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Regen. Für die Regener Schulgeschichte war das 19. Jahrhundert die Phase, in der es darum ging, die ersten Grundlagen und Rahmenbedingungen für ein einigermaßen geordnetes Schulwesen zu schaffen. Die Zeit war allerdings bestimmt von einer Mangelsituation in allen Bereichen, vor allem hinsichtlich der finanziellen Mittel. Es fehlte zudem an Räumlichkeiten, aber auch an geeignetem Lehrpersonal. Aus der Perspektive der Gegenwart ist nicht mehr vorstellbar, welch einfache Verhältnisse in dieser Frühphase der schulischen Entwicklung gegeben waren. Ein zweiteiliger Rückblick durch Hog’n-Gastautor Hans Vogl soll das deutlich machen. 

Die Schüler der Knabenschule mit den Lehrkräften auf einem Bild, das am 3. August 1900 vor dem alten Schulhaus entstanden ist. Fotos: Archiv Hans Vogl

Der erste Teil ist der früheren Knabenschule gewidmet, ein weiterer der ehemaligen Mädchenschule. Die Stadtgeschichte von Gotthard Oswald enthält zur Entwicklung des Schulwesens eine überraschende Fülle von Informationen, die vor allem auf Aufzeichnungen des früheren Regener Stadtpfarrers Nikolaus Hackl beruhen. Wir wollen uns dabei auf die baulich-räumlichen Gegebenheiten beschränken.

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Zu Beginn des 19. Jahrhunderts standen im Markt Regen nur zwei Schulräume zur Verfügung, einer davon befand sich im alten Rathaus am Marktplatz. Zudem fehlte es an Lehrkräften, sowohl quantitativ als auch qualitativ. Der Unterricht wurde überwiegend von sog. Schulgehilfen erteilt. Es war eine Situation des Mangels bei gleichzeitig zunehmender Schülerzahl.

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Eine nicht mehr tragbare Situation

Das Schulgebäude nach der Aufstockung im Jahr 1881…

Mit größter Dringlichkeit stellte sich deshalb die Notwendigkeit eines Schulhauses, doch alle Bemühungen in dieser Richtung scheiterten an unterschiedlichen Vorstellungen hinsichtlich der geeigneten Lösung, sowie am fehlenden Geld. Nach mehrjähriger Diskussion fiel schließlich die Entscheidung, das Schulhaus auf dem Weinbergacker des Bräuers Josef Oswald (spätere Brauerei Falter) zu erbauen. Es war eine buchstäblich kleine Lösung, denn das Gebäude enthielt nur vier Schulzimmer, zwei Zimmer für die Schulgehilfen und einen Abstellraum.

1826 wurde dieser Plan von der Regierung für endgültig erklärt, die zugleich darauf drängte, mit dem Bau noch im Frühjahr 1827 zu beginnen. Trotz einiger Verzögerungen konnte diese wichtige Baumaßnahme bis zum Herbst vollendet werden. Damit war die schier endlose Diskussion um das Schulhaus beendet.

Die zunehmenden Schülerzahlen ließen bei den ohnehin begrenzten Verhältnissen nach zwei Jahrzehnten erneut eine nicht mehr tragbare räumliche Situation entstehen. Dies führte dazu, eine eigene Mädchenschule ins Auge zu fassen, die 1852 durch Umwidmung und Umbau der damaligen Sebastiani-Kapelle neben der Pfarrkirche verwirklicht wurde. Damit war eine Entlastung der Schule am Weinberg erreicht, die nun eine reine Knabenschule war. In den 1870er Jahren stellte sich das Raumproblem erneut. Deshalb kam es 1881 zur Erweiterung. Und zwar durch ein zweites Stockwerk, wodurch die notwendigen Räumlichkeiten geschaffen werden konnten.

Optische Gliederung und innere Struktur überzeugten

…sowie nach dem Umbau und der Erweiterung 1905.

Nach zwei Jahrzehnten stellte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts bei der Knabenschule das Raumproblem wiederum und in dringlicher Form. Damals versuchte der Markt Regen erfolgreich, sich durch zukunftsweisende Investitionen auf die Bedürfnisse der neuen Zeit einzustellen. Dies geschah auch auf dem Gebiet des Schulwesens.

Bereits 1892 war ein neues Mädchenschulhaus entstanden und im Jahr 1905 wurde das alte Knabenschulhaus am Weinberg in einer großzügigen und vorausschauenden Weise sowohl umgebaut als auch durch zwei Flügel in Richtung Westen und Osten erweitert. Damit waren ausreichende und angemessen Räumlichkeiten geschaffen.

Das Schulhaus überzeugte architektonisch durch seine optische Gliederung und die in der inneren Struktur gegebene Funktionalität. Der immer noch eindrucksvolle Bau hat inzwischen eine grundlegende Sanierung erfahren und ist seit der Gründung der vor einigen Jahren umfassend neugestalteten Grund- und Mittelschule am Grubhügel die Heimat des Sonderpädagogischen Förderzentrums. Der traditionelle Name „Schule am Weinberg“ ist dabei erhalten geblieben.

Hans Vogl

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