenstein gebe es noch großflächig Fichtenbestände. Sollten diese vom Borkenkäfer befallen werden, sei es für den Schutz der angrenzenden Wälder wichtig, die Fällung der Bäume inklusive des Abtransports schnell abzuwickeln. Dies solle ein Rückeweg ermöglichen, der derzeit angelegt werde.

Mittels eines Harvesters wird derzeit der neue Rückeweg im Bereich der Seebachschleife angelegt. Foto: Jürgen Pöschl / Nationalpark Bayerischer Wald

„Der betroffene Bereich liegt zwischen der B11 und der Waldbahntrasse und somit formell außerhalb des Nationalparks. Dennoch ist die Nationalparkverwaltung bei der Borkenkäferbekämpfung für diesen Abschnitt zuständig“, erklärt Jürgen Pöschl, Leiter der Nationalparkdienststelle Bayerisch Eisenstein. In der Vergangenheit musste für sämtliche Fäll- und Rückearbeiten sowie für den Holzabtransport in diesem Bereich die B11 mit Ampelregelung gesperrt werden. Dies hat den Straßenverkehr behindert, sehr viel Geld gekostet und die Aufarbeitungsgeschwindigkeit enorm verlangsamt. „Der neue Rückeweg wird in Zukunft ein wichtiger Baustein zur zügigen Borkenkäferholz-Aufarbeitung und Minimierung der Sperren sein.“

Der Rückeweg wird zwischen der bestehenden Zufahrt zur Eisenbahnbrücke auf Höhe Seebachschleife und einer Parkplatzschleife auf einer Länge von zirka 1,6 Kilometern angelegt. „Das dabei gefällte Fichtenholz wird wegen der Borkenkäfergefahr abgefahren oder entrindet, dafür wird ein spezieller Debarking-Harvester eingesetzt. Totholz anderer Baumarten verbleibt auf der Fläche“, berichtet Pöschl. Im Zuge der Erdarbeiten erfolgt die Stockrodung im notwendigen Umfang, die Stöcke werden als Totholz auf der Fläche belassen oder für Renaturierungsmaßnahmen der Nationalparkverwaltung verwendet. Der Rückeweg wird als Erdweg in einer Breite von 3,5 Metern im Anschluss an die Fällarbeiten gebaggert, am nördlichen Ende wird ein LKW-Ladeplatz angelegt.

„Letztendlich bringt diese Maßnahme viele Vorteile“, ist sich Pöschl sicher. Künftig kann die Rückung des Holzes zwischen der Bahnlinie und der B11 sowie die Holzabfuhr ohne Sperrung der Bundesstraße erfolgen. „Ein positiver Nebeneffekt ist insbesondere, dass wir diesen Abschnitt nun so erschließen, dass dort künftig Naturschutzmaßnahmen, speziell zur Förderung von Mischbaumarten, umgesetzt werden können.“

da Hog’n


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