Cham. Wenn Christoph Feiner mit seinem Opel Manta (Baujahr 1988) zum Bäcker fährt, ist das nie nur ein schneller Semmel- und Brezenkauf. Es ist eine kleine Zeitreise in eine Ära, in der Vokuhilas modern, Fuchsschwänze obligatorisch und Heckspoiler lebensnotwendig waren. Sein lila-farbener Oldtimer ist für die einen ein automobiles Fossil mit Hang zur Peinlichkeit, für den 26-Jährigen aber die pure Manifestation von Fahrgefühl und Freiheit.

Der gelernte Maschinist aus Hiltersried im Landkreis Cham ist mit seinem Rüsselsheimer Sport-Coupé seit zwei Jahren im Oberen Bayerischen Wald unterwegs. Ein Bekannter hatte ihm den Manta B GSI 2.0 16V verkauft. „Ich hab‘ damals ohne groß zu überlegen zugeschlagen“, erinnert sich Christoph an jenen denkwürdigen Tag.
Wie ein eigentlich digital aufgewachsener Twen dazu gekommen ist, sich in diesen „Kult-Proll-Hobel“ zu verlieben? Wir haben bei ihm nachgefragt – und dabei erfahren, wie viel Zeit er in sein Hobby und seine Leidenschaft steckt. Teil 10 unserer Hog’n-Serie „Altes Blech“ !
Der Geruch von verbranntem Benzin in der Nase
Christoph: Seit wann interessierst du dich für Fahrzeuge älteren Baujahrs? Und: Gab es in deinem Falle einen konkreten Auslöser für das „Alte-Blech-Virus“?
Mein ganzes Leben lang interessiere ich mich bereits fürs alte Blech. Das Manta-Fahren wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt. Meine ganze Familie ist früher diese Marke gefahren. Und schon im Kindergarten habe ich zu meinen Freunden gesagt, dass ich später mal mit einem Manta unterwegs sein werde (lacht).

Was macht deiner Meinung nach die Faszination für „altes Blech“ aus?
Jedes Auto hat seinen ganz eigenen Charakter und sieht anders aus. Man kann sich zudem noch größtenteils selber helfen, wenn mal was kaputt gegangen ist. Und es ist immer wieder schön, wenn man auf der Straße ein altes Auto vorbeifahren sieht oder hört – und den Geruch von verbranntem Benzin in der Nase hat. Wenn man sich auf der Straße begegnet, grüßt man sich – egal, ob man sich kennt oder nicht. Wenn ich in den Manta steige, kann ich alles rundherum vergessen – und spüre nur noch die Leistung, den Sound und das Gefühl von Freiheit.
Wie viel Zeit wendest du für dein Hobby „Altes Blech“ auf? Erzähl einfach mal…
Mein Manta wird regelmäßig bewegt. Wenn nichts Größeres kaputt gegangen ist, wird meistens den Winter über in der Garage geschraubt. Dabei werde ich aus dem Schmökern in Fachliteratur meistens nicht so recht schlau, weswegen ich lieber bei den Vertretern der älteren Generation nachfrage – die können mir häufig helfen und stehen mir zur Seite, wenn’s mal a bissl zwickt und hakt. Hauptansprechpartner dafür ist mein Onkel, der für alles die passende Lösung hat. Aber auch der Austausch mit anderen Alt-Blech-Liebhabern ist mir wichtig, wenn es um die Frage geht, wie man etwas besser machen kann.
„Wir teilen alle die gleiche Leidenschaft“
Kann man in deinem Fall schon von einer Art „Sucht“ für Oldtimer-Fahrzeuge sprechen?
Ja, definitiv. Viele sagen zu mir: Also deine Freundin muss wahrlich keine Angst haben, dass du dich nach anderen Frauen umdrehst – so, wie du dich nach den Oldtimern umschaust (lacht). Und ja, es ist wirklich so: Hör ich den Sound eines älteres Autos, das gerade die Straße entlang fährt, steh‘ ich schon am Fenster und versuche herauszufinden, wo dieses Geräusch genau herkommt.

Welchen Stellenwert hat für dich der Austausch über die Fahrzeuge in der Gemeinschaft, sprich: mit anderen Altblech-Liebhabern?
Der Austausch ist für mich sehr wichtig, weil man dabei immer etwas Neues sieht und lernen kann. Und wenn mich etwas interessiert, frag ich beim Besitzer einfach nach – egal, wie absurd die Frage auch sein mag.
Wie groß ist die „Alt-Blech“-Szene im Bayerischen Wald? Was macht die Szene hier in diesen Breitengraden so besonders?
Also meiner Ansicht nach ist die Szene gut durchwachsen – alle Altersgruppen sind vorhanden. Größtenteils kennt man sich persönlich – oder manchmal auch nur die Autos. Wie häufig man sich begegnet, hängt unter anderem davon ab, wie aktiv man an den Treffen teilnimmt. Das Wichtigste ist: Wir teilen alle die gleiche Leidenschaft. Ob man sich zweimal im Jahr sieht oder alle zwei Wochen – es ist immer wieder schön!
Was macht den Unterschied für dich aus zwischen einem Fahrzeug älteren Baujahrs und den Autos von heute?
Früher hatten die Fahrzeuge noch Stil und Charakter, eines schöner als das andere. Und jedes Auto hat seine Geschichte. Es ist ein ganz anderes Feeling als bei den heutigen Autos, von denen alle irgendwie nur gleich aussehen.
„Da ist es egal, welches Auto man fährt“
Stichworte: Klimawandel und Nachhaltigkeit. Welche Rolle spielen diese Begriffe deiner Meinung nach in der Alt-Blech-Szene? Und: Wird man diesbezüglich kritisiert, wenn man alte Autos aus Überzeugung fährt?

Zum Klimawandel will ich mich nicht äußern. Aber alte Autos zu fahren finde ich definitiv nachhaltiger, als alle fünf Jahre ein neues zu kaufen. Und klar wird man kritisiert, hauptsächlich in der Stadt. Doch diesen Gesprächen gehe ich grundsätzlich aus dem Weg.
Ein verbreitetes Klischee besagt, dass die Freunde von Audi, Golf, Opel und Co. gerne mal aufs Gas drücken und im Straßenverkehr überwiegend weniger Rücksicht auf andere nehmen? Ist es nur ein Klischee oder steckt auch ein Funken Wahrheit dahinter?
Ein par „Treibauf“ denk ich gibt es bei jeder Marke. Da ist es egal, welches Auto man fährt.
Abschließend: Was wünschst du dir für die Zukunft hinsichtlich deines Hobbys?
Dass die Leute weiter zusammenhalten und sich gegenseitig unterstützen. Und dass uns nicht alles verboten wird, was Spaß macht.
Vielen Dank für Deine Zeit – und weiterhin gute Fahrt!
die Fragen stellte: Stephan Hörhammer








