Werbung

In einer Welt, in der Selbstvermarktung, Durchsetzungsstärke und ständige Leistungsbereitschaft als Schlüssel zum Erfolg gelten, überrascht es kaum, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale besonders gut zum Zeitgeist passen. Dabei auffällig: Narzissten und Psychopathen sind überdurchschnittlich häufig in Führungspositionen anzutreffen – ob in Wirtschaft, Politik oder Öffentlichkeit.

Huey Colbinger ist Songwriter, Lyriker, Gitarrist, Denker und Philosoph – lebend und freischaffend in der Nähe von Passau.

Doch: Wie kann es sein, dass gerade Menschen mit stark ausgeprägtem Ego, geringem Mitgefühl und manipulativen Tendenzen in unserer Gesellschaft häufig derart weit „nach oben“ kommen? Und welche Folgen hat das?

Werbung

Hog’n-Autor Huey Colbinger hat sich in der Rubrik „Colbingers Kaleidoskop“, in der er seine Stimme insbesondere gegen Missstände, Schieflagen und Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft erhebt und dabei mehr Mut zur Wirklichkeit fordert, darüber Gedanken gemacht.

Werbung

Schein und wenig Kompetenz?

Narzissten zeichnen sich durch ein übersteigertes Selbstbild, ein starkes Bedürfnis nach Bewunderung und eine große Fähigkeit zur Selbstinszenierung aus. In Bewerbungsgesprächen oder bei öffentlichen Auftritten wirken sie oft besonders überzeugend, dominant und charismatisch – Eigenschaften, die allgemein mit Führungsstärke assoziiert werden. Dass diese äußere Fassade nicht unbedingt mit innerer Kompetenz einhergeht, wird durch ihre Versprechungen dabei häufig übersehen.

Auch in der modernen Wirtschaft finden wir Beispiele: Steve Jobs, Mitgründer von Apple, wurde von vielen als visionär bewundert – gleichzeitig galt sein Führungsstil als rücksichtslos und manipulativ. Kollegen beschrieben ein „Realitätsverzerrungsfeld„, mit dem er Menschen zu Leistungen trieb, die sie selbst nicht für möglich hielten. Seine Erfolge waren unbestreitbar – doch sie forderten auch menschliche Opfer im engen Umfeld.

„Hüte dich vor Personen, deren Versprechen immer ein Dritter zu erfüllen hat.“

Die dunkle Seite der Rationalität

Psychopathische Persönlichkeiten – nicht zu verwechseln mit Gewaltverbrechern im klassischen Sinn – handeln oft kühl, berechnend und ohne Mitgefühl. Sie können charmant wirken, verfolgen ihre Ziele jedoch kompromisslos und auf Kosten anderer. In Machtpositionen kann genau diese emotionale Distanz als vermeintliche „Stärke“ gedeutet werden.

Ein drastisches Beispiel dafür ist Josef Stalin. Als sowjetischer Diktator regierte er mit eiserner Hand, beseitigte systematisch seine Gegner und setzte eine Politik durch, die Millionen von Menschen das Leben kostete. Seine emotionale Kälte, sein Misstrauen und sein strategisches Denken machten ihn zum Inbegriff des machtbesessenen Psychopathen – einer, dem das System kaum Grenzen setzte. Andere findet man aktuell in anderen Ländern der Erde…

Ähnliche Muster zeigen sich auch in der modernen Finanzwelt. Der Börsencrash 2008 wurde nicht zuletzt durch riskantes und skrupelloses Verhalten in der Bankenbranche ausgelöst. Namen wie Bernie Madoff, der mit einem riesigen Schneeballsystem Milliarden veruntreute, oder Richard Fuld von Lehman Brothers stehen für einen Typus von Führungskräften, die durch Rücksichtslosigkeit und Selbstüberschätzung ganze Volkswirtschaften ins Wanken brachten. Ein System, das sich bis heute im Kern nicht gewandelt hat.

Erfolg um jeden Preis

Unsere Gesellschaft fördert bestimmte Persönlichkeitszüge ganz aktiv – oft unbewusst. Wer laut ist, sich selbst gut verkauft und scheinbar unbeirrbar seinen Weg geht, wird belohnt. Bescheidenheit, Empathie und Selbstkritik hingegen gelten vielfach als Schwäche. In kapitalistischen Systemen zählen Kennzahlen, Ergebnisse, Präsenz – und weniger Integrität oder soziale Verantwortung.

Ein besonders aufschlussreiches Beispiel ist Elizabeth Holmes, Gründerin des Start-Ups Theranos. Mit einer Vision von revolutionärer Medizintechnik, einem künstlich tiefer gestellten Sprechstil und dem Look eines weiblichen Steve Jobs überzeugte sie Investoren, Medien und Politik – obwohl ihre Technologie nie funktionierte. Der Betrug flog auf, doch bis dahin hatte sie es geschafft, Milliardeninvestitionen zu sichern – allein durch Selbstinszenierung, Charisma und ein manipulierendes Auftreten.

Eine Gesellschaft der Oberflächen – „Soziale“ Medien und Communities

Ein weiterer Grund für den Aufstieg narzisstischer Persönlichkeiten liegt in unserer medialen Kultur. Plattformen wie Instagram, TikTok oder sonstige Reality-TV-Formate fördern eine narzisstische Selbstwahrnehmung und belohnen oberflächliche Attraktivität, Dominanz und emotionale Dramaturgie. Wer laut, provokant und selbstverliebt auftritt, gewinnt Aufmerksamkeit – ein kostbares Gut in der digitalen Welt. Es sind Klicks, generiert durch hohle Bewunderung ohne wahre Bedeutung, denen jegliche gedeihliche Substanz in der wirklichen Welt fehlt. Das Ergebnis sind immer mehr Menschen mit Psychosen, die keinerlei existenzielle Zusammenhänge mehr verstehen und nicht (mehr) in der Lage sind, ihre unmittelbaren Notwendigkeiten zu verantworten.

„Ein echtes Leben ist der größte revolutionäre Akt im digitalen Zeitalter.“

Donald Trump ist ein Paradebeispiel – wenn der Lügner Wahrheit spricht. Vom Reality-TV-Star zum Präsidenten – sein Aufstieg zeigt, wie sehr narzisstische Selbstvermarktung heute politische Karrieren ermöglichen kann und mithilfe dieser Werkzeuge Menschen geschickt durch ihre ideologischen Blindheiten gegeneinander ausgespielt werden können. Seine Amtszeiten sind geprägt von Polarisierung, Desinformation und der konsequenten Auflösung politischer Normen – mit weitreichenden Folgen für die Demokratie. Auch hier verschmolzen Charisma, Manipulation und Machtstreben zu einer gefährlichen Mischung.

Gegenüber des Atlantiks finden wir wiederum ein anderes Beispiel, das es in seiner Charakteristik zu erkennen gilt – Europa und seine politischen Akteure dann noch mittendrin.

„Der Anspruch auf die absolute Wahrheit ist die Wiege der Lüge.“

Was sagt das über uns aus?

Letztlich sind es nicht nur Narzissten und Psychopathen, die bestimmte Strukturen ausnutzen – es ist unsere Gesellschaft, die ihnen den Boden bereitet. Systeme, die auf Wettbewerb, Image und kurzfristige Erfolge ausgelegt sind, belohnen Eigenschaften, die langfristig aber nur destruktiv wirken. Und je mehr wir äußere Wirkung über innere Werte stellen, desto größer wird der Spielraum für manipulative Persönlichkeiten.

Das bedeutet nicht, dass jeder erfolgreiche Mensch eine narzisstische oder psychopathische Störung hat. Doch es zeigt: Wir müssen uns fragen, welche Eigenschaften wir wirklich fördern wollen – in Unternehmen, in der Politik und in der Öffentlichkeit. Erfolg sollte nicht davon abhängen, wie laut jemand schreit oder wie überzeugend er sich inszeniert – sondern davon, welchen echten Wert er für die Gesellschaft schafft. Genau das erkennt man an den Taten einer Person – an den kleinen wie an den großen.

Der Erfolg von Narzissten und Psychopathen ist kein Zufall – er ist das Produkt einer Kultur, die Schein oft über Sein stellt. Wenn wir nachhaltig, gerecht und menschlich gestalten wollen, braucht es einen kulturellen Wandel – hin zu mehr Authentizität, Empathie, kritischer Selbst-Reflexion und einem Weiterdenken über unseren persönlicher Tellerrand hinaus. Erkennen wir die wahre Bedeutung von Zahlen durch ihr Zustandekommen und lassen uns nicht von ihrer bloßen Größe blenden!

Die wichtigste Frage zuletzt:

Wie aufrichtig bist du selbst in deinem täglichem Handeln?

Huey Colbinger

________________

Der Autor dieser Zeilen ist Songwriter, Lyriker, Gitarrist, Denker und Philosoph. Lebend und freischaffend in der Nähe von Passau. Er veröffentlichte bisher mehrere Musikalben, deren Lieder von unabhängigen Radiostationen gespielt werden, ebenso ein Hörbuch sowie drei Gedicht-Bände. Huey Colbinger ist mit seinem Live-Programm regelmäßig im deutschsprachigen Raum unterwegs. Sein persönliches Motto lautet: „Machen wir uns auf – und bleiben wird dran!“

____________________

Mehr zum Lesen und Nachdenken:


Dir hat dieser Artikel gefallen und du möchtest gerne Deine Wertschätzung für unsere journalistische Arbeit in Form einer kleinen Spende ausdrücken? Du möchtest generell unser journalistisches Schaffen sowie die journalistische Unabhängigkeit und Vielfalt unterstützen? Dann dürft ihr das gerne hier machen (einfach auf den Paypal-Button klicken).


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert