Klingenbrunn. Josef Erhard verkörpert wohl das, was man einen engagierten mündigen Bürger nennt. Einer, der sich umgehend informiert, eine Meinung bildet – und diese dann auch kundtut. Und zwar nicht nur im heimischen Umfeld, am Stammtisch des örtlichen Wirtshauses oder per Leserbrief in der Zeitung. Der 77-Jährige hat auch den Weg in die Sozialen Medien gewählt und gefunden – und hat sich dort im Zuge der Windkraft-Debatte im Bayerischen Wald zu einer Art Gallionsfigur der Windrad-Gegner entwickelt.

Spiegelau, die Heimatgemeinde des 77-jährigen Klingenbrunners, hat sich vor Kurzem – wie nahezu alle vom Beschluss der Planungsregion Donau-Wald betroffenen Kommunen, in denen sog. Windvorranggebiete ausgewiesen wurden – klar gegen die geplanten Windkraftflächen ausgesprochen. Dabei hatte die Bürgerschaft bereits vor zehn Jahren ihr Veto per Bürgerentscheid gegen das Vorhaben erteilt, privilegierte Flächen für Windenergie am Wagensonnriegel auszuweisen.
Der einstige Berufsförster kann sich noch gut an die Diskussionen und Ereignisse erinnern, denn schon damals befand er sich unter den Protestführern: „Landwirtschaftsminister Helmut Brunner hatte seinerzeit versichert: Wenn die Gemeinde sich dagegen entscheidet, dann hält man sich auch daran.“ Die sog. Kommunalklausel, die auf Drängen von Wirtschafts- und Energieminister Hubert Aiwanger im Juni 2024 abgeschafft wurde, um den Ausbau der Windkraft in Bayern zu beschleunigen und die Planungen im Staatswald zu vereinfachen, habe bis dato dafür garantiert. Nun hat sich die Situation geändert.
Wir haben uns mit Josef Erhard über dessen Ansichten zu den Windkraft-Planungen im Bayerischen Wald unterhalten, haben ihn nach seinen Gründen gefragt, warum er sich gegen die Ausweisungen der Windvorranggebiete ausspricht – und dabei von ihm erfahren, warum er insbesondere bei den politischen Verantwortungsträgern in puncto Kommunikation ein großes Defizit ausgemacht hat…
„Als hätte ich es mit einem Schweigekartell zu tun…“
Herr Erhard: Sie gelten als entschiedener Gegner der Windkraft-Idee im Bayerischen Wald. Wie viel Gegenwind haben Sie in den vergangenen Tagen und Wochen erfahren?
Persönlich bisher noch nicht. Bei öffentlichen Diskussionen gab’s natürlich auch Stimmen, die sich für die Windkraft im Bayerischen Wald ausgesprochen haben. Aber die kann man an einer Hand abzählen.
Warum sind Sie so ein vehementer Gegner des Windkraftgedankens im Bayerischen Wald?

Meine Windkraft-Meinung hat sich vor rund zehn Jahren entwickelt, als es in meinem früheren Revier, dem Wagensonnriegel, bereits Planungen für Windräder im Rahmen eines Windvorranggebietes gab. Diese Fläche erstreckt sich von Klingenbrunn nach Frauenau und ist ein wunderbares Landschafts- und Tierschutzgebiet. Damals wollten die Stadtwerke München 30 Windräder bauen, zudem wollte die Bürgerenergie-Genossenschaft Freyung-Grafenau fünf Windräder auf der Spiegelauer Seite errichten lassen.
Ich konnte als Bürger nicht dazu schweigen, dass man aus diesem landschaftlichen Juwel ein Industriegebiet macht. Für den Bau und den Betrieb eines Windrades müssen im Schnitt zwischen 0,5 und einem Hektar Wald gerodet werden. Die Einmaligkeit unserer Landschaft und der Lebensraum für eine Vielzahl an geschützten Tier- und Pflanzenarten würde dadurch verloren gehen. Das geht nicht!
Wir hatten damals noch die Chance, die Sache per Bürgerentscheid abzuwenden. Mehr als 75 Prozent der Spiegelauer und mehr als 80 Prozent der Klingenbrunner sprachen sich gegen die Windkraft am Wagensonnriegel aus. Das war ausschließlich einer Gruppe von Leuten zu verdanken, die im Vorfeld Broschüren ausgearbeitet und Infoveranstaltungen abgehalten haben.
Doch die Situation des Windkraft-Comebacks haben wir nun merkwürdigerweise wieder. Dabei haben wir erst durch einen Zufall erfahren, dass plötzlich von Neuem im Planungsgebiet Donau-Wald 120 Windvorranggebiete ausgewiesen werden. Das dazugehörige Anhörungsverfahren ist vom 18. August bis 8. Oktober gelaufen. Doch ich bin mir vorgekommen, als hätte ich es mit einem Schweigekartell zu tun. Denn dazu wurde so gut wie nichts kommuniziert – solange, bis die Bürger auf die Barrikaden gestiegen sind und sich lautstark gemeldet haben. Erst dann haben die Gemeindevertreter reagiert. Doch zuvor entstand der Eindruck, dass man nicht möchte, dass der Bürger darüber sonderlich viel erfährt. Denn der könnte bei dem Verfahren und bei den Planungen ja stören…
„Man muss doch da viel offener mit den Bürgern kommunizieren“
Heißt das, dass die politischen Verantwortungsträger, die aus ihrer Sicht ja im Hintergrund von den Plänen bereits erfahren hatten, in puncto Kommunikation nicht korrekt gehandelt haben? Ist das eine Schuldzuweisung an die Bürgermeister?
Das kann man durchaus so sehen. Der Planungsverbandvorsitzende hatte das Schreiben zu den Windkraft-Plänen an alle Bürgermeister rausgegeben. Spätestens am 5. August hatten es alle gewusst – das ist kein Geheimnis, das kann man alles nachlesen. Richtig publik geworden ist die Information dann durch den Bodenmaiser Bürgermeister Michael Adam gegen Ende August. Ich selbst hatte davon erst Anfang September erfahren. Meine Erfahrung: Die Leute wussten in den betreffenden Landkreisen von nichts.

Das Anhörungsverfahren hat ebenfalls ein G’schmäckle: Wenn ich sämtliche Infos und Hintergründe nur dann erfragen kann, wenn ich eine Website anklicken oder zum Landratsamt fahren muss, weil die entsprechenden Pläne in keiner Gemeinde ausgelegt werden, dann frage ich mich, wie ältere Menschen, die wenig Computer-affin sind, davon überhaupt erfahren sollen. Es wird darüber entschieden, dass etwa einen Kilometer vom eigenen Wohnsitz entfernt ein Windrad gebaut werden soll – und keiner erfährt etwas davon. Das ist kein guter Stil. Was ist das für ein Demokratieverständnis, wenn ich das alles hintenrum über die Bühne bringen will? Man muss doch da viel offener mit den Bürgern kommunizieren!
Welche alternativen Energieträger zur Windkraft halten Sie als die sinnvolleren?
Im ersten Halbjahr 2025 hatten wir 27 Prozent Windkraft an Land und 18 Prozent Photovoltaik – das macht 45 Prozent aus regenerativen Energiequellen. Es heißt ja immer, dass diese Erneuerbaren Energien unsere Wirtschaft mit Strom versorgen sollen. Das Problem aber: Derzeit wird bereits so viel Windenergie produziert, dass PV und Windkraft zusammen zu einer Überlastung unserer Netze führen. In der Konsequenz müssen immer wieder Abriegelungen erfolgen, weil zu viel Strom erzeugt wird. Der überschüssige Strom wird dann zu Niedrigstpreisen ins Ausland verkauft, denn es fehlt an Speicherkapazitäten.
Die Energiewende ist in dieser Hinsicht völlig verkorkst worden, weil man zuerst einen Netzausbau hätte vornehmen und Speichermöglichkeiten schaffen müssen – und erst dann die Windräder errichten sollen. In Deutschland haben wir jedoch mit den Windrädern begonnen – ohne ein tragfähiges Leitungsnetz zu haben. Mit der Folge, dass dieses Land derzeit eines der instabilsten Versorgungsnetze weltweit hat.
„Woher kommt der Strom, wenn der Wind einmal nicht weht?“
Nochmals gefragt: Welche alternativen Energieträger zur Windkraft halten Sie als die sinnvolleren? Oder sind Sie der Meinung, dass Windkraft grundsätzlich durchaus vertretbar ist – aber eben nicht im Bayerischen Wald?

Beim Bayerischen Wald handelt es sich um ein Schwachwind-Gebiet mit fünf bis sechs Metern pro Sekunde. Hier kann man ein Windrad schlichtweg nicht wirtschaftlich betreiben. Einigermaßen interessant wird dies erst bei einer Geschwindigkeit von mindestens sieben oder acht Metern pro Sekunde.
Bundesministerin Katherina Reiche hatte jüngst ja erklärt, dass bis 2030 ein Bedarf an über 70 neuen Gaskraftwerken benötigt wird, um eine Grundlastsicherung für die Windräder abzudecken. Denn es stellt sich die Frage: Woher kommt der Strom, wenn der Wind einmal nicht weht und die Sonne nicht scheint? Die Antwort: Wenn der Wind nicht weht, muss der Strom ja alternativ von irgendwoher kommen. Und aktuell ist es so, dass die Strom-Grundlastsicherung für die Windkraft in Form von Atomkraft aus Frankreich und Tschechien abgedeckt werden muss. Wir importieren davon mittlerweile mehr als wir exportieren.
Hinzu kommt: Die Windräder im Bayerischen Wald sind nur dann interessant für Investoren, wenn entsprechende Subventionsgelder fließen. Was die Rendite obendrein noch drastisch verringern wird: Seit 1. Oktober findet der Handel an der Strombörse im 15-Minuten-Takt statt – wie bisher – im Ein-Stunden-Takt statt. Die Folge sind Negativ-Stunden für die Windkraftbetreiber, womit sich kein Geld verdienen lässt. Meine große Hoffnung ist es, dass das Schwachwind-Gebiet Bayerischer Wald für Investoren uninteressant bleibt.
Was halten Sie von Atomkraft?
Diese Energieform zu verteufeln, halte ich für nicht gerechtfertigt. Denn ich frage mich: Ist es sog. grüner Strom, wenn wir das Ökosystem Wald aufreißen und hektarweise roden, 3.000 Tonnen Stahlbeton in der Erde versenken, ein Monster-Windrad hinstellen, das unsere Vögel und Fledermäuse und Milliarden von Insekten schreddert? Und das sind nicht die einzigen Problematiken…
„Nein, hier kann man keine Windräder bauen“
Können Sie auch die Argumente der Befürworter von Windenergie nachvollziehen?
Im Bayerischen Wald kommen wir da nicht zusammen, weil ich persönlich generell gegen Windkraftanlagen im Wald bin. Wir müssen in unserer Klimasituation um jeden Baum froh sein. Und ich bin absolut gegen das Vorhaben von Minister Hubert Aiwanger, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Bayerischen Staatsforsten, der 500 Windräder bauen lassen möchte. Das ist eine Fläche, um die der Nationalpark zu seinem 50. Geburtstag erweitert worden ist – und diese Fläche müsste gerodet werden, wenn Windräder im Staatswald errichtet würden.

Ein Unding! Und ich kann keinen Menschen verstehen, der sich dafür einsetzt, dass im Wald Windräder gebaut werden. Die sollen dort errichtet werden, wo der Wind ordentlich weht und wo Mensch und Tier nicht befürchten müssen, dass sie im Schatten der Räder gesundheitlichen Probleme kriegen. Hinzu kommt, dass der Bayerische Wald eine der schönsten Naturlandschaften Deutschlands ist. Das ist unser Kapital! Und jetzt soll das alles kaputt gemacht werden, weil irgendjemand Gewinne erzielen möchte? Das ist unverantwortlich!
Wie sehen Sie die Rolle des Bund Naturschutz‘, der ja auch für den Bau von Windrädern plädiert?
Ich war mehr als 40 Jahre Mitglied im BN. Als vor zehn Jahren Projektanten Windräder am Wagensonnriegel errichten wollten, haben wir alles und jeden zu mobilisieren versucht, um dies zu verhindern. Ein ehemaliger Nationalparkleiter, Dr. Hans Bibelriether, hatte es fertiggebracht, die Bund-Naturschutz-Spitzen zu einer Waldbegehung einzuladen. Als sie das Panorama des Wagensonnriegels erblickten, sollen sie gesagt haben: Nein, hier kann man keine Windräder bauen! Die vorausgegangene BN-Zusage wurde in der Folge revidiert und zurückgezogen.
Jetzt, nach zehn Jahren, gibt es wieder ein Windvorranggebiet auf dem Wagensonnriegel. Ich kann doch nicht das zerstören, was ich eigentlich schützen will – die Natur und die Lebensräume der Tiere und Pflanzen. Doch mit diesem Industriegebiet mache ich das alles kaputt!
„Die Büchse der Pandora ist geöffnet“
Glauben Sie, dass man eine Art Kompromisslösung finden könnte, die beide Seiten zufriedenstellt – also sowohl Gegner der Windkraft als auch Befürworter? Oder ist das unmöglich?
Der wichtigste Schritt wäre, dass das EEG-Gesetz, das Wind-an-Land-Gesetz und das Windenergieflächenbedarfsgesetz auf den Prüfstand kommen und neu verhandelt werden. Herr Habeck, der einstige Minister für Wirtschaft und Klimaschutz, hat das EEG als überragend öffentliches Interesse zementiert, dem sich alles unterzuordnen hat – mit der Folge, dass alle anderen Schutzgüter wie Landschaftsschutz, Artenschutz etc. praktisch gecancelt werden. Das muss man sich einmal vorstellen!
Sie haben diese Gesetze jüngst als die „Mutter allen Übels“ bezeichnet, als „links-grüne Ideologie“. Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?

Viele Politiker verstecken, ja verschanzen sich regelrecht hinter diesem Bundesgesetz. Beim Flugsicherungsgesetz, das im Rahmen der Drohnenbedrohung jüngst in der Öffentlichkeit stand, war es möglich, dies binnen drei Tagen entsprechend abzuändern. Und beim EEG und beim Wind-an-Land-Gesetz sollte das auf einmal nicht möglich sein? Das glaube ich nicht! Es müsste nur der politische Wille vorhanden sein, diese Gesetze zu ändern. Wenn Ministerin Reiche sagt, dass der sog. Schwachwind-Zuschlag diskutiert werden müsse, da dieser unwirtschaftlich sei, erledigt sich das Problem ohnehin ganz von allein.
Viele Gemeinden in der Planungsregion Donau-Wald haben sich mittlerweile öffentliche gegen die Windkraft ausgesprochen. Die Ablehnung der Ausweisflächen von Seiten der Kommunen in FRG und REG beziehen sich u.a. auf die Gefährdung der Wasserversorgung sowie touristische Einwände. Haben diese Einwände Ihrer Meinung nach Aussicht auf Erfolg?
Eine gute Frage. Das Thema Trinkwasser ist meiner Meinung nach ein stichhaltiges Argument. Weitere Ausschlussfaktoren liegen etwa in der Nähe zu militärischen oder seismographischen Anlagen begründet. Ansonsten erschein es eher schwierig, dass diese Argumente gegen dieses angeblich vorrangig öffentliche Interesse Bestand haben. Ich weiß nicht, wie sich das ausgeht.
Im Landkreis FRG gibt es de facto acht Windvorranggebiete – sechs sind in der Liste eingetragen, die restlichen zwei sind grenzüberschreitende Gebiete mit dem Landkreis Regen. Nur weil diese Gebiete nun ausgewiesen sind, weiß man freilich nicht, ob da nun auch tatsächlich gebaut wird. Aber: Sobald der Status „ausgewiesen“ vorhanden ist, ist die Büchse der Pandora geöffnet. Das heißt: Wenn ein Investor kommt und da bauen will, dann kann er bauen, weil es ein Windvorranggebiet ist. Das muss man wissen. Es besteht dann ein Rechtsanspruch.
„Es geht um Teilhabe, nicht um Ausschluss“
Wie geht’s denn nun weiter im Prozedere, nachdem die Einspruchsfrist verstrichen ist und die Einwände entsprechend dokumentiert worden sind?
Die Stellungnahmen seitens der Bürgerschaft müssen nun gesichtet und bearbeitet werden. Ob diese an denjenigen Stellen landen, an die sie gehören, weiß ich nicht. Ich weiß aber vom Landkreis Regen, dass hier hunderte von Stellungnahmen per Gerichtsvollzieher in Straubing übergeben wurden, um sicherzustellen, dass hier nichts verschwindet.
Ich denke, dass es nun ein paar Monate dauert, bis die Einwände geprüft worden sind. Fakt ist: Im nächsten Jahr finden die Kommunalwahlen statt. Und ich denke: Wenn die Leute ihren Unmut in Sachen Windkraftplanungen auf ihrem Wahlzettel dokumentieren, wird es vielleicht die ein oder andere Überraschung geben. Denn die Bürger sind sauer – und man kann so nicht mit ihnen umgehen.
Vor zehn Jahren hatten wir noch die Möglichkeit, darüber abzustimmen. Diese Möglichkeit hat der Herr Aiwanger jedoch im vergangenen Jahr gecancelt. Zuvor, wenn eine Gemeinde sagte: Wir wollen das Windrad im Staatswalt nicht – dann war das Projekt gestorben. Doch heute hat der Bürger scheinbar nichts mehr zu melden. Ich könnte weiterhin sehr gut damit leben, per bürgerlichem Mehrheitsbeschluss über den Bau von Windrädern zu entscheiden. Es geht um Teilhabe, nicht um Ausschluss. Und dann wundert man sich, wenn die Bürger an die politischen Ränder driften…
Vielen Dank für das Gespräch – und Ihnen weiterhin alles Gute.
Interview: Stephan Hörhammer









„Wer einen Sumpf trockenlegen will, der darf nicht vorher die Frösche fragen.“ Vor mehr als 20 Jahren hatte Erwin Huber im kleinen Kreis freimütig kundgetan, wie „Teilhabe“ der Untertanen bei sensiblen Themen bevorzugt von der großen Politik gehandhabt wird.
Diesmal sind die Frösche also wir Menschen im Woid, jedenfalls diejenigen, denen unser Woid noch Heimat und Herzensangelegenheit ist mit dem, was ihn fast einzigartig macht in unserm Land: den bisweilen immer noch großen, stillen, manchmal geheimnisvollen, unzerschnittenen Wäldern, in die man sich zurückziehen kann vom Stress und Lärm des Alltags, in denen wir Trost und Ruhe finden können … oder auch einfach nur Schwammerl.
Die Strategie scheint sich bewährt zu haben, auch heute werden offenbar die Frösche nicht wirklich gefragt. Mich würde nicht wundern, wenn zeitgleich zur Regionalplanung schon heute konkrete Bauvorhaben in den Startlöchern stünden.
Umso größer mein Respekt für den längst pensionierten Berufskollegen Josef Erhard (auch wenn ich seine Ansicht zur Atomenergie nicht teilen mag), der auf so ausdauernde, zeitgemäße, fundierte und kurzweilige Weise auf diese Wald- und Heimatzerstörung aufmerksam macht!
Herr Aiwanger sollte als Aufsichtsratsvorsitzender der Bayerischen Staatsforsten laut dem Bayerischen Waldgesetz Art. 18 (1) eigentlich einer vorbildlichen Staatswaldbewirtschaftung verpflichtet sein und den Wald vor Schäden bewahren – wie dies mit Windindustrieanlagen in Wäldern vereinbar sein kann, habe ich als Förster noch nie verstanden.
Denn abgesehen von großflächigen Rodungen und extremen Bodenverdichtungen für riesige Stellflächen und überbreite Zufahrtsstaßen, oft auch für die notwendigen Umspannwerke, abgesehen von unfassbaren Mengen an Beton (einem der klimaschädlichsten Baustoffe weltweit), abgesehen vom hochtoxischen Abrieb der Rotorblätter beim Betrieb und den Schall- und Infraschallemmissionen, abgesehen vom Schreddern von Vögeln und Fledermäusen, abgesehen vom Risiko gigantischer Industrieruinen im Wald, falls am Ende die nicht selten viel zu geringen Rückstellungen nicht reichen für einen Rückbau, konterkariert die Windindustrieinfrastruktur auch eine der wertvollsten „Leistungen“ unserer Wälder gerade in Zeiten des Klimawandels: ihre Fähigkeit, sich selbst und ganze Landschaften in Hitzephasen zu kühlen.
Wenn also unser Woid dann bald dauerhaft noch viel mehr Löcher haben wird als eh schon, schlimmer beinand sein wird als der vielzitierte Rock des Bettelmanns, wenn ihn dann Propeller überragen, die vielleicht 5 (bis 7!) mal so hoch sein werden wie die allermächtigsten seiner jahrhundertealten Bäume, wenn die Thermik über den sommerheißen Rodungsflächen Jahr für Jahr den letzten Rest der Feuchtigkeit aus den angrenzenden Waldböden saugt, dann freuen sich wenigstens die Borkenkäfer auf frische Beute … und die Investoren auf Subventionen … weniger freuen werden sich wahrscheinlich die Schwammerlsucher – denn Pilze sind recht sensible Wesen, die sehr empfindlich auf Störungen in ihren Lebensräumen reagieren sollen.
Hoffentlich sind unsere Urlaubsgäste, von denen ja nicht wenige Waidlerfamilien leben, nicht ebenso empfindlich …
Zum Interview mit Josef Erhard und dem Kommentar von Peter Langhammer kann ich nur sagen, dass die beiden sich nicht mit der Zukunft beschäftigen. Wir müssen so schnell wie möglich aus den fossilen Energien Öl, Gas und Kohle raus um die Erde nicht weiter aufzuheizen. Das gild auch für den Bayerischen Wald! Die Ausreden mit der unverwechselbaren Landschaft die gerade diese Form von Energieprojekten nicht verträgt wird ja immer vorgebracht und zeugt von der Angst vor Veränderung. Sicher ist die momentane Situation von fehlenden Stromtrassen und Energiespeichern nicht ideal und zeugt von den Versäumnissen der letzten Jahrzehnte die sowohl Regierungen als auch Großkonzerne zu verantworten haben. Wenn wir endlich soweit sind, dass wir unsere Häuser nicht mehr fossil beheizen und auch unsere Autos LKW´s und Züge elektrisch fahren, wird auch der Strom dringend gebraucht. Gerade in der Nacht und im Winter, wo unsere Photovoltaikanlagen nicht liefern ist der Wind unverzichtbar. Es ist für mich unverantwortlich mit welchen Windkraft-Horrorszenarien Windkraftgegner produziert werden. Die erneuerbaren Energien haben bei der Stromproduktion längst die fossilen Energien und auch die Atomkraft weltweit überholt und es wird so weitergehen, ob der Bayerische Wald dabei ist oder nicht. Wer sich wirklich ernsthaft informieren will, sollte einen Blick nach Österreich ins Mühlviertel zum Sternwald nach Vorderweißenbach wagen. Dort gibt es Windkraftanlagen im Wald auf Berghöhenrücken vergleichbar mit unserer Region. Dort gibt es lebhaften Tourismus, die Tiere im Wald leben noch und die Bevölkerung profitiert von den Anlagen.
Lieber Hans Madl-Deinhart, es wäre wirklich schön und auch notwendig, wenn es bei der Windindustrie tatsächlich darum ginge „so schnell wie möglich aus den fossilen Energien Öl, Gas und Kohle raus“ zu kommen. Tatsächlich ist das aber nicht ansatzweise der Fall – und kann auch wohl nicht gelingen, wenn weiteres exponentielles Wachstum oberste Priorität politischen und ökonomischen Handelns ist. Tatsächlich kommt nämlich weltweit immer mehr fossile Energie zum Einsatz (und nicht weniger, wie Sie schreiben) – und die sogenannte Regenerative kommt noch obendrauf dazu!
Weil das Ausmaß der geplanten Windindustrie hier in unserer Woidheimat sich auch in einem extrem krassen Missverhältnis zur Zahl der hier lebenden Menschen und Industrie darstellt, ist klar, dass der produzierte Strom nicht in erster Linie den Waidlern, sondern den Metropolen und Industriezentren dienen soll.
Und der Anlagenertrag wird ausschließlich den Investoren dienen (die sicherlich weit genug entfernt wohnen von ihren Anlagen) und nicht wie von Ihnen so malerisch am Beispiel des Mühlviertels behauptet, „der Bevölkerung“. Den Menschen vor Ort bleiben nur alle Nachteile der Anlagen. Alle!
Würde der produzierte Strom tatsächlich vorrangig die Waidler versorgen, bräuchte ja niemand fehlende Stromtrassen (wollen Sie übrigens so eine über Ihrem Haus?) beklagen brauchen.
Insofern kann in diesem Kontext der Woid durchaus ein klein wenig verglichen werden mit den zwangsentsiedelten Ortschaften im Braunkohletagebau, wo lange vernachlässigte und dünner besiedelte ländliche Regionen ebenfalls für Industrie und Metropolen geopfert werden.
Das sind aber nur zwei weitere der zahlreichen Punkte, die von manchen Menschen übersehen werden, welche Windindustrie (in der aktuellen Ausprägung – es ginge ja vielleicht auch anders) als die tolle grüne sanfte (und für die Investoren auch durchaus einträgliche) Alternative zu anderen Formen der Energieerzeugung ansehen und die Welt und ihr Klima ausschließlich mit Fokus auf das Element Kohlenstoff (oder Rendite) betrachten … und selbst da noch wichtige Zusammenhänge übersehen – oder vielleicht auch nicht zur Kenntnis nehmen wollen?
So zB. die Tatsache, dass Wälder zu den allergrößten natürlichen Kohlenstoffspeichern unseres Landes zählen, durch uns Menschen ohnehin schon auf weniger als 20% ihrer ursprünglichen natürlichen Speicherkapazität reduziert worden sind und durch Windindustrie in den Wäldern (weil es die billigsten und am leichtesten verfügbaren Flächen in diesem dicht besiedelten Land sind!!) nicht nur noch weiter dezimiert, sondern va. auch ganz erheblich geschwächt und gefährdet werden – insbesondere im Klimawandel!
Auch andere Gefahren und Nachteile hatte ich ja erwähnt. Geschenkt.
Natürlich glaube ich Ihnen gerne, dass Tourismus ganz besonders bevorzugt unter Windindustrieanlagen stattfindet … und dort auch alle Wildtiere sich tummeln … jedenfalls für Füchse stimmt das sicherlich, sie freuen sich über das Manna, das dort regelmäßig vom Himmel regnet 😉
Ihre Analyse zu Herrn Erhard, den ich bisher persönlich leider bisher gar nicht kenne, und mir ist ganz erstaunlich: Wir beschäftigen uns also Ihres Erachtens nicht mit der Zukunft und haben Angst vor Veränderungen. Aha.
Eine sehr gewagte Ferndiagnose.
Nein, gerade ich bin dafür bekannt, mich immer wieder für Veränderungen einzusetzen und auch selbst zu wagen, da wo sie Missstände beseitigen oder Verbesserungen erwarten lassen. Beides sehe ich hier nicht – im Gegenteil!
Was ich nicht mag ist: wenn Verantwortliche erst jahrzehntelang wichtige Veränderungen verpennen oder aus Eigennutz verhindern, dann aber, wenn der Druck zu groß wird, alles übers Knie brechen ohne Rücksicht auf Verluste und zum Schaden ihrer Mitmenschen und -lebewesen.
Hmm – jedenfalls darf ich Ihnen verraten, dass ich bereits seit vielen Jahrzehnten, bis heute, als damals noch kein Hahn nach Kohlenstoff krähte, aber Nachhaltigkeit durchaus schon ein ernst zu nehmendes Thema war, meine Wohnung und später mein Haus nicht nur regenerativ beheizt und mit Strom versorgt habe, sondern auch mit überwiegendst regenerativen Materialien erbaut.
(So ginge es ja auch im Woid 🙂 … muss ja nicht alles immer gigantomanisch sein)
Was kein Zufall ist: Denn Forstwissenschaften gelten wegen der extremen Komplexität und Langlebigkeit der dort bearbeiteten Ökosysteme als gute Schule für vernetztes und langfristig vorausschauendes Denken.
Nix für ungut und herzliche Grüße!
Lieber Peter Langhammer, welche Lösung gibt es Ihrerseits für die Zukunft? Aus Ihren Äußerungen kann ich da keine Zukunftsperspektive erkennen. Anbei ein paar hoffnungsvolle Zahlen:
Weltweit stürmt die Energiewende voran
• Im ersten Halbjahr 2025 lieferten Windkraft und solare Photovoltaik erstmals in der Geschichte mehr Strom als alle Kohlekraftwerke auf der Welt, heißt es in einer aktuellen Analyse der Denkfabrik Ember. https://www.sueddeutsche.de/wissen/erneuerbare-energien-kohle-photovoltaik-china-li.3322879?sc_src=email_4380022&sc_lid=423090178&sc_uid=3DAszXmDiu&sc_llid=35848&sc_eh=
• Die weltweite Stromproduktion aus Solaranlagen legte demnach in sechs Monaten um rund 31 Prozent zu
• 60 Prozent aller Zuwächse im Bereich der erneuerbaren Energien werden derzeit in China erzielt. Die ehrgeizigen Ausbauziele für Wind- und Sonnenstrom dürfte das Land laut IEA damit schon 2030 erreichen, fünf Jahre vor dem Plan. … Wie beeindruckend, hatte kürzlich ein Sonderbericht zu China dargelegt: 2024 trugen saubere Energien rund 1600 Milliarden Euro zur Wirtschaft des Landes bei, rund zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der Sektor wachse dreimal schneller als der Rest der Wirtschaft. Chinesische Firmen melden zudem drei von vier Patenten im Bereich sauberer Energietechnologien an. (SZ 7.10.25)
• China verdient mit dem Export von Electrotech schon seit mindestens 2024 Dutzende Milliarden Dollar mehr, als die USA, die größte Fossilexportnation der Welt, mit dem Export von Öl und Gas einnehmen. Der Abstand wächst. 70 (Wind) bis 90 Prozent (Solar, Batterien) der weltweiten Produktionskapazität für Electrotech befinden sich in China.
Diese Entwicklung verdankt die Welt dem technischen Schub durch das EEG vom 1.4.2000 der SPD-GRÜNEN Bundesregierung
Das Windrad der Zeit
„Wusstet ihr nicht, dass euer Lebensstil zu Problemen führen wird? Dass die gigantische Freisetzung von CO2 durch Verbrennung fossiler Stoffe das Weltklima massiv verändern wird? Nein, das kann nicht sein. Bei Durchsicht alter Medien aus den 1980er und 1990er Jahren finden sich bereits zahlreiche Hinweise auf die Klimaerwärmung. Zunehmend wurden die Fakten wissenschaftlich fundiert untermauert und schlußendlich 2015 im Pariser Klimaabkommen vereinbarte man, die Erwärmung unter 1,5 Grad zu halten. Alle Länder sollten Maßnahmen ergreifen um den CO2 – Ausstoß zunehmend stärker zu reduzieren.
Der CO2 Fußabdruck einer Durchschnittsdeutschen betrug 10 to pro Jahr. Eines Afrikaners 1 to! Seit der industriellen Revolution verursachten Nordamerika und Europa 62 % der CO2-Emissionen – Afrika 3%. Die gravierendsten Auswirkungen erlitten damals schon heiße Länder wie zum Beispiel die Subsahara. Inseln im Pazifik bauten Sandsackwälle um den steigenden Meeresspiegel aufzuhalten.
Und was habt ihr gemacht Mitte der 2020er Jahre? Große Teile der Bevölkerung wollen kein Verbrenner-Aus, sondern weiterhin die Atmosphäre verpesten. Die meisten wehren sich ein bisschen weniger Fleisch zu konsumieren, was CO2 Emission vermindern könnte!
Ungebrochen ist die Unsitte mindestens einmal im Jahr eine Flugreise zu absolvieren und dadurch enormen Kohlenstoffausstoß zu verursachen. Regenerative Energien wie die Windkraft hätten einen großen Beitrag zu einem geringeren Anstieg der Klimaerwärmung leisten können, doch Menschen konnten sich nicht damit abfinden Windräder in der Landschaft stehen zu sehen. Aber diese Menschen wollten auch sonst auf nichts verzichten.
Diese Zeit war verrückt, weil Parteien, die ein klein wenig Klimaschutz verwirklichen wollten abgewählt wurden. Wenn ich mir das so überlege: diese minimalen „Zugeständnisse“ wie Windräder, E-Mobilität, Umstellung von Ernährungsgewohnheiten oder Verzicht auf Flugreisen hätten ausgereicht, um meine Umwelt so zu erhalten und weiterhin Leben zu ermöglichen wie es in den 2020er Jahren war.
Die Erwärmung um mehr als 3 Grad Durchschnittstemperatur innerhalb weniger Jahrzehnte ging schnell. Überraschend war für viele der stärkere Anstieg im Bayerischen Wald, geschuldet der kontinentaleren Lage. Damals konnte sich keine Regierung zu weitergehenden Klimaschutzmaßnahmen durchringen, im Gegenteil – stagnierende Wirtschaft, hohe Rüstungskosten und Haushaltsprobleme führten dazu bereits beschlossene Klimaschutzprogramme zurückzunehmen.
Wir haben jetzt Sommer mit monatelanger Hitze ohne Niederschläge, die Wiesen verdorren, Bäume in den Städten sind vertrocknet und die Fichtenwälder in den Mittelgebirgen hat schon vor Jahren der Borkenkäfer gefressen. Aber auch alle anderen einheimischen Bäume sind fast verschwunden. Trinkwasser wird regelmäßig kontingentiert. Flüchtlingswellen aus Afrika und dem Orient belasten die Gesellschaft stark. Starke Unwetter sind der Regelfall.
Wenn ich mir anschaue, welche Diskussionen damals geführt wurden, um ein paar Windräder in Mittelgebirgen aufzustellen, dann kann ich das kaum glauben. Sicher ist eine Landschaft reizvoller ohne Windräder, doch in Abwägung der Klimarisiken und der eindeutigen wissenschaftlichen Prognosen, hätte es doch überhaupt kein Zögern geben dürfen.
Ein 3 MW Windrad hätte 2025 ca. 0,5 ha Waldfläche benötigt. Je nach Kaskadennutzung des Holzes wären dadurch ca. 200 to CO2 freigesetzt worden. Ein Windrad hätte (konservativ gerechnet) innerhalb eines Monats diese CO2 Menge kompensiert. Den jährlichen Holzzuwachs bzw. die entgangene CO2 – Speicherung hätte das Windrad in einem halben Tag kompensiert.
Die Energy Payback Time des Windrades lag damals bei ca. 12 Monaten, in dieser Zeit hat die Turbine mehr Primärenergie erzeugt, als für Herstellung, Transport, Aufbau und Rückbau aufgewendet wurde. Alle für das Windrad aufgewendeten Rohstoffe (Stahl Beton, Rotorblätter) verursachten lediglich ca. 8 – 25 g CO 2 äq/ kWh. Das wäre eine wesentliche Investition in meine Zukunft gewesen.
Was noch unverständlicher erscheint, ist die Tatsache, dass damals viele Kommunen unter Finanznöten litten und durch ein Arrangement mit der Windenergiebetreiberin oder durch Eigeninitiative dieselben hätten reduzieren können. Ja, es hätte alles anders laufen können und ihr, die ihr damals gelebt habt hättet es wissen können.
Das schreibe ich euch als ein Bayerwaldkind, das 2020 glücklich in dieses Land geboren wurde und sich wünscht, ihr hättet meinen Rückblick damals lesen können, vielleicht wäre mir viel erspart geblieben.
Saldenburg, den 5. November 2050.“