Bayerischer Wald. In Deutschland setzte der Siegeszug der Kartoffel erst so richtig ein, als der Preußenkönig Friedrich II. im Jahr 1756 per Erlass anordnete, dass die Bauern in seinem Herrschaftsbereich verpflichtet waren, sie anzubauen. Die Absicht des „Alten Fritz“, die hinter dieser Zwangsmaßnahme steckte, war, die schnell und stark anwachsende Bevölkerung mit ausreichend Nahrung zu versorgen. Im vorangegangenen 16. und 17. Jahrhundert hatten die Pest, verschiedene andere Seuchen und der Dreißigjährige Krieg großen Teilen der Bevölkerung das Leben gekostet, aber jetzt schnellten die Einwohnerzahlen rasch in die Höhe. Zweiter Teil der Hog’n-Serie, in deren Rahmen Heimatforscher Rupert Berndl die Erfolgsgeschichte der bekannten Nutzpflanze näher beleuchtet.

Mit den vergleichsweise wenig ertragreichen Getreidesorten, die bislang ausschließliches Grundnahrungsmittel waren, konnte man diesem Problem nicht mehr Herr werden. Da bot sich die Kartoffel als Lösung an, wenngleich auch ihr Kälte und Nässe zu schaffen machten und sowohl Fäule, als auch Schädlinge bekämpft werden mussten.
Der Auslöser für den so genannten „Kartoffelbefehl“ des preußischen Königs war der Überlieferung nach dessen Besuch 1743 bei seiner Schwester, der Markgräfin Wilhelmine, in Bayreuth. Als nämlich beim Festbankett die noch weitgehend unbekannte, schmackhafte Feldfrucht gereicht wurde, erkannte Friedrich II offenbar das Potenzial, das in der Knolle steckte.
Darum heißt der „Breinhof“ bei Bärnreut so

Der Erfolg, der mit dem massenhaften Anbau der Erdäpfel, wie die Kartoffeln in unserem Raum auch heute noch genannt werden, verbunden war, sprach sich in Windeseile herum und veranlasste viele Landesherrn, dem preußischen Vorbild nachzueifern. Wenn man so will, so steckte bestimmt oftmals auch ein gerüttelt Maß an politischem Kalkül dahinter.
So entsprach es vorrangig der Fürsorgepflicht des jeweiligen Landesherrn – in unserer Gegend dem Fürstbischof von Passau, der über das Land der Abtei herrschte – für das Wohl seiner Untertanen dadurch Sorge zu tragen, so dass er den Anbau der Erdäpfel vehement vorantrieb und damit ein Überleben in den hoch gelegenen und unwirtlichen Gegenden entscheidend erleichterte. Jetzt hatten die Not- und Hungerjahre vielerorts ein Ende.
Bislang war man auf eine ausreichende Ernte der wenigen Getreidesorten angewiesen. Die Abhängigkeit vom Getreide schränkte ein planvolles Besiedeln der grenznahen Höhenlagen stark ein, denn nur in den tieferen Lagen mit einem entsprechend milderen Klima reifte das Korn, gedieh der Brein. Der Brein, also die Hirse, war das Hauptnahrungsmittel und Voraussetzung für eine ausreichende Grundversorgung.
Aber der Brein gedieh nur in Lagen bis etwa 700 Metern. Somit war eine planmäßige Besiedelung von höher gelegenen Gebieten rein versorgungstechnisch nur eingeschränkt möglich. Viele Niederschläge, feuchte Sommer, lange Winter mit großen Schneemengen machten den Anbau der empfindlichen Getreidesorte zum Lotteriespiel. Einige wenige Flurbezeichnungen und Hausnamen, die auf dieses wichtige Lebensmittel hinweisen, haben sich bis zum heutigen Tag erhalten. So zum Beispiel der „Breinhof“ bei Bärnreut, in der Stadtgemeinde Waldkirchen.
In Frauenberg ist eine fünfköpfige Familie verhungert
Missernten waren an der Tagesordnung. Ihnen fielen vor allem die Kinder, die Schwachen und Alten zum Opfer. So ist zum Beispiel noch im Jahr 1741 in Frauenberg eine fünfköpfige Familie schlichtweg verhungert. Mit der Einführung der Kartoffel änderte sich das grundlegend.
Im Abteiland führten die Passauer Fürstbischöfe den Anbau von Kartoffeln in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein und trieben ihn entschieden voran. Unterstützt von der Kartoffel als Ernährungsgrundlage, konnten jetzt auch höhere Lagen gerodet, besiedelt und bewirtschaftet werden. Das wiederum war ganz im Sinne der fürstbischöflichen Landespolitik, da nun die Grenze nach Böhmen hin besser kontrolliert und gesichert werden konnte. Außerdem mehrten sich die bewirtschafteten Flächen und damit flossen natürlich auch mehr Steuern und Abgaben in die herrschaftliche Kasse. Zeitweise wurde Neusiedlern in den Hochlagen der Grenzgebiete zu Böhmen hin sogar entsprechend Saatgut mitgegeben.
Rupert Berndl
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