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Regen. Der Geschichte der Knabenschule folgt nun im zweiten Teil der Regener Schulgeschichte(n) der Blick in die Historie der Mädchenschule. Sie begann Mitte des 19. Jahrhunderts. Bis dahin gab es zunächst den Unterricht von Knaben und Mädchen in den Wohnungen der Lehrer sowie im alten Rathaus. Ab 1827 stand das neu erbaute Schulhaus am Weinberg zur Verfügung.

Eine Mädchenklasse mit der Lehrerin vom Orden der Armen Schulschwestern. Das Bild dürfte vor 1910 an der Treppe zur Frauenkapelle der Pfarrkirche entstanden sein. Fotos: Archiv Hans Vogl

Wegen der beengten Raumverhältnisse existierte bereits in der Mitte der 1840er Jahre der Plan, eine eigene Mädchenschule zu gründen, und dafür Schwestern aus dem neuen Orden der Armen Schulschwestern zu gewinnen, die einen sehr guten Ruf hatten. Obwohl die Kosten nicht hoch waren, fehlte dennoch das dafür notwendige Geld. Eine große Hilfe war in dieser Situation das Vermächtnis der Apothekerwitwe Therese Steiner, das die Errichtung eines Filialinstituts der Armen Schulschwestern zum Inhalt hatte.

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Nachdem damit die finanzielle Hürde überwunden war, kam es rasch zur Einigung hinsichtlich des Standortes der neuen Schule. Wie schon zuvor beim Knabenschulhaus wurde erneut die Umgestaltung der neben der Pfarrkirche gelegenen Sebastianikapelle ins Auge gefasst und nun auch beschlossen. Schon im Mai 1851 genehmigte die Regierung die Pläne und unmittelbar danach begann der Bau, der im Oktober vollendet war.

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Im alten Mauerwerk stellten sich gesundheitliche Probleme ein

Diese Aufnahme aus der Zeit um 1910 zeigt die 1892 erbaute Mädchenschule und links dahinter die 1852 durch den Umbau der Sebastianikapelle entstandene erste Mädchenschule. An der Ostseite der Kirche befand sich damals noch der Friedhof.

Am 5. Oktober 1852 wurden die drei Schulschwestern feierlich empfangen und der Schulbetrieb nahm einen guten Anfang. Die räumliche Situation erforderte bereits 1853 einen dritten Lehrsaal, der über der Allerseelenkapelle eingerichtet wurde. Doch mit den Jahren stellten sich gesundheitliche Probleme ein, deren Ursache im Gebäude selbst lag. Das alte Mauerwerk war dumpf, feucht und von Modergeruch erfüllt, so dass die Schwestern erkrankten und auch die Gesundheit der Mädchen gefährdet war.

Das rief sowohl die Generaloberin als auch den Bezirksarzt auf den Plan. Gemeinsame Erkenntnis war die Notwendigkeit, ein neues Mädchenschulhaus zu bauen. Verschiedene Gründe sprachen dafür, dies in der unmittelbaren Nachbarschaft zu tun. Bereits 1883 war nämlich ein Anbau an der Mühlleite für einen weiteren Lehrsaal erstellt worden. Durch seine Aufstockung sowie einen großzügigen Erweiterungsbau sollte das Mädchenschulhaus entstehen.

Es gab zwar kurzzeitig Überlegungen, den Neubau an anderer Stelle zu errichten, doch sie wurden wegen der höheren Kosten nicht weiterverfolgt. Außerdem wollten die Schwestern in der Nähe der Kirche bleiben, weil sie damit auch die Kinderbewahranstalt des St.-Josefs-Vereins betreuen konnten. Nach dem Grundstückserwerb erfolgte der Baubeginn und noch im Verlauf des Sommers 1892 konnte das Schulgebäude fertiggestellt werden.

Zwei Klassen mussten in Knabenschule verlegt werden

Schon bald erwies sich die neue Mädchenschule wiederum als zu klein. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts mussten deshalb zwei Klassen in die Knabenschule verlegt werden, die durch den Um- und Erweiterungsbau des Jahres 1905 aufnahmefähig war. 1920 wurde außerdem von der benachbarten Kinderbewahranstalt ein Zimmer angemietet und als Schulzimmer eingerichtet. Im August 1950 schließlich wurde an der Rückseite des Mädchenschulhauses eine bauliche Erweiterung vorgenommen, doch auch diese konnte die Raumnot nicht beseitigen.

Eine Aufnahme aus dem Ende der 1950er Jahre mit der Marienschule (links) sowie dahinter dem Neubau der Mittelschule (jetzt Realschule). In der rechten unteren Bildecke ist das damalige Krankenhaus zu sehen.

Die alte Mädchenschule bei der Kirche nahm zunächst als Notquartier die neu gegründete Regener Mittelschule (jetzt Realschule) auf, bis diese 1957 den Neubau an der Bodenmaiser Straße beziehen konnte. Anschließend fand sich für das marode Gebäude keine Verwendung mehr. Es wurde 1988 abgerissen, um für den Neubau der Stadtbücherei Platz zu machen.

Das Gebäude war außerdem sehr in die Jahre gekommen und in einem schlechten baulichen Zustand. Deshalb wurde an der Amtsgerichtsstraße die Marienschule errichtet, zeitlich genau ein Jahrhundert nach der ersten Mädchenschule des Jahres 1852. Im Dezember 1954 fand die Einweihung statt, an der sogar der Passauer Bischof Simon Konrad Landersdorfer teilnahm. Die Marienschule war zwei Jahrzehnte Regener Mädchenschule, und zwar bis zur Fertigstellung der Zentralschule im Jahr 1973. Später wurde das Gebäude in den Komplex der Realschule integriert.

Hans Vogl

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